"VocaMe" sorgen bei Wurzer Sommerkonzerten für außergewöhnliches Klangerlebnis
Einmal ins Transzendentale und zurück

Die Sängerinnen von "VocaMe" brachten das musikalische Werk Hildegards von Bingen und Kassias von Byzanz den Zuhörern bei den Wurzer Sommerkonzerten nahe. Bild: Stiegler
Kräuterexpertin, Visionärin, Klostergründerin - das sind landläufig Schlagworte, die einem zu Hildegard von Bingen einfallen. Die Musik gehört im Regelfall eher nicht dazu. Allerdings völlig zu Unrecht, wie am Samstagabend bei den Wurzer Sommerkonzerten hörbar wird.

Zu Gast ist das Vokalensemble "VocaMe" - vier Sängerinnen aus dem Bereich der Alten Musik - mit ihrem musikalischen Leiter Michael Popp. Eindrucksvoll vermitteln sie einen Einblick nicht nur in das Werk der Mystikerin, sondern auch in die Kompositionen Kassias von Byzanz sowie die lyrischen Werke von Christine de Pizan.

Ein Mehr an Strahlkraft

Aufgrund des Unwetters am Nachmittag wird das Konzert vorsichtshalber in den Marstall verlegt - akustisch gesehen sicherlich kein Nachteil. Das Gewölbe verleiht dem Gesang noch ein Mehr an Strahlkraft. Gerlinde Sämann (Sopran), Sarah M Newman (Sopran), Sigrid Hausen (Mezzosopran) und Petra Noskaiová (Mezzosopran) erfüllen mit ihren klaren und reinen Stimmen das Gebäude. Zwar bleiben einige Stühle frei, aber angesichts eines Programms ganz weit entfernt vom Mainstream können die Veranstalter durchaus zufrieden sein.

Und für die Zuhörer entwickelt sich ein ganz und gar spannendes Hörerlebnis, geprägt von einer sorgfältigen und klangschönen Wiedergabe von Hildegards Gesängen. Kraft und mystische Sphären, Ruhe und Spiritualität - Klänge und Töne werden mit allen Sinnen spürbar, die Gedanken verlieren sich in einer musikalischen Einzigartigkeit: "O tu illustrata de divina claritate, clara Virgo Maria - Jungfrau Maria, die Du von göttlicher Klarheit erleuchtet bis". Sowohl als Quartett, aber auch in den Solopartien und Duetten wird das sängerische Können von VocaMe unter Beweis gestellt. Michael Popp begleitet das Ensemble mit verschiedenen Instrumenten - von Fidel bis Santur, von Oud bis Dilruba.

Kräftiger Applaus

Darüber hinaus bringt er erzählerisch den Zuhörern die byzantinische Kassia (geboren um 810) näher, jene Frau, in deren Lieder sich laut Popp oft Geschichten aus dem Volksglauben widerspiegeln und die als die älteste Komponistin überhaupt gilt. So erzählt das von VocaMe dargebotene "Edessa" von einem Mädchen, das von einem Goten geraubt und in dessen Heimatland verschleppt wird. Die Ehefrau des Goten ist von dieser "Beute" allerdings nicht angetan und lasst das Mädchen lebendig begraben. Drei Märtyrer befreien das Mädchen jedoch schließlich.

Auch die zusätzlich ins Programm eingeschobenen Werke nach Gedichten von Christine de Pizan fügen sich hervorragend ein, schaffen die Verbindung zurück vom Reich des Transzendentalen in die Realität - das geklatschte "Galoppieren" der Pferde macht's möglich! Kräftiger Applaus für ein ungewöhnliches Konzertereignis.
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