Vor 400 Jahren starb William Shakespeare
Englands ewiger Theaterstar

Shakespeare - hier als Wachsfigur bei Madame Tussauds im Ballhaus Berlin - war der ungekrönte König des elisabethanischen Theaters. Auch unter Elizabeths Nachfolger Jakob I. (1603-1625) stand er hoch im Kurs. Seine überragende Stellung in der Weltliteratur wird nicht angezweifelt. Viele Generationen von Literaturwissenschaftlern verdanken ihm Lohn und Brot. Auch heute noch ist Shakespeare der König der Bretter, die die Welt bedeuten. Bilder: dpa (3)
 

"Sein oder Nichtsein" - die berühmte Frage haben wir William Shakespeare zu verdanken, sie stammt aus "Hamlet". 400 Jahre nach seinem Tod ist die Beliebtheit des Dichters ungebrochen. Großbritannien und die literarische Welt feiern ihn unter dem Motto: Shakespeare lebt.

William Shakespeares (1564-1616) Werke gehören zu den bedeutendsten der Weltliteratur: Komödien wie "Ein Sommernachtstraum", Tragödien wie "Romeo und Julia", "Macbeth" oder "Hamlet, Prinz von Dänemark" mit der bekannten Frage nach Sein oder Nichtsein. Die Charaktere seiner Stücke verlieben sich, hassen sich, betrügen einander, missverstehen sich, streiten, kämpfen, morden. Kein menschliches Gefühl ist ihnen fremd, sie sind traurig, verärgert, eifersüchtig. Auch 400 Jahre nach seinem Tod am 23. April 1616 werden Shakespeares Stücke auf der ganzen Welt aufgeführt.

"Shakespeare Lives" (Shakespeare lebt) haben die Briten darum auch ihre Kampagne zum 400. Todestag genannt. Das ganze Jahr über feiern sie ihren Nationaldichter. Ein Highlight: Am 23. und 24. April werden 37 Kurzfilme auf Bildschirmen entlang der Themse gezeigt, die seine Werke würdigen. Neben Theateraufführungen gibt es unzählige Ausstellungen und Lesungen. 100 000 Schulen weltweit bekommen ein "Shakespeare-Paket", das den Schülern den Zugang zu Shakespeares Werken erleichtern und Schulen motivieren soll, sich intensiver mit dem Dichter zu beschäftigen.

Fürs Kino verfilmt


Viele seiner Stücke sind fürs Kino verfilmt worden, etwa die Komödien "Ein Sommernachtstraum", "Wie es euch gefällt", "Viel Lärm um nichts" oder das Historiendramen "Richard II.". Außerdem verfasste er zahlreiche Sonette und Versepen. Shakespeares Sprachschöpfungen prägten die englische Sprache mit, er hatte großen Einfluss auf die britische Kultur.

Dabei ist über sein Leben bis heute nicht viel bekannt. Der Sohn eines Handschuhmachers wurde 1564 getauft. Mit 18 heiratete er die Bauerntochter Anne Hathaway. Mit ihr hatte er drei Kinder. Um 1590 verließ er seine Heimatstadt Stratford-upon-Avon, gehörte in London als Schauspieler, Stückeschreiber und Teilhaber zur Schauspieltruppe "Lord Chamberlain's Men", die später zur königlichen Truppe "King's Men" wurde.

Heute stößt man in Großbritannien ständig auf den Namen des Dichters. Pubs sind nach ihm benannt, Theater im ganzen Land haben seine Stücke auf dem Programm. Und an der Themse in London steht das "Shakespeare's Globe"-Theater - ein Nachbau des elisabethanischen "Globe-Theatre", in dem zu Lebzeiten Shakespeares seine Stücke unter freiem Himmel aufgeführt wurden.

Der Dichter war dort Mitbesitzer und stand wohl auch selbst auf der Bühne. Es gilt heute als Shakespeares Schauspielhaus. Gebaut wurde das Globe-Theater 1599 am Südufer der Themse, nicht weit entfernt vom Rose-Theater, der ersten Wirkungsstätte des Dichters. Hier feierte etwa am 3. März 1592 sein Historiendrama "Heinrich VI." Premiere.

Dort, wo das Rose-Theater einst stand, stieß man in den 80er Jahren bei Grabungen auf historische Bekleidungsaccessoires, darunter Hunderte Glasperlen. Sie lagen unterhalb des Bereichs, in dem sich die Bühne befand. Das lässt darauf schließen, dass die Perlen einst an den Kostümen der Schauspieler befestigt waren. Dort fand man auch Kupfernadeln und -draht, mit denen wohl die Kostüme zusammengehalten wurden. Sogar Gold und Silber wurde in manchen Kostümen verarbeitet, um Wohlstand zu symbolisieren.

Es ging ums Geld


Shakespeares Stücke waren von Beginn an sehr erfolgreich. Das weiß man, weil der Besitzer des Rose-Theaters, Philip Henslowe, akribisch Buch darüber führte, welchen Umsatz die einzelnen Stücke einspielten und was auf dem Spielplan stand.

Zu Shakespeares Zeiten war Theater vor allem eine kommerzielle Angelegenheit: Theaterbesitzer Henslowe ging es weniger um die Kunst als ums Geld. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der seine Liebe zum Theater zum erfolgreichen Geschäftsmodell entwickelt hatte. Shakespeares Stücke trugen dabei maßgeblich zu seinem Wohlstand bei: Das Rose-Theater war das finanziell erfolgreichste Londoner Theater.

Aus dieser Zeit stammt auch der englische Begriff für Theaterkasse, "Box Office": Die Zuschauer mussten als Eintrittspreis eine Münze in ein Keramikgefäß (Box) werfen. Wer einen besseren Platz wollte, zahlte eine weitere Münze am Eingang eines jeden nächsthöheren Ranges. Am Ende der Vorstellung wurden die Gefäße in ein Büro (Office) gebracht, das "Box Office".

Als wohlhabender Mann kehrte William Shakespeare in seine Heimatstadt Stratford-upon-Avon zurück. Er starb dort 1616 im Alter von 52 Jahren. Sein Grab befindet in der Holy Trinity Church - der gleichen Kirche, in der er auch getauft wurde. Die Unesco erklärte den 23. April - gleichzeitig Todestag des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes - 1995 zum Welttag des Buches.

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Weitere Informationen:
www.shakespearelives.org www.shakespeare-gesellschaft.de

Zur Person1564 wird Shakespeare als Sohn des wohlhabenden Handschuhmachers John Shakespeare und Mary Arden in Stratford-upon-Avon geboren. Seine Taufe war am 26. April. Das exakte Geburtsdatum ist nicht überliefert, häufig wird der 23. April angegeben.

1582: Im Alter von 18 Jahren heiratete er die Bauerntochter Anne Hathaway.

1583: Geburt von Tochter Susanna und 1585: Geburt der Zwillinge Judith und Hamnet.

1593: Shakespeare schreibt "Venus und Adonis".

Ab 1594: Shakespeare gehört in London als Schauspieler, Stückeschreiber und Teilhaber zur Schauspieltruppe "Lord Chamberlain's Men", die später zur königlichen Truppe "King's Men" wird.

1595/96: Shakespeare schreibt "Ein Sommernachtstraum".

1595: Shakespeare schreibt "Romeo und Julia"

1596: Sein Sohn Hamnet stirbt mit nur 11 Jahren. Die Todesursache ist unbekannt.

1599: Shakespeare wird Mitbesitzer des Londoner "Globe Theatre".

1600/1601: "Die lustigen Weiber von Windsor" werden veröffentlicht.

23. April 1616: William Shakespeare stirbt als wohlhabender Mann im Alter von 52 Jahren in Stratford-upon-Avon, wo er auch begraben ist.
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