Zack Snyder bringt Giganten-Duell auf die Leinwand
"Batman v Superman" startet im Kino

Wenn Batman und Superman erstmals in einem Realfilm aufeinandertreffen, sorgt das ziemlich sicher für superheldenhafte Umsätze beim Verleiher Warner. Das actionstrotzende Duell ist gutes Popcorn-Kino - mehr aber auch nicht.

München. Regisseur Zack Snyder, der bereits "Man of Steel", "300" und "Watchmen - Die Wächter" gedreht hat, lässt bereits in den ersten Minuten keinen Zweifel daran, wo die cineastische Reise hinführt. Dutzende Wolkenkratzer krachen da ineinander. Eine Staubwolke überdeckt ein ganzes Stadtviertel. Das alles ist bildgewaltig - und bleibt es auch über 151 Minuten. Aber dem Streifen fehlt es einfach an Tiefe.

Obwohl es erwartungsvoll beginnt. Vor der Pressevorführung wird Snyder eingeblendet, der die Journalisten bittet, keine wichtigen dramaturgischen Wendungen zu verraten. Das hört sich im ersten Moment nach einer kreativen und wenig klischeehaften Geschichte an. Den Spoiler-Appell hätte sich der Regisseur aber sparen können, denn die Story ist dafür viel zu dünn und vorhersehbar. Der Film knüpft an den 2013 erschienen "Man of Steel" an, in dem die Herkunft von Superman erzählt wird. In "Batman v Superman" steht der dunkle Ritter Gothams vor der Frage, ob diese gottähnliche Macht Supermans auf Dauer unschuldig sein kann. Die einen verehren den Mann aus Stahl, bauen ihm Denkmäler. Andere mahnen zur Vorsicht. Dieses Grundszenario führt zum ultimativen Kampf zwischen Batman und Superman. Wer den Trailer gesehen hat, kann allerdings schon erahnen, wie es weitergeht. Ohne zu viel zu verraten: Lediglich eine Wendung überrascht, löst sich später aber in Wohlgefallen auf.

Ben Affleck überzeugt


Eine der großen Fragen vor dem Filmstart war, wie sich Ben Affleck als Batman schlägt. Vor allem nach dem grandiosen Auftritt, den der Brite Christian Bale in der "The Dark Knight"-Trilogie hingelegt hat. Nach rund zweieinhalb Stunden bleibt festzuhalten: Affleck spielt Batman überzeugend. Den dunklen Ritter verkörpert er düster und durchtrainiert. In seinem Superheldenkostüm wirkt er bullig und furchteinflößend - richtig cool eben.

Affleck spielt keinen jungen Batman. Die meisten kennen den Superhelden als Mann um die 30 Jahre. In der neuen Verfilmung ist er deutlich älter. Oder wie Butler Alfred (Jeremy Irons) es ausdrückt: "Zu alt, um jung zu sterben." Der Streifen orientiert sich dabei eindeutig an Frank Millers "Die Rückkehr des Dunklen Ritters", einer der höchstgelobten Batman-Comics. Für Fans ein Fest.

Wer die Vorlage allerdings nicht kennt, tut sich schwer. Vom Zuschauer wird zu viel Vorwissen abverlangt. Für die Vorgeschichte des dunklen Ritters nimmt sich Snyder viel zu wenig Zeit. Hinzu kommen etliche Szenen, die einen ziemlich ratlos zurücklassen - ob nun Kenner der Materie oder nicht. Etwa eine Traumsequenz in der Wüste, in der Batman um sich schießt. Was es damit auf sich hat wird nie aufgelöst. Henry Cavill spielt Superman solide. Sogar etwas verruchter, als der glattgeschniegelte Charakter herzugeben scheint. Richtig gut macht seine Sache Jesse Eisenberg, der den so irren wie intelligenten Jungunternehmer Lex Luthor enorm sehenswert interpretiert. Stellenweise erinnert die Darstellung an die von Heath Ledger als Joker.

Letztlich ist "Batman v Superman" ein mit computergenerierten Effekten überladener Film mit einer ordentlichen Packung Pathos. Zu viele Szenen sind überfrachtet. Selbst wenn der erwachsene Bruce Wayne nur zum Grab seiner Eltern marschiert erklingt zur Zeitlupen-Aufnahme dramatische Musik.

Oft nur fragmentarisch


All die Action und die urgewaltigen Bilder überdecken nicht, dass der Film bei weitem nicht an die meisterhafte "The Dark Knight"-Trilogie herankommt. Wo Christopher Nolan ein genial konstruiertes Werk schafft, bleibt Snyders Film oft nur fragmentarisch, oder noch schlimmer, mündet in ein undurchschaubares Durcheinander.

Trotz all dieser Mängel wird "Batman v Superman" wohl einschlagen. Denn der Mega-Blockbuster ist ähnlich konstruiert wie die großen Marvel-Filme (DC und Marvel zählen zu den größten Comic-Verlagen). Warner setzt auf viele Schauwerte, die Action-Fans begeistern und den Mainstream erreichen dürfte. Zudem ist "Batman v Superman" der Auftakt einer ganzen Reihe von Filmen aus dem DC-Universum. Mit dem Auftritt von Wonder Woman (Gal Gadot) ist der Grundstein für die sogenannte Justice League (Gerechtigkeitsliga), dem Pendant zu den Avengers von Marvel, bereits gesetzt.

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Regie: Zack Snyder - Mit Ben Affleck, Henry Cavill, Jeremy Irons, Amy Adams - Musik: Hans Zimmer, Junkie XL - 151 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Netz: www.warnerbros.de/kino/batman_v_superman__dawn_of_justice.html
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