Vom Glück einer großen Opernsängerin

Ein prächtiges Szenenbild aus der Oper "Siegfried" von Richard Wagner bei einem Gastspiel in Sevilla (Spanien): Hier sang Christa Mayer die Schlüsselrolle der "Erda". Bild: Guillermo Mendo Murillo

An den hohen kirchlichen Feiertagen verstärkt Christa Mayer den Kirchenchor in St. Marien Sulzbach-Rosenberg. Ansonsten steht die Oberpfälzerin auf den großen Bühnen der Welt. Die Opernsängerin erwarb sich vor allem als Wagner-Interpretin einen internationalen Ruf.

Sulzbach-Rosenberg. Nach einer anstrengenden Tournee in Japan und nicht minder fordernden Proben-Arbeiten an der Semperoper in Dresden wirkte Christa Mayer beim Händel-Monumentalwerk "Der Messias" in ihrer Heimatstadt mit. Das Telefon-Interview mit der bekannten Altistin führte Clemens Fütterer.

Sie sangen die Alt-Partie im "Messias" in Sulzbach-Rosenberg: Ein Entgegenkommen an die alte Heimat?

Christa Mayer: Es entspricht eher einer Win-Win-Situation, wenn ich so ein komplexes Werk wie den "Messias" als tolle Plattform habe - für meine Freunde und Familienangehörigen sowie die Sulzbach-Rosenberger zu singen.

Sie sind international vor allem als Wagner-Interpretin gefragt ...

Mayer: Dagegen wehre ich mich nicht (lacht). Ich bin seit 2001 an der Semperoper in Dresden, wo Wagner und Strauß dominieren. Da wächst man rein. Es ging bei mir mit dem "Ring" los. Ich empfinde es als Glück, neben den absoluten Weltstars zu singen; hier kann ich mir noch einiges abschauen. Je besser man die Opern von Richard Wagner kennt, desto stärker kann man sie genießen.

Seine Werke sind hoch komplex und die Sprache ist mit Alliterationen überhöht. Erst wenn man Wagner vollständig kennt, bedeutet er reinen Genuss. Es kommt mir entgegen, dass ich als deutsche Sängerin einen natürlichen Zugang zur Sprache der Wagner-Opern habe.

Apropos Weltstars: Ist der Hype etwa um Jonas Kaufmann oder Anna Netrebko gerechtfertigt?

Mayer: Jede Gesellschaft sucht sich ihre Götter. Das Publikum will das Besondere. Niemand wird zum Star, wenn er nichts leistet. Ich liebe meinen Beruf, aber ich fühle mich nicht als Star, auch wenn ich heuer im Sommer meine siebten Bayreuther Festspiele absolvierte und in "Tristan und Isolde" eine wichtige Partie gesungen habe.

Bei aller Fokussierung auf Wagner sind Sie trotzdem vielseitig, so bestreiten Sie Partien in Mozarts "Zauberflöte" und in Humperdincks "Hänsel und Gretel".

Mayer: Die Vielseitigkeit ist wunderbar und ich bin dankbar, dass ich sie pflegen darf. Gerade an der Semperoper erfahre ich eine große Bandbreite. Wir sollten der Oper ein wenig ihren Nimbus nehmen. Die Bedeutung der Kultur liegt mir am Herzen, Singen ist ein urmenschliches Ausdrucksmittel. Schade, dass gerade junge Menschen nur ein Ohr für "easy going" haben.

Ihre Stimme ist für Sie von existenzieller Bedeutung. Was tun Sie dafür?

Mayer: Üben und nochmals üben. An sechs Tagen in der Woche mache ich Stimmübungen über zweieinhalb Oktaven, um den Umfang nach oben und nach unten auszuloten. Ich betreibe Yoga, rauche nicht, trinke sehr wenig Alkohol und versuche, gesund zu leben.

Was den Laien immer wieder in Erstaunen versetzt: Die Sänger beherrschen auch komplizierte und lange Texte von Arien selbst in Fremdsprachen perfekt. Wie schaffen Sie das?

Mayer (lacht): Das geschieht sozusagen von selber. Bei großen Partien fängt man ein bis zwei Jahre vorher zum Proben an. Das häufige Repetieren führt zur Text-Sicherheit. Sechs Wochen vor dem öffentlichen Auftritt erfolgt die szenische Proben-Arbeit mit den Bewegungsabläufen. Zwei Wochen vor der Premiere proben wir mit dem Orchester. Dann gibt es auch noch den Souffleur, aber nur noch in Deutschland, aber nicht in Opernhäusern im Ausland. Dort ist man sich ganz auf sich selber verlassen, was in der Regel gelingt.

Was waren bisher Ihre schwierigsten Partien?

Mayer: Die modernen Opern, wie "Lulu" von Alban Berg. Die ersten Proben machen einen schweren Kopf, aber dann kommt der Befreiungsschlag und es bereitet großen Spaß. Der Sänger ist hier noch freier.

Sie kehrten erst kürzlich aus Japan zurück. Was sangen Sie dort?

Mayer: Am New National Theater in Tokio die Erda in "Rheingold", eine Schlüsselrolle. Sie hat mir am Beginn meiner beruflichen Laufbahn gewissermaßen den Durchbruch beschert.

Kommen Sie noch oft nach Sulzbach-Rosenberg?

Mayer: Ich bin auf einem Bauernhof bei Sulzbach-Rosenberg aufgewachsen. Ich komme gerne heim zu meiner Familie. Wenn ich es an Weihnachten und Ostern schaffe, singe ich im Kirchenchor St. Marien. Wenn ich im Sommer in Bayreuth auftrete, fahre ich nicht selten heim. So, jetzt gehe ich noch nach Vilseck - zu meiner Tante auf die Kirwa.
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