Vor 100 Jahren starb Franz Marc
Des „Blauen Reiters“ letzter Ritt

Franz Marc hatte nicht viel Zeit, um sich einen Platz in der Kunstgeschichte zu ermalen. Nur 36 Jahre wurde er alt. Vor 100 Jahren fiel der "Romantiker unter den Expressionisten" im Ersten Weltkrieg.
 
Franz Marc wurde nur 36 Jahre alt, hatte nur wenig Zeit, das Werk zu schaffen, das heute fest verankert ist im Malerei-Kanon der Deutschen. Er hinterließ 244 Ölgemälde sowie 261 Zeichnungen und Aquarelle. Das bunte Tier war sein Leitmotiv - angeführt vom berühmten blauen Pferd, das der Künstlervereinigung "Blauer Reiter" mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und dem ebenfalls im Krieg gefallenen August Macke ein Gesicht gab. Bilder: dpa (2)

Erst sollte er Pastor werden, dann Philologe. Schließlich wandte er sich der Malerei zu. In nur wenigen Jahren setzte Franz Marc Maßstäbe - bis zu seinem viel zu frühen Tod am 4. März vor 100 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg.

Bonn. Das Telegramm erreichte Maria Marc in Bonn, wo sie die Witwe des Malers August Macke besuchte. Elisabeth, Mutter zweier Kinder, hatte schon 1914 ihren Mann auf dem "Feld der Ehre" verloren, wie die Behörden im Ersten Weltkrieg das Gemetzel an den Fronten verklärten. Mackes Malerfreund Franz Marc, so konnte die erschütterte Maria am 5. März 1916 dem zweizeiligen Schreiben entnehmen, hatte tags zuvor dasselbe Schicksal getroffen. Bei Verdun in Frankreich, wo kurz zuvor eine der blutigsten Schlachten des Krieges begonnen hatte.

Tödlich verletzt


Dabei sollte der Offizier Marc mit seinem Burschen Heinrich Hackspiel an jenem Samstag vor 100 Jahren lediglich einen Erkundungsritt im Hinterland durchführen. Unweit eines Waldstücks hielten die beiden an, wie sich Augenzeuge Hackspiel in etwas ungelenker Diktion erinnerte. "Der Herr Leutnand stig ab und wollte auf der Karte nach etwas sehn, im selben Moment schlug eine Granate etwa 3 m neben uns ein." Ein Splitter traf Marc am Kopf und verletzte ihn tödlich.

Damit endete am Nachmittag des 4. März 1916 das Leben jenes Mannes, der mit dem von ihm und Wassily Kandinsky herausgegebenen Almanach "Der Blaue Reiter" die Kunstwelt elektrisiert hatte und dessen Name für einige der eigenwilligsten und bekanntesten Schöpfungen der Moderne steht. Wie steinig der Weg dorthin war - und welchen Anteil seine Frau daran hatte, arbeitet die Historikerin Brigitte Roßbeck in ihrer unlängst erschienenen Marc-Biografie auch anhand der von ihr editierten Erinnerungen Marias heraus.

Auch als der damals 28-jährige Marc seine Werke 1908 erstmals einem größeren Publikum präsentierte, musste er noch manche Krisen meistern - private wie künstlerische. Obwohl er als Sohn des in München arrivierten Kunstmalers Wilhelm Marc keineswegs aus armen Verhältnissen stammte, hatte der junge Franz Mühe, über die Runden zu kommen. Die Kunst warf anfangs kaum etwas ab. Mehr noch: Sie stand bei "Kennern" in der Kritik und stieß bei den Leuten auf der Straße bestenfalls auf Unverständnis.

"Nun möchte ich aber wissen, was für eine Milch diese Kuh gibt!" soll sich ein Betrachter von Marcs Gemälde "Die gelbe Kuh" gefragt haben. "Infantile oder farbenwahnsinnige Verunreinigung von Leinwänden", lautete ein abfälliges Urteil der katholischen "Augsburger Postzeitung" noch über die erste "Blaue Reiter"-Ausstellung 1911/1912. Was für eine Fehleinschätzung.

Irrungen und Wirrungen beherrschten aber vor allem das Verhältnis Franz Marcs zur Damenwelt. Zeitweilig und zeitgleich unterhielt der groß gewachsene und gut aussehende Maler drei Beziehungen: zu Annette Simon, unglücklich verheiratet mit einem Münchener Professor, zur Malerin Marie Schnür, die er 1907 ehelichte - und eben zu Maria, geborene Franck, Tochter eines Berliner Bankdirektors. Das brachte bittere Momente für alle Beteiligten mit sich.

1913 Heirat mit Maria


"Die Liebe schlägt oft tiefe Wunden, doch bringt sie auch vergnügte Stunden." Ein Keramikteller mit dieser Aufschrift, den sie am Tag der Hochzeit von Franz mit Marie Schnür erstand, sollte Maria bis zuletzt in ihrem Besitz halten. Es scheint, dass sich der Künstler Marc erst so richtig entfalten konnte, als er sein Liebesleben endlich unter Kontrolle brachte. 1908 ließ er sich von Schnür scheiden und bekannte sich damit zu Maria, die er 1913 schließlich heiratete.

Um diese Zeit herum entstanden Marcs berühmteste Schöpfungen wie "Blaues Pferd" (1911), "Tiger" (1912) oder "Tierschicksale" (1913). Zugleich pflegte das Paar vielfältige Verbindungen in Münchens Kunstszene mit klangvollen Namen wie Gabriele Münter, Marianne von Werefkin oder Paul Klee. Dann kam der Krieg, den Marc, wie viele Künstler seiner Generation anfangs fast euphorisch als eine Art reinigendes Gewitter begrüßte. In den Briefen kurz vor seinem Tod klingt Ernüchterung an: "La bête humaine [die Bestie Mensch], - nun weiß man, was das ist", schrieb er an den Vetter seines Freundes August Macke, Helmuth. Der sollte, anders als Franz Marc und August Macke, den Krieg überleben.

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Weitere Informationen:

www.franz-marc-museum.de/
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