Die Oberpfälzer Künstlerin Phela veröffentlicht ihr Debüt-Album "Seite 24"
Momentaufnahme meiner Gefühle

Screenshot: phela.de
Kultur
Deutschland und die Welt
19.06.2015
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Aufgewachsen ist Phela auf einem alten Bauernhof in Gumpen (Kreis Tirschenreuth). Jetzt lebt die Musikerin, Texterin und Komponistin in Berlin und steht vor dem Sprung in eine große Musikkarriere. Im September erscheint bei Sony-Music ihre CD „Seite 24“.

Schon als Kind wächst Raphaela Beer mit Musik auf. Ihr Vater ist der renommierte Musiker und Künstler Jeff Beer. Er fördert und unterstützt sie, wo er kann. In ihrer Jugend lernt sie Geige, gewinnt Preise und Wettbewerbe. Dann verschwindet sie nach Paris, kommt zurück, studiert Musik in Hannover, schmeißt alles hin und landet in Berlin. Dort wird sie „entdeckt“ und veröffentlicht bald als Phela ihre erste CD. Wie es dazu kommt, erzählt sie der Kulturredaktion.

Seit unserem letzten Interview vor ziemlich genau zwei Jahren ist viel passiert ...

Phela: Oh ja. Ich war gerade frisch von Hannover nach Berlin gezogen und stand kurz vor den Aufnahmen meines ersten Albums. Inzwischen ist es seit Januar fertig aufgenommen, ich habe bei Columbia/Sony- Music einen Plattenvertrag bekommen, und das Album wird am 18. September erscheinen.

Jetzt sind sie als „neue“ Musikerin bei Sony-Music gelandet. Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen?

Phela: Der Kontakt entstand durch meine Produzenten. Im Musikbusiness ist das ganz oft der Fall, dass man sich untereinander kennt. Nachdem wir das Album im Kasten hatten, luden meine Produzenten verschiedene Plattenfirmen zu uns ins Studio ein, um ihnen das Album vorzustellen.
Viele waren interessiert. Als mein jetziger A&R Andreas Kappel durch die Tür hereintrat, hatte ich sofort ein gutes Gefühl. Es war einfach eine Bauchentscheidung.


Außer Texten und ein paar Songs hatten Sie nicht viel mehr im Gepäck, als Sie nach der Musikhochschule in Hannover in Berlin aufschlugen. Haben Sie sich schnell in der Musikszene zurechtgefunden?

Phela: Das ging sehr schnell, ja. Dadurch, dass ich durch den Popkurs in Hamburg, an dem ich ein Jahr zuvor teilnahm, verschiedene Musiker aus der Berliner Szene kennengelernt hatte, konnte ich direkt daran anknüpfen. Außerdem ist es hier in der Musikszene wie überall: Lernt man jemanden kennen, stellt der einen wieder woanders vor – der Kreis vergrößert sich ganz automatisch.

Zwei Jahre lang hat jetzt das Team um Sie investiert, um die Songs herauszuarbeiten, zu arrangieren, zu gestalten. Ist es Ihnen schwer gefallen, „fremde Menschen“ in und an Ihre Texte und Musik zu lassen?

Phela: Es ist ja so, dass ich erstmal alle Songs allein zu Hause selbst geschrieben habe. Die waren also bereits fertig. Damit kam ich dann ins Studio, habe sie vorgespielt und wir haben nur Kleinigkeiten verändert. Die Texte blieben hundertprozentig bei mir. Das war mir auch wichtig, denn ich wollte meine Art, die Dinge auszudrücken, meine Sprache sozusagen, weder erklären noch abgeben. Ich hatte das große Glück, dass meine drei Produzenten mir viel Vertrauen schenkten, einzig bei der Instrumentierung haben sie viel mitgewirkt, Musiker eingeladen, etwa den bekannten Drummer Earl Harvin aus New York, der zu all meinen Songs Schlagzeug spielt.

Insgesamt ist es natürlich ein Prozess, bis man seine Songs überhaupt jemandem vorspielt. Eine Meinung von jemandem dazu akzeptiert. Ich bin sehr froh über den konstruktiven Austausch, den wir im Studio hatten. Es gab aber auch oft den Moment, in dem ich zu den Jungs gesagt habe: „Ich kann es nicht erklären, warum ich das gut finde, aber lass es uns bitte genau so machen“, und dann wurde alles nochmal umgekrempelt und genauso gemacht. Es gibt einfach Dinge, die man nicht erklären kann und in denen man auf seinen Bauch hören muss.

Wie fühlt man sich, wenn man aus der Provinz kommt und plötzlich ein professionelles Management um sich hat?

Phela: Das ist verrückt. Ich wusste am Anfang überhaupt nicht, was ein Manager macht. Ich kann mich an einen Anruf von der Musikerin und meiner guten Freundin Alin Coen erinnern, die mich eines Tages fragte, ob ich denn einen Manager hätte und dass ich so was unbedingt bräuchte. Inzwischen bin ich sehr froh um jede Entscheidung, die ich nicht alleine treffen muss. Auch bereits jetzt schon so eine großartige Bookingagentur wie die Peter-Rieger-Konzertagentur zu haben, ist für mich immer noch unglaublich. Vor einer Woche durfte ich das ganze Team persönlich kennenlernen, das bei Sony für mich verantwortlich ist. Das sind 15 Leute. Als wir uns beim Pressefoto zum ersten Mal begegneten und plötzlich 15 Leute um mich herum standen, hab ich sie gefragt ob sie sich sicher sind, dass sie beim richtigen Künstler stehen.

Kann man ohne weiteres in die Entscheidungsprozesse mit eingreifen? Oder wird einem alles vorgegeben?

Phela:

Ich habe das große Glück, dass nichts ohne mich entschieden wird. Das ist zwar anstrengend, denn man kann sich gar nicht vorstellen, welche Entscheidungen täglich getroffen werden müssen, denkt man nur an den Dreh eines Musikvideos, Fotoshootings, an die Planung von Konzerten, das Artwork des Albums, Proben mit der Band ... Aber ich will das so. Ich habe gleich von Anfang an zu meinen Leuten um mich herum gesagt, dass ich keine dieser Sängerinnen bin, die ein erfundenes Image braucht oder keine Meinung hat. Ich will bei allem gefragt und involviert werden. Ich bin ja schließlich nicht nur das Gesicht, sondern auch die Seele meiner Musik.

Wie sind Ihre Lieder in dieser Zeit gereift?

Phela: Meine Songs sind klarer geworden. Als ich anfing, Songs zu schreiben, das heißt, als wir vor zwei Jahren das letzte Interview gemacht hatten, da gab es nur „Lavendel“ und ich schrieb ihn so kryptisch, dass niemand verstand, worum es darin ging. Es war mein Versuch, meinen Mund aufzumachen und anzufangen, etwas, das man in sich fühlt, auf Papier zu bringen. Aber ich wurde mutiger und habe gelernt, Gefühle zu artikulieren, so wie sie sich auch wirklich anfühlen und sie nicht zu umschreiben. Meine Songs werden immer Welten sein, in denen man sich verlieren kann, ich will ja keinem meine Geschichten aufdrängen.

Sie waren inzwischen mit dem Musiker Tex, der auch die Sendung „TVNoir“ moderiert, auf Tour und haben sich bereits als Sessionmusikerin einen Namen gemacht. Wie fühlt man sich, so „begehrt“ zu sein?

Phela: Ich habe ehrlich gesagt nicht darüber nachgedacht. Alles ergab sich sehr natürlich und ich habe mich schlichtweg sehr darüber gefreut.



Ihr Debütalbum trägt den Titel „Seite 24“. Was hat es damit auf sich? Und was erwartet den Hörer?

Phela: Für mich bedeutet „Seite 24“, dass ich ein Kapitel meines Lebens aufschlage, nämlich das, in dem ich 24 war – das Jahr, in dem alle elf Songs, die sich auf dem Album befinden, entstanden sind. Das ist sozusagen eine Momentaufnahme meiner Gedanken und Gefühle während ich 24 war. Ich schreibe sehr viel Texte und Skizzen in mein Buch, das ich ständig mit mir herumtrage. Daher kam auch die Assoziation mit den „Seiten“ ... für mich ist das alles eins, da ich ja keine Texte und Geschichten erfinde. Das ist alles echt. Das hab ich eben gelebt.

Demnächst gehen Sie auch auf Tournee? Haben Sie eine Band dabei? Und wie schaut es mit einem Konzert in der Oberpfalz aus?

Phela: Ja, es stehen viele tolle Konzerte an. Im August spiele ich auf zwei Konzerten Support für Andreas Bourani, da werden mehrere tausend Menschen anwesend sein und ich muss öfters daran denken, wie ich im Februar vor 30 Leuten gespielt habe. Das ist natürlich etwas Besonderes. Im August werde ich ebenso bei „Inas Nacht“ im TV auftreten, was für mich eine sehr große Ehre ist. Viele große Bands, die ich schätze, wurden in dieser Sendung entdeckt. Ein tolles Format. Außerdem wird es nach der Album-Veröffentlichung im September/Oktober eine Tour geben. Natürlich mit meiner Band. Und hoffentlich im Herbst auch in der Oberpfalz. Ich habe das fest vor.
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