Wiener Walzer und noch mehr

Bild: Vater Leopold (Hans-Peter Stuppe) versucht seiner Tochter Franzi (Larua Schwerwitzl) ihre Schwärmerei für die Wiener Hofball-Szene auszureden. Im Hintergrund spielen Heurigenmusiker. Bild: Kunz

Was tun, wenn die Tochter nicht im hauseigenen Heurigenlokal bleiben will, sondern weg in die Großstadt nach Wien? Mit Witz und Charme betört Franzi ihren Vater Leopold in dem Ballett "Wiener Walzer Nacht", um einmal einen Wiener Hofball zu besuchen.

Weiden.Die Max-Reger-Stadt ging auf Nummer sicher. Nach dem Matthias-Matuschik-Potpourri mit bitterem Beigeschmack vor zwei Jahren, setzten die Veranstalter nun zum zweiten Mal in Folge auf Biederkeit. Anstatt Zauberei und Pöbelei gab's am Neujahrstag in der Max-Reger-Halle eine rauschende "Wiener Walzer Nacht" mit bekannten Walzer-Träumen von Oscar bis Johann Strauß.

Ihre vokale Virtuosität stellte Sopranistin Laura Schwerwitzl mit Werken von Carl Millöcker, Robert Stolz und Leo Fall unter Beweis. Sie wurde dabei beinahe schon kammermusikalisch von drei Heurigenmusikern begleitet, die mit Klavier, Geige und Cello in einer Weinlaube saßen und Partituren von Rudolf Sieczynski bis Ralph Benatzky spielten. Die Verehrung der 500 Besucher war der Wienerin, die bereits am Burgtheater aufgetreten ist, damit sicher.

Hohe Sangeskunst

Was war ihr Gesang aber auch erfrischend. Laura Schwerwitzl betörte als Franzi mit töchterlichem und amourösem Charme Vater Leopold und den Solotänzer, ihren Traumprinz, der sie in die Wiener Society einführen sollte. Sie konnte aber auch alle komödiantischen Register ziehen. So, wenn sie zum Beispiel in die Rolle gesangsferner Höflinge schlüpfte.

Über all dem leuchtete ihr heller Sopran, dieses ausgewogene Fundament zwischen Mittellage und geschmeidigem Timbre. Authentisch und bezaubernd gelang es ihr, das Wiener Mädel zu verkörpern, das endlich einmal bei den Wiener Hofbällen in Schloss Schönbrunn dabei sein möchte. Ein Wunsch, der endlich in Erfüllung ging.

Was war sie damit Vater Leopold, einem Sieveringer Schankwirt, in den Ohren gelegen? Nicht das elterliche Heurigenlokal. Nein, das Flair der Wiener Ausflugslokale mit ihrem Charme hatten es ihr angetan. Dabei konnte sie so verführerisch und witzig sein und in den höchsten Tönen singen, dass es eine Lust war.

Die Rolle Leopold spielte und sang der Bariton Hans-Peter Stuppe. Es tanzte das Ballett des Theaters Usti nad Labem. Die Musik zu den Ballettszenen kam vom Band. Groß nachzudenken brauchte niemand bei diesem nicht enden wollenden, leicht dahin plätschernden Walzertraum. Die Neujahrsgala war aufs Genießen ausgelegt. Aufs Innenhalten nach der weihnachtlichen Ruhelosigkeit.

Musikalische Reise

Das Stück sprach die großen und kleinen Gefühle an, erzählte Wiener Geschichten und katapultierte das Publikum wie per Knopfdruck in die Vergangenheit zurück. Die leicht verstaubte musikalische Entdeckungsreise brachte Lieder zum Vorschein, wie "Gstellte Mäderl resch und fesch", "Sag beim Abschied leise Servus", "Du mein Schönbrunn" oder "Wiener Blut".
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