Vom Pförtner zum Erfinder des Rock
Chuck Berry feiert 90. Geburtstag

Vor einigen Jahren trat er in Nürnberg im Löwensaal auf. Chuck Berry wurde von seinen Fans frenetisch gefeiert. Auch deshalb, weil sie wussten, dass ihm sein Alter kaum mehr Spielraum für weitere Auftritte ließ. Bild: Unger

Wo immer er heute auch sein mag an seinem 90. Geburtstag: Auf der ganzen Welt denken Millionen von Fans an Chuck Berry, der die Musik unserer Tage revolutionierte und Songs für die Ewigkeit schrieb.

St. Louis. Der Mann aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri war nicht nur Entertainer, er sorgte auch dafür, dass kein Rock'n'Roll-Konzert ohne seine Kompositionen abläuft. Chuck Berry setzte Meilensteine. Er schrieb "Memphis Tennessee" und "Johnny B. Goode". Elvis Presley nahm beide Lieder in sein Konzertprogamm auf. Von ihm stammt der Knaller "Sweet Little Sixteen", den Brian Wilson für die Beach Boys in den wegweisenden Hit "Surfin USA" umtextete. Sein "C'est La Vie" wurde für Emmylou Harris zu einem Welthit. Die Rolling Stones coverten "Walking the Dog" und die Beatles kamen mit Berrys "Rock and Roll Music" in die Hitparaden.

Legendäre Karriere


Ein Farbiger, der einst Pförtner des US-Radiosenders WEW war. Dort kaufte er einem Musiker die E-Gitarre ab, erwarb ein Tonbandgerät und begann damit, seine eigene Musik aufzunehmen. 1952 hatte Chuck Berry seinen ersten Auftritt in "Huff's Garden", einem kleinen Club in St. Louis. Damit begann eine heute legendäre Karriere. Erste Plattenaufnahmen beim Chess-Label, Kompositionen wie "Maybellene", "Ida Red" und, vier Jahre später, "Roll over Beethoven". Ohrwürmer bis heute. Songs, die Geschichte schrieben und Texte, die noch immer jeder kennt. "Hail Hail Rock'n'Roll! - die von Berry gehisste Flagge hat viele Stürme überstanden.

Seine Konzerte waren immer ein Juwel für das Publikum. Im sogenannten Duck-Walk steppte Chuck Berry mit seiner Gitarre über die Bühne. Das tat er auch in Nürnberg, als die Menschen vor ein paar Jahren in Scharen zu seinem Konzert kamen. Wie immer hatte der betagte Meister eine Kapitänsmütze auf dem Kopf und fragte lächelnd den an der Garderobe wartenden Journalisten: "Warum kommst Du wegen eines alten Mannes wie mir?" Die Antwort war einfach: "Weil hier ein Stück Rockgeschichte auftritt".

Von Alaska bis Feuerland


Was Chuck Berry bei diesem Gastspiel bot, war nicht mehr vom Allerfeinsten. Der Duck-Walk klappte nur andeutungsweise, die Band musste ihn aus so mancher Dissonanz befreien. Egal aber auch.

Wer dabei war, wird seinen Enkeln erzählen können, dass er einen der Erfinder des Rock leibhaftig sah. "Just let me hear some of that Rock-and-Roll-Music": Worte, die von Alaska bis Feuerland den Globus veränderten. Dauerhaft und unter Federführung von Chuck Berry.
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