Vor 20 Jahren starb der Amberger Komponist Erwin Walther - Tochter Michaela ordnet verstreutes ...
Rückblick auf einen höchst Gegenwärtigen

Amberg.Rückschau halten muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man am Althergebrachten festhält oder sich nur an Überkommenem orientiert. Der Blick auf das Leben des Amberger Komponisten Erwin Walther sorgt fürs Gegenteil: Er weitet den Horizont! Er führt uns in schillernd-bunten Farben vor Augen, was möglich war an Innovation und Kreativität, in der Epoche nach der "tabula rasa" des Zweiten Weltkriegs.

Weltweit bekannt

Was eine starke Künstler-Persönlichkeit vermochte, die ihre Überzeugungen in der Hingabe an die Musik und im Widerstreit gewonnen hatte. Die sich radikal der Spätromantik und der Moderne verschrieben und damit begonnen hatte, ein neues, unerhörtes Notationssystem zu etablieren. Und die gelernt hatte, diese trotz körperlicher Lädierungen zu verteidigen. Auch (oder gerade?) in der Provinz, hier in der Oberpfalz.

Erwin Walther, 1920 in Amberg in eine Musikerfamilie geboren, sollte eine solche Strahlkraft entwickeln, die es ihm nicht nur gestattete, ein einzigartiges Werk zu schaffen, sondern auch Menschen vor Ort und in ganz Deutschland und, spätestens heute, dank CD-Veröffentlichungen, auch in der ganzen Welt zu erreichen.

Michaela Grammer kümmert sich seit dem Tod ihres Vaters vor genau 20 Jahren um den umfangreichen Nachlass. Sie hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das verstreute Material zu ordnen und wieder zugänglich zu machen. Vielleicht birgt ja schon allein das Sterbedatum, der 1. Januar ein symbolisches Geheimnis? Dass nämlich das individuelle Ende des Komponisten Erwin Walther zugleich einen Anfang bedeutete und mit einem Versprechen verbunden war - dass sein Werk nämlich die Zeitläufte überdauern würde.

Konzert in Planung

Auch Wolfgang Dersch, Kulturreferent Ambergs, glaubt, dass die Bedeutung Walthers heute einem neuen Publikum zeitgemäß vermittelt werden kann: "Wir haben das ja schon mehrfach in Amberg bei den Studiokonzerten mit Erfolg gezeigt; die Musik Walthers spricht mehrere Sinne zugleich an. Durch die optische Vermittlung lassen sich heute neue Schichten für eine ansonsten vielleicht eher sperrige Musik finden." Das Stadtarchiv arbeitet an der Digitalisierung des Nachlasses, für den Frühsommer ist ein Konzert im Stadttheater geplant.

Die Erschließung des Gesamtwerks ist noch lange nicht abgeschlossen. Da gab es beispielsweise seit den mittleren 60er Jahren Fernsehfilme wie "Mike Blaubart" oder "Dr. Katzenbergers Reise", alles 90-Minuten-Produktionen, die zur besten Sendezeit im ZDF liefen und von Walther-Freund Gerd Winkler inszeniert worden waren. Was damals ein großes mediales Echo hervorrief, ist heute verschollen.

Wäre doch eine schöne Bestätigung für das Weiterleben des Werks Walthers, wenn man 20 Jahre nach seinem Tod beim Hessischen Rundfunk und ZDF ein Einsehen hätte und Schätze wieder zugänglich machte.

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In der Nacht auf Freitag, 9. Januar, ist das "Concerto bavarese" auf Bayern 2 dem 20. Todestag Walthers gewidmet.
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