Vor 600 Jahren starb Jan Hus auf dem Scheiterhaufen

Der böhmische Theologe Jan Hus (geboren um 1369) gilt als ein Wegbereiter der protestantischen Reformationsbewegung. Trotz der Zusicherung freien Geleits durch den König verurteilte ihn das Konstanzer Konzil (1414 bis 1418) vor 600 Jahren zum Tod auf dem Scheiterhaufen.

Am 6. Juli 1415 vormittags wurde Hus wegen Irrlehren vom Konzil zum Tode verurteilt und nachmittags außerhalb der Stadtmauer verbrannt. Noch auf dem Scheiterhaufen weigerte er sich, seine Lehren zu widerrufen. Der Tod des Theologen führte zu den zwei Jahrzehnte andauernden Hussitenkriegen.

Über Jahrhunderte bewertete die katholische Kirche Hus als Irrlehrer, bis Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 um Vergebung für die Leiden des Reformators und seiner Anhänger bat. Zugleich würdigte er das Denken von Hus.

In Prag begannen am Sonntag die Feierlichkeiten zum Gedenken an den 600. Jahrestag des Märtyrertodes von Jan Hus. Am heutigen Montag, dem eigentlichen Todestag, der in Tschechien ein Feiertag ist, ist unter anderem ein Festumzug vom Altstädter Ring aus geplant. Am späten Nachmittag wird dort zu einem Ökumenischen Gottesdienst geladen.

Der Patriarch der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche, Tomas Butta, hat indes die Haltung von Papst Franziskus zu Jan Hus gewürdigt. Butta zeigte sich in einem Interview erfreut über das derzeitige lebhafte Interesse an Hus in Tschechien: "Man könnte meinen, dieses Thema gehöre der Vergangenheit an. Aber überraschenderweise hat in der Gesellschaft ein besonderes Verhältnis zu Hus überdauert."

Die Tschechoslowakische Hussitische Kirche entstand vor 95 Jahren. Bei der letzten Volkszählung bekannten sich 40 000 Gläubige zu der Kirche. Sie selbst geht von etwa 60 000 Anhängern aus. (KNA/shj)
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