Zeitgeschehen dominiert TV-Programm

Die BR-Koproduktion "Die Spiegel-Affäre" ist für den Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion nominiert. Bild: BR

Die Nominierungen für den 51. Grimme-Preis sind erneut eine weitestgehend öffentlich-rechtliche Leistungsschau. Nur Vox, Cartoon Network und Stefan Raab konnten der Übermacht von ARD und ZDF etwas entgegensetzen.

Das globale Zeitgeschehen bestimmt nach Ansicht des Grimme-Instituts noch stärker als in den Vorjahren das Programm des deutschen Fernsehens. Der Bürgerkrieg in Syrien und die Lage im Nahen Osten hätten vor allem die Informationssendungen des Fernsehjahrs 2014 nachhaltig geprägt, erklärte Institutsdirektorin Frauke Gerlach in Marl zur Bekanntgabe der Nominierungen.

Vier Privatsender nominiert

Auffallend sei, dass sich die Thematik auch bis in Unterhaltungs- und Kabarettformate durchziehe. Insgesamt 62 TV-Produktionen wurden für den begehrten Preis nominiert, davon stammen nur vier von Privatsendern. In den drei Kategorien Fiktion, Information & Kultur und Unterhaltung können bis zu zwölf Preise vergeben werden. Die Jurys tagen Anfang Februar, die Preisträger werden im März bekanntgegeben. Die Verleihung ist am 27. März.

Die Nominierungskommission für die Kategorie Information benannte unter anderem die Produktionen "Sterben für Allah" (HR/BR/SWR), "Die Kinder von Aleppo" (ZDF/ARTE/Channel 4), "Leaving Greece - Fluchtpunkt Griechenland" (BR), "Das Mädchen - Was geschah mit Elisabeth K." (NDR/SWR) und "Camp 14 - Total Control Zone" (WDR/BR/ARTE). Für Spezialpreise wurden die Redaktion von "Hier und Heute" (WDR) für innovative Regionalberichterstattung, die ZDF-Produktion "Terra X - Deutschland von unten" sowie die WDR-Autorin Beate Greindl für ihre langjährigen Recherchen im Sektenmilieu vorgeschlagen.

In der Kategorie Fiktion gehen in diesem Jahr zwei "Tatort"-Folgen in das Rennen um den Preis: "Im Schmerz geboren" mit Ulrich Tukur (HR) und "Der irre Iwan" mit Christian Ulmen und Nora Tschirner (MDR/Degeto). Für einen Spezialpreis wurde der Drehbuchautor Jürgen Werner nominiert, der den neuen "Tatort" aus Dortmund konzipiert hatte. Die ersten vier Folgen hätten sich "glaubwürdig aus den Figuren entwickelt" und zudem dramaturgisch in sich geschlossene Kriminalfälle erzählt, hieß es.

Historische Ereignisse wie der Mauerfall 1989 ("Bornholmer Straße", MDR/Degeto/RBB), die "Spiegel-Affäre" (BR/Degeto/WDR/ARTE) oder die Konfrontation von Opfern und Tätern des NS-Regimes ("Das Zeugenhaus", ZDF) stünden in der Fiktion hoch im Kurs, teilte das Institut mit. Filme wie "Be my Baby" (ZDF), "Monsoon Baby" (BR) oder "Neufeld, mitkommen" (WDR) spiegelten daneben die Debatte zu Themen wie Behinderung, Adoption und Mobbing.

Privatsender konnten sich bei den Nominierungen in den Kategorien Fiktion und Information kein einziges Mal durchsetzen. Im Wettbewerb Unterhaltung ist Vox mit "Die Höhle der Löwen" und "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" vertreten, außerdem ist "Cartoon Network Spurensuche - Schnitzeljagd war gestern" des Senders Cartoon Network nominiert. Auch der "Tatortreiniger" (NDR), "Kessler ist ..." (ZDF/ZDFneo) und "Das TalkGespräch - mit Olli Dittrich" (WDR) sind im Wettbewerb. Die Nominierungskommission Unterhaltung habe allerdings nicht so viele Produktionen nominiert, wie nach dem Reglement möglich gewesen wäre, hieß es.

Hoffnung für "Die Anstalt"

Für einen Spezialpreis in der Unterhaltung wurde ProSieben-Moderator Stefan Raab vorgeschlagen, der beim "Bundesvision Song Contest" die Kandidaten in einer Jam-Session vorgestellt hatte. Ebenfalls auf einen Spezialpreis dürfen die Kabarettisten Dietrich Krauss, Max Uthoff und Claus Wagner von "Die Anstalt" (ZDF) hoffen. Gesellschafter des Grimme-Instituts sind der Deutsche Volkshochschul-Verband, WDR, ZDF, die Film- und Medienstiftung NRW, die Landesanstalt für Medien NRW, die Stadt Marl und das Land Nordrhein-Westfalen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.