"Zeitsprungland" Zwickau
Schlösser, Burgen und Paraden

Auf jeden Fall einen Besuch wert ist das Schloss Waldenburg. Im ehemaligen Residenzschloss der Fürsten von Schönburg-Waldenburg wurde der Hollywood-Film "Grand Budapest Hotel" mit Ralph Fiennes, Willem Dafoe und Jeff Goldblum in den Hauptrollen gedreht.
 
Im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge erfährt der Besucher einiges über die Steinkohleförderung und über die Männer und Frauen, die diesen gefährlichen und schweißtreibenden Job unter Tage über Jahre ausgeführt haben.

"Zwickt's mi, i man i tram!" Hört sich an, als hätte Wolfgang Ambros diesen Song speziell für das "Zeitsprungland" geschrieben, wie sich die Region um Zwickau neuerdings nennt. Die Zeile passt jedenfalls zur Gegend, wie die Faust aufs Auge.

Wer sich von der mittleren Oberpfalz aus mit dem Auto auf den Weg macht, braucht keine eineinhalb Stunden. Dafür tut sich hier in Sachsen für den Bildungshungrigen eine wahre Perlenkette an Sehenswürdigkeiten und Erlebniswelten auf. Burgen, Schlösser, Indianer, Autoimperien. Es kann einem richtig schwindlig werden, bei dieser Zeitreise durch die Jahrhunderte.

Zwickau war die zweite deutsche Stadt, in der sich die Reformationsbewegung etabliert hat. Martin Luther soll hier dreimal gepredigt haben. Abgestiegen ist der Reformator bei befreundeten Geistlichen in der Innenstadt. Bestimmt nicht in den engen katholischen Priesterhäusern am Fuße der zentralen Marienkirche. Fünf der ehemals zwölf Häuschen aus dem 15. Jahrhundert haben die Jahre überdauert, beherbergten zu DDR-Zeiten Zwickauer Familien. Wäre die DDR nicht zusammengebrochen, die Priesterhäuser hätten sie bestimmt nicht überlebt. Heute sind sie liebevoll restauriert, geben dem Besucher einen Einblick in die Studier- und Lebensgewohnheiten der vorreformatorischen Zeit.

Keine fünf Minuten Gehweg entfernt steht eine Rekonstruktion von Robert Schumanns Geburtshaus aus dem Jahr 1956. Das Originalgebäude musste wegen Hochwassers abgerissen werden. Der große Komponist wurde 1810 in diesem gutbürgerlichen Haus geboren. Die Ausstellung zeigt eine umfassende Sammlung aus dem Leben von Clara und Robert Schumann. Unter anderem im Obergeschoss Clara Schumanns Flügel, der unseren alten 100-D-Mark-Schein zierte.

Geschichte einer Pioniers


Das August-Horch-Museum, das 2004 eröffnet wurde, katapultiert den Besucher vom 19. Jahrhundert der Schumanns in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hinauf. In der Trabi-Stadt Zwickau rollten die ersten Audis vom Band. Eindrucksvoll erfährt man in diesem Dorado für Oldtimer-Fans bei einer Führung durch die 3000 Quadratmeter große Ausstellung - soll Ende kommenden Jahres auf 7000 Quadratmeter erweitert werden - die Geschichte des großen Auto-Pioniers. Einmal im Jahr, am Samstag vor dem dritten Advent, geben 400 Bergleute ein prächtiges Bild ab, wenn sie durch die Zwickauer Innenstadt marschieren, um dann vor dem "Dom" vor großer Zuschauerkulisse in ihren traditionellen Uniformen ein Standkonzert zu geben. In der Region um Zwickau wurde jahrhundertelang Kohle gefördert.

Direktor Jan Färber, Enkel eines Bergmanns, führt seine Gäste persönlich durch das Bergbaumuseum von Oelsnitz im Erzgebirge, wo noch bis 1971 Steinkohle abgebaut wurde. "Die schwarzen Diamanten Sachsens", wie er sagt. Die Museumsanlage befindet sich seit 1986 in den ehemaligen Gebäudeteilen. Für die Besucher wurde eigens eine realgetreue Stollenanlage, sogar mit Einstürzen, nachgebaut.

Nackt unter Tage


Immer wieder bringt der Führer seinen Gästen die beinahe schon unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Kumpels nahe, die übrigens ihrer Tätigkeit unter Tage aufgrund der Hitze pudelnackt nachgingen. Nur wenige Autominuten entfernt: Das Daetz-Centrum. In diesem ehemaligen Lichtensteiner Schlosspalais hat der heute 85-jährige Hanseat Peter Daetz, ein ehemaliger Siemens-Berater und Kurt-Biedenkopf-Freund, auf vier Stockwerken Schnitzereien aus fünf Erdteilen zusammengetragen.

Wer nun gähnt und glaubt, das wäre nichts für ihn, der irrt. Was von außen unscheinbar wirkt, ist ein umfassender Fundus an Kulturgütern. Für die Exponate, die Daetz auf eigene Kosten in seine Stiftung investiert hat, wäre ihm so manches Museum neidisch. Drei Stunden sollte man in einen Rundgang investieren.

Wer lieber Schlösser mag, sollte unbedingt Forder- und Hinterglauchau besuchen. Eine Doppelburganlage, die jeden Romantik-Muffel ins Schwärmen geraten lässt. Beide Schlösser wurden auf dem Vorsprung des rechten Muldentalrandes errichtet und sind nur durch einen Wallgraben voneinander getrennt. Wer Lust auf Schauriges hat: Hier kann man im Verlies übernachten, frei nach dem Motto "Der Gast im Knast".

Glorias Familiensitz


Gloria von Thurn und Taxis stammt aus dem Geschlecht der Fürsten von Schönburg-Waldenburg. Ihr Familiensitz befindet sich im Schloss Waldenburg. Das ehemalige Residenzschloss mit seinen wunderschönen Holzvertäfelungen war Drehort des Hollywood-Films "Grand Budapest Hotel" und ist heute noch beliebte Kulisse für Fotosessions.

Unmittelbar neben dem Romantikhotel "Schwanefeld" in Meerane, einer alten Tuchmacherstadt, steht direkt auf der Landesgrenze die Sächsisch-Thüringische Schokoladen-Manufaktur, wo sich der Kunde seine eigene Schokolade mischen lassen kann. Und keine 25 Kilometer östlich von Zwickau, in Hohenstein-Ernstthal, steht das Geburtshaus von Karl-May. Für drei Euro Eintritt zeigt es auf drei Stockwerken, in welch beengten Verhältnissen der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand aufgewachsen ist.

Weitere Informationen im Internet: www.zeitsprungland.de
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