Zarteste Klänge und reinster Gesang

Der Windsbacher Knabenchor beeindruckt in Waldsassen mit seinem Adventskonzert. Bild: Zeigler

Der Windsbacher Knabenchor eröffnet in der Basilika Waldsassen die Adventszeit. Die Sänger überzeugen dabei mit ihren klaren Stimmen. Doch nicht nur sie begeistern das Publikum.

Waldsassen.Feierlich und mit verhaltener Lautstärke wurde am Wochenende in der voll besetzten Basilika der Advent eingeläutet. Der Windsbacher Knabenchor unter der Leitung von Martin Lehmann beeindruckt nicht nur durch die stimmlichen Meisterleistungen jedes einzelnen Sängers, sondern genauso durch choristische Ausdruckskraft und größtmögliche Aufmerksamkeit. Gesungen werden besinnliche bekannte und weniger bekannte Lieder zur Weihnacht, die von Joachim Pliquett an der Trompete und Arvid Gast an der Orgel umrahmt werden.

Unter Kontrolle

Der Chor beeindruckt besonders durch zartestes Pianissimo. Ob in höchsten Höhen des Sopran oder tief im Bass, stets werden die mitunter extrem lang ausgehaltenen Töne klar und rein gesungen. Solistische Glanzleistungen gibt es in dem "Advents-Kyrie" nach einem Satz von Günter Raphael von Alt und Sopran. Atemlos lauschen die Zuhörer dem spannungsgeladenen Schluss-Kyrie eleison, das geradezu traumhaft in das Kirchenschiff gezaubert wird. Die jungen Sänger imponieren außerdem mit den Liedern, in denen einzelne Sänger aus dem Hintergrund singen. Die Motette für zwei vierstimmige Chöre "A Hymn to the virgin" von Benjamin Britten besticht mit leisesten echoartigen Einwürfen.

Auch die Clustermotette für zwei Chöre zu 12 Stimmen "Es ist ein Ros' entsprungen" von Jan Sandström (geboren 1954) ist ein besonderes Erlebnis. Langgezogene vielstimmige Cluster erschaffen den Eindruck von elektronischen Klängen, über denen der Chorsatz von Michael Praetorius schwebt. Nicht ein Ton schwankt in der Höhe oder wird in unkontrollierter Lautstärke gesungen.

Noch eindrucksvoller wird die Technik des chorischen Atmens in "Lux aurumque" von Eric Whitcare demonstriert. In dieser Motette für achtstimmigen Chor sind die Klänge noch reiner, die Töne noch länger in unendlicher Zartheit gesungen.

Es gibt aber auch einige bekannte böhmische Weihnachtslieder wie "Freu dich Erd und Sternenzelt" und "Kommet ihr Hirten", das salzburgische "Still, still, still" und das portugiesische "Adeste Fideles", die allesamt mit ausdrucksstarker Agogik und Dynamik gesungen, jedoch nicht laut werden.

Süße Zugabe

Festliche Fanfaren, verhaltene Akkorde und strahlende Trompetenklänge bieten zwischen den Chorsätzen die beiden Instrumentalisten Arvid Gast und Joachim Pliquett. Sie bekommen am Schluss besonders viel Applaus von Chor und Publikum. Nach nicht enden wollendem Beifall singt der Chor "In Dulci jubilo" als Zugabe.
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