Was darf Satire - ist Religion tabu?

War die Welt noch in Ordnung, als Kurt Tucholsky 1919 seinen legendären Satz formulierte: "Was darf die Satire? Alles." Der blutige Anschlag auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit seinen zwölf unschuldigen Opfern spricht eine ganz andere Sprache. Auch in Deutschland ist damit eine Diskussion über die Freiheit von Wort und Bild, von Spott und Parodie in zugespitzter Form entbrannt.

"Wenn wir unsere Pressefreiheit verteidigen wollen, dann dürfen wir uns nicht ducken", warnt die Chefin des Satiricums im thüringischen Greiz, Eva-Maria Máriássy. Und der Chefredakteur des deutschen Satiremagazins "Titanic", Tim Wolff, formuliert es berufsbedingt noch drastischer: "Satire ist ein Menschenrecht, ein Grundrecht, und alle Menschen haben ein Recht darauf, verarscht zu werden." Der Leiter des Deutschen Kabarettarchivs Jürgen Kessler sieht allerdings klare Grenzen: "Pure Herabsetzung und die Verletzung der menschlichen Würde sind für mich schlechte Satire."

Das Besondere an "Charlie Hebdo" im Unterschied zur deutschen Karikaturentradition: Das französische Blatt setzt sich auffallend häufig mit religiösen Themen auseinander. Der deutsche Karikaturist Klaus Staeck hält bei religiösen Themen eine besondere Sensibilität für erforderlich. Dennoch dürften auch sie nicht dem Meinungsstreit entzogen werden. "Unser wunderbares Wertesystem hat es geschafft, dass man auch den Papst karikieren kann und trotzdem steht niemand mit einer Pistole oder einer Kalaschnikow an der Tür. Diese Freiheit haben gerade wir Deutschen mühsam genug errungen. Wir sollten sie keinesfalls aufs Spiel setzen", sagt Staeck.

Eine Gefahr droht aber kaum von Auflagen und Einschränkungen, sondern eher von der Selbstzensur der Medienschaffenden. Der Berliner Karikaturist Klaus Stuttmann spricht von einer "Schere im Kopf".

Nur der Berufsspotter Martin Sonneborn, als Spitzenkandidat der Satirepartei "Die Partei" ins Europaparlament eingezogen, behielt sein böses Mundwerk. "Bei ,Titanic' könnte so etwas nicht passieren, wir haben nur sechs Redakteure." Und da ist sie gleich wieder, die Frage: Darf Satire das? (dpa)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.