Weiden: Ballhausorchester überrascht das Publikum
Gassenhauer, Gags und Glamour

Peter Wittmann und sein Ballhausorchester "sind scharf auf Erika". Bild: Kunz

Auch wenn die Zuhörer den ein oder anderen Schlager vermissten - Erika und Sigismund waren dabei. Auch "Isabella aus Kastilien" durfte nicht fehlen. Das Ballhausorchester überraschte nicht nur mit Liebe, Neid und Eifersucht.

Weiden.Kleiner Tipp am Rande: Wenn man vorher das Mikrophon einschaltet, dann klappt's auch mit der Stimme. Spaß beiseite. Der kleine Fauxpas zu Beginn der zweiten Runde war gar nicht der Rede wert. Peter Wittmann verzauberte sein Publikum einmal mehr mit seiner bedingungslosen Liebe zur Musik. Und die Damenwelt blendete er mit Charme und flotten Liedern.

Dämlich und liebenswert

"Wir sind so scharf auf Erika" lautete das Motto der diesjährigen Show mit dem Ballhausorchester in der Max-Reger-Halle. Pünktlich zum Jahresende bestachen Sänger Wittmann und seine Musiker die Fans mit Sprachwitz und Gassenhauer-Melodien, und auch solchen, die unter die Haut gingen. Leider stach kein Kaktus. Und die Bar zum Krokodil war zu.

Kurzum: Einige Ohrwürmer fehlten ganz einfach. Lieder, deren Arrangements und fröhlich-freche Texte man gerne mitgesummt hätte. Über den Gorilla im Zoo oder das Schwein, das keinen anruft oder die liebe Veronika mit ihrem Lenz. Titel und Texte eben, die der Zuhörer sofort unausweichlich im Gehörgang hat. Wittmann fand dazu das treffende Wort: "Mit Liedtexten verhält es sich so wie mit manchen Ehefrauen und Ehegatten, Freunden und Bekannten: Sie sind so dämlich, dass sie schon wieder irgendwie liebenswert sind und sie einem fehlen täten, wenn man sie nicht mehr hätte."

Er setzte diesmal auf eine Mischung aus Musik und einer ausgesuchten Lyrik, die er dem Dieter Hildebrandt Buch "Ich Du Wir - Paargedichte" entlehnte. Im Ergebnis waren das Lieder, die sich humorvoll mit der Zweisamkeit befassten. Aber auch intelligente. Ein geschickt mit den literarischen Vorgaben von Lessing, Hesse, Goethe und Ringelnatz verwebter Konzertabend.

Wittmann sang von Liebe, Neid und Eifersucht. Von männlichem Geltungsbedürfnis und Herzeleid. Ein Potpourri aus "Du bist so zauberhaft" und "Frühlingshass". Natürlich ging Wittmann auch Kompromisse ein und streute immer wieder wohlbekanntes Material zwischen neue Stücke: "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist", "Die schöne Isabella aus Kastilien", "Mein Bruder macht beim Stummfilm die Geräusche" oder "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da".

Hilfe vom "Tragödienchor"

Nagelneu hingegen: Die Heiratsschwindler-Nummer "Ladykiller" oder "Mein Herz sagt leise ich liebe Dich". "Vier Worte nur" wird so selten interpretiert, dass es nicht Mal Noten für eine Orchesterfassung gibt. Die musste selbst gestrickt werden. Ähnlich war die Situation bei "Amsterdam". Für "Sie sind mir so sympathisch" musste man sich das Notenmaterial über Max Raabe beschaffen.

Kurz vor Schluss durfte auch das Publikum mitsingen. "Ich ernenne Sie hiermit zum Tragödienchor, wie in der Antike bei den alten Griechen." Das Lied hieß "Erika". Es ging um Himbeerbrause. Fast a cappella, nur vom Bass begleitet, die Presley-Ode "Der fette Elvis". Mit der Zugabe "Schlafen geht das keine Saxophon" verabschiedeten sich Sänger und Orchester vom Publikum.
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