1. Klassen: Nichts zu verhandeln

Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß und Schulleiter Josef Etterer (von rechts) bestätigten: In Waldeck gibt es ab September keine 1. Klasse. Bild: stg

In Waldeck wird es im nächsten Schuljahr definitiv keine 1. Klasse geben. Das machte Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß am Montag im Stadtrat deutlich. Die Nachricht sorgte im Gremium wie auch bei den über 20 Zuhörern für Betroffenheit.

Kemnath. (stg) Bürgermeister Werner Nickl berichtete, dass es aktuell 72 Kinder in drei 1. Klassen gebe. Mit voraussichtlich 44 Mädchen und Buben im kommenden Schuljahr seien drei Klassen nicht mehr möglich. Entsprechend werde es einen Standort ohne Abc-Schützen geben. Nickl betonte, dass ihm die Zahl 44 "in der Seele weh" tue, für das übernächste Schuljahr gehe man aber von 64 Kindern - und somit drei Klassen - aus.

Diskutiert worden sei das Thema Kombiklassen für die Stufe 3 und 4. Hier sei aber Übereinkunft erzielt worden, beim Status Quo zu bleiben. "Ich finde es sehr bedauerlich, wenn dem Bürgermeister bei diesen Themen Untätigkeit vorgeworfen wird", wies Nickl entsprechende Äußerungen zurück. Wo es möglich gewesen sei, habe er sich eingebracht. Die Entscheidung über die Beschulungsstandorte falle allein in den Zuständigkeitsbereich der Schulleitung und des Schulamtes.

Wolfgang Krauß machte deutlich, dass die Einrichtung einer dritten Klasse für die 1. Jahrgangsstufe nicht "darstellbar" sei. Es gebe ganz enge Vorgaben für ganz Bayern. Bei der Frage der Kombiklassen habe das Schulamt entschieden, der Argumentation der Kommune und der Schule zu folgen. "Ich versuche das jetzt mit den Kollegen durchzuhalten. Ich sage aber auch: Das ist noch nicht gesichert", meinte Krauß mit Blick auf zu erwartende Widerstände höherer Behörden.


In der Diskussion machte der Schulamtsdirektor deutlich, dass er keine "ewige" Bestandsgarantie, beispielsweise für Waldeck, abgeben könne. Zwar sei der Bestand der eigenständigen Grundschule Kemnath garantiert, dies gelte aber nicht für die Dependancen Waldeck und Kastl. Schulämter und -leitungen seien angehalten, die "Einhäusigkeit" anzustreben. Sowohl der Kemnather Schulleiter Josef Etterer wie auch Nickl machten deutlich, dass dies aktuell angesichts der Schülerzahlen insgesamt und der Raumverhältnisse in Kemnath gar nicht möglich beziehungsweise absehbar sei.

CSU/CLU-Sprecher Josef Krauß wertete den Verlust der 1. Klasse in Waldeck als "Schlag ins Kontor", der sprachlos mache. Er appellierte an die "große Politik", speziell auch örtliche Gegebenheiten berücksichtigen zu können. Christian Baumann (FW) monierte, dass der Landkreis zwar "Bildungsregion" sein wolle, es aber ständig neue Schuldiskussionen gebe: "Es fehlt die Ruhe im System."

Dem Vorschlag von Ely Eibisch (FWG), auf die 1. Klasse in Kemnath zu verzichten und dafür Waldeck und Kastl zu bedienen, gewannen Krauß und Etterer nichts ab. "Es kann nicht sein, dass sich der garantierte Standort - also Kemnath - selbst in Frage stellt", meinte Krauß. Laut Heidrun Schelzke-Deubzer (GRÜNE) sollte man die Idee der Klassenrotation im Falle einer Wiederholung nach München transportieren.

Eltern instrumentalisiert

Den Vorschlag von Hans Prieschenk (CLU), die Eltern durch eine Befragung einzubinden, lehnte Krauß ab: "Da gibt es nichts, was man verhandeln könnte." Eine vergleichbare Situation habe er erlebt, als er für die Schulen im Landkreis Neustadt an der Waldnaab verantwortlich war. "Da gab es ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die lokale Politik die Eltern instrumentalisiert hat, obwohl es aussichtslos war."
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