Weidens Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz stellt neues Festival-Konzept für 2008 vor
Reger-Tage feiern auch Gluck und Strauss

Die Pflege von Max Regers Erbe ist für die neue Weidener Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz ein wichtiges Anliegen. Bild: apz
Weiden. Ohne den ausgeschiedenenen Professor Kurt Seibert werden die traditionellen Max-Reger-Tage im Jahr 2008 stattfinden. Weidens neue Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz stellte ein neues Konzept vor: Vom 19. September bis 12. Oktober stehen die 10. Weidener Max-Reger-Tage unter dem Motto "Max Reger, Christoph Willibald Gluck und Richard Strauss - das musikalische Dreigestirn der Oberpfalz".

Nicht mehr mit sechzig Konzerten in zwei Monaten über Weiden und die Nordoberpfalz hinaus, sondern über gute drei Wochen, hauptsächlich in Weiden, ferner in Regers Geburtstort Brand, und außerhalb dort, wo sie finanziell abgesichert sind. In nur neun Tagen hat Petra Vorsatz, verantwortlich für die Finanzierung und Organisation, ein umfangreiches Konzept für die Zukunft der Reger-Tage erstellt.

Zahlreiche Partner und Mitwirkende, wie etwa die Bayreuther Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne und die Hofer Symphoniker, bleiben erhalten. Im Festivalbüro wird man nicht auf die Erfahrung von Astrid Karl und Irmi Betz verzichten. Die Kulturredaktion sprach mit Petra Vorsatz.
Manches wird anders: Es wird zum Beispiel keinen Intendanten mehr geben. Sondern einen künstlerischen Beirat mit dem Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen - das heuer die Weidener Musiktage konzertant eröffnete -, sowie einen wissenschaftlichen Beirat aus Musikwissenschaftlern.

Vorsatz: Ja, dazu gehören die in Weiden sehr gut bekannten Fachleute Professor Dr. Susanne Popp vom Max-Reger-Institut Karlruhe, Professor Dr. Rainer Cadenbach (Universität der Künste Berlin) und Professor Dr. Wolfgang Rathert von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Könnten diese Kreise noch wachsen?

Vorsatz: Sicher!

Wird es einen Schirmherrn/eine Schirmherrin aus der bayerischen Politikerriege geben?

Vorsatz: Muss es denn unbedingt ein Schirmherr aus der Politik sein? Wäre ein bekannter Musiker nicht mindestens so gut geeignet?

Meisterkurse von Musikprofessoren mit Studenten sollen eine Woche vor Festivalbeginn starten. Gibt es schon konkrete Pläne?
Vorsatz: Die Förderung der Jugend - und nicht nur dies - war am Konzept der Max-Reger-Tage von 1997 fantastisch. Man hätte nur bei diesem Entwurf bleiben sollen. Die Einbindung von Schülern und Studenten innerhalb und außerhalb Weidens ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Regertage. Es gibt schon ganz konkrete Ideen für Zusammenarbeit.

Was wird aus dem Förderkreis unter Vorsitz von Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunert?

Vorsatz: Der jetzige Förderkreis und der vorherige Freundeskreis der Max-Reger-Tage von Dr. Gerd Galle werden unbedingt eingebunden. Ich bewundere den Idealismus von Ehrenamtlichen.

Dieses Jahr veranstalteten die 9. Max-Reger-Tage einen internationalen Liedwettbewerb mit ansehnlichen Preisgeldern. Wird auch diese Tradition übernommen?

Vorsatz: Ganz sicher. Besonders das etwas vernachlässigte reiche Liedschaffen Regers mit fast 300 Kompositionen muss von der Max-Reger-Stadt Weiden weiterhin gefördert werden - ist Reger doch eher für sein Orgelschaffen bekannt - und da sollte die Max-Reger-Stadt Weiden gegensteuern.
A propos Orgel: Wird die neue Max-Reger-Orgel in St. Michael in das Festival integriert?

Vorsatz: Ja, und wie! Es bestehen gute Kontakte zu Dekan Wolfgang Scheidel und Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser. Momentan wird über einen Meisterkurs im Fach Orgel nachgedacht, der von einer bekannten Musikerpersönlichkeit gestaltet werden soll. Außerdem ist eine Orgelnacht geplant, an der die Kirchen St. Josef, St. Augustin, St. Michael, und Herz Jesu beteiligt sein sollen.

Ist es schwierig, professionelle Musiker und Ensembles zu finden, die Max Reger in ihrem Repertoire führen?

Vorsatz: Das kann ich bisher nicht feststellen: Fast täglich melden sich Interpreten, die noch nicht in Weiden aufgetreten sind, und an den Max-Reger-Tagen mitwirken möchten, wie etwa das Maggini-Trio aus München. Wie bisher wird es die ganze Bandbreite von Kammermusik bis zu Orchestermusik geben.

Max Reger ist der einzige in Weiden aufgewachsene, aber nicht der einzige Oberpfälzer Komponist.
Vorsatz: Darum nehme ich ja auch Christoph Willibald Gluck mit ins Motto für 2008, habe Kontakt zur Internationalen Gluck Gesellschaft. Ich denke da an eine Operninszenierung im Rosengarten der Max-Reger-Halle und bin dafür schon mit verschiedenen Veranstaltern im Gespräch. Auch der Münchner Richard Strauss mit seinen Oberpfälzer Wurzeln (Parkstein) wird neue Zuhörerkreise erschließen: dazu habe ich bereits Professor Roswitha Schlötterer-Traimer vom Strauss-Archiv Garmisch-Partenkirchen angesprochen. Natürlich wird auch der Geburtstort von Franz-Josef Strauss (* 1822), Vater von Richard Strauss, mit einbezogen. Fachvorträge werden die Konzerte ergänzen.

Einem hartnäckigen Gerücht nach, stand Nicolaus Richter, der Leiter der Bayreuther Musikschule als Intendant im Gespräch …

Vorsatz: Das stimmte ebenso wenig, wie die angeblichen Bewerbungen von dreißig Personen, die kursierten. Ich habe mit Nicolaus Richter ein herzliches Telefongespräch geführt, und er hat uns seine Hilfe und Unterstützung in jeglicher Form angeboten - aber für mehr hätte er gar keine Zeit.

Wer kann jetzt durch diese Pläne noch einen Strich machen?

Vorsatz: Der Weidener Stadtrat in seiner Sitzung am 19. November. Aber da die Fraktionen im Kulturausschuss meinem Konzept schon einhellig zugestimmt haben, rechne ich eigentlich nicht damit.
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