Weltberühmter Clown des Russischen Staatszirkus schlief friedlich ein [Aktualisierung]
Oleg Popow gestorben

Der weltberühmte russische Clown Oleg Popow vom Moskauer Staatszirkus 2003 in Regensburg. (Foto: ggö)
 
Der weltberühmte russische Clown Oleg Popow vom Moskauer Staatszirkus 2003 in Regensburg. (Foto: ggö)

Er war der letzte große Clown und galt weltweit als Star im Zirkuszelt. Grock aus Österreich und der Spanier Charlie Rivel gingen lange vor ihm. Nun ist auch Oleg Popow gestorben. In seiner russischen Heimat, wohin er im Alter von 86 Jahren mit einer Tournee zurückgekehrt war, schlief Popow friedlich vor dem Fernseher ein.

Moskau/Egloffstein. (hou/dpa) Oleg Konstantinowitsch Popow, der aus Wirubowo bei Moskau stammte, tobte nie durch die Manege. Wenn er sich die karierte Ballonmütze und eine rote Knollennase aufsetzte, die breit gestreifte
und viel zu kurze Hose anzog, wurde er zum Poeten. Der Russe schätzte lärmende Umtriebe nicht. Er war kein Bajazzo, der mit Kaspertheater und Geplärre sein Publikum unterhielt. Wann immer Oleg mit der roten Haarwuschel-Perücke den Sonnenstrahl einfing oder samt seinem kleinen Hund Mischka ebenso drollige wie genial einstudierte Scherze trieb, war das einfach nur schön. Auftritte, die im Gedächtnis haften. Lächeln statt lautem Lachen. Popow gab den Iwanuschka, den Hans im Glück. Stets Kind geblieben, trotz mancherlei Turbulenzen im Leben.

Platz in der Zirkusgeschichte


Popow wird für immer einen Platz in der Zirkusgeschichte haben. Der Mann mit den roten Socken, dem schwarzen Samtjäckchen und nur wenigen Schminktupfen im Gesicht, kam wiederholt auch in die Oberpfalz. Dabei sind Erinnerungen entstanden. Zum Beispiel an einen Februarabend im Jahr 1993, als wir den legendären Russen erstmals trafen. Interviewtermin nach einer Vorstellung des Großen Russischen Staatscircus in Neumarkt. Umtrunk im Foyer, Warten auf den Meister. "Wann kommt er?", wurde gefragt. Die Antwort gab seine damals frisch angetraute Ehefrau Gabriela. "Er sitzt neben Ihnen", sagte sie. Popow, ohne Schminke und im nachtblauen Anzug, lachte schallend.

Elf Jahre später. Oleg hatte uns eingeladen, ihn zu einer Pressekonferenz in München mit dem damals schon über 100-jährigen Johannes Heesters zu begleiten. Der Weg führte am Viktualienmarkt entlang. Hund Mischka schnüffelte an diversen Ständen, die Zeit drängte. Was dann geschah, war unglaublich: Eine ältere Frau blieb stehen, nahm den Vierbeiner und dessen Herrn ins Visier. Dann entfuhr es der Russlandübersiedlerin völlig entgeistert: "Popow!" Sie hatte den Clown trotz fehlender Camouflage erkannt und erzählte ihm: "Daheim ist es mir nie gelungen, Sie zu sehen." Da standen dem älteren Herrn Tränen in den Augen. Heesters musste warten. Zu ihm sagte er später spitzbübisch: "Ich könnte eigentlich Ihr Sohn sein."

Liebesgeschichte in Franken


Oleg Popow hatte über lange Zeit hinweg mit den Machthabern in Russland
gebrochen. Er, der daheim an der Staatsschule für Zirkuskunst auch in Artistik ausgebildet wurde, blieb irgendwann in Deutschland. 1991 lernte der Weltstar seine zweite Ehefrau Gabriela Lehmann bei einem Auftritt in Nürnberg kennen. Sie hatte einen Stehplatz, geriet in Popows Blickfeld. Der Rest war eine Liebesgeschichte, die bis zu seinem Tod andauerte. Mit ihr zog Oleg Popow auf einen Bauernhof im fränkischen Egloffstein (Kreis Forchheim). Deutsch lernte Popow nie. "Doch wenn ich in die Bäckerei komme und Semmeln kaufe, wissen die Leute, was ich haben möchte", diktierte er uns einmal in den Notizblock und gab sich als treuer Fan von Charlie Chaplin zu erkennen.

Im russischen Rostow am Don ist er nun im Alter von 86 Jahren gestorben. In seinem Heimatland, dessen Bewohner ihn wie eine Ikone verehrten. Oleg Popow hatte sich noch einmal auf Tournee begeben und schlief friedlich vor dem Fernseher ein. Die Zirkuswelt und Millionen von Fans tragen Trauer. Denn mit ihm wird nun der letzte große Protagonist eine Genres zu Grabe getragen, das dazu antrat, ein wenig Fröhlichkeit und Sonnenstrahlen in die Tristesse des Alltags zu bringen.

Beerdigung in Popows Wahlheimat Deutschland


Oleg Popow soll nach russischen Angaben in seiner Wahlheimat Deutschland beerdigt werden. Das sagte der Leiter des staatlichen Dachverbandes des russischen Zirkus', Dmitri Iwanow, der Agentur Tass am Donnerstag. Der Wahlfranke war am Mittwochabend in der südrussischen Stadt Rostow am Don an Herzversagen gestorben, wie der örtliche Zirkusdirektor Dmitri Resnitschenko mitteilte.

Eine Trauerfeier für den großen russischen Zirkusdarsteller solle am kommenden Montag (7. November) in Rostow am Don stattfinden, sagte der Produzent von Popows Show in Russland, Oleg Tschesnokow. «Da Oleg Popow quasi in der Manege des Rostower Zirkus' gestorben ist, wurde entschieden, den Abschied hier zu organisieren», sagte er.
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