"100 erschlossene Baulücken"

Bürgermeister mit 28 Jahren. Das sollten es für Ernst Lenk schon Anzug und Krawatte sein, wenn die Zeitung zum Interview aufschlägt. Kapuzenpulli-Träger sei er aber sowieso nie gewesen, verrät er. Bild: doz

Wer so jung Gemeindechef wird wie Ernst Lenk, muss sich nicht nur Fragen über Neubaugebiete stellen. Auch der Umgang mit Facebook und die Freizeitgestaltung interessieren.

Lenk ist nach eigener Aussage der jüngste Rathauschef im Landkreis. Er arbeitet als Polizist in Weiden und ist ehrenamtlicher Bürgermeister. Vor seiner Wahl war er sieben Jahre in Nürnberg im Einsatz.

Vor rund einem Jahr sind Sie als 27-Jähriger als Bürgermeisterkandidat angetreten. Warum entscheidet man sich in diesem Alter für Haushaltskonsolidierung statt für Kneipe und Kino?

Aus Verbundenheit zum Ort. Ich bin ein Schirmitzer Kind. Ich bin hier groß geworden, war hier im Kindergarten, in der Schule, bin in den Vereinen und habe hier Fußball gespielt. Das ist meine Heimat.

Das sagen viele, kandidieren aber nicht gleich als Bürgermeister.

Das stimmt. Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich Schirmitzer Bürgermeister werde, hätte ich das nicht geglaubt. Mein berufliches Ziel sah völlig anders aus. Als mein Amtsvorgänger sagte, dass er aufhört, wurden mögliche Kandidaten gesucht. Der damalige CSU-Vorsitzende ist im Januar 2013 auf mich zugekommen.

Lange überlegt oder gleich zugesagt?

Ich hatte mit dieser Frage nicht gerechnet. Deswegen habe ich schon intensiv darüber nachgedacht, zumal diese Entscheidung die nächsten Jahre meines Lebens prägt und eine enorme berufliche Veränderung bedeutet.

Wie geht man in einem so repräsentanten Beruf und zugleich als junger Mensch mit Facebook um?

Ich bin dort angemeldet, war aber noch nie der große Facebooker, der täglich Beiträge schreibt oder seinen Status postet. Das war vor der Wahl so und ist auch heute noch so. Da habe ich mich nicht geändert.

Im Gemeinderat sind einige, die schon mehrere Legislaturperioden hinter sich haben. Wie behauptet man sich zwischen den Haudegen?

Ich glaube, die Arbeit im Gemeinderat lebt von der Diskussion. Manchmal ist es gut, wenn ein frischer Wind dazukommt. Ich bin froh, dass wir Leute haben, die einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz mitbringen. Ich bin auch froh, dass mein Vorgänger Karl Balk nach wie vor im Gemeinderat ist. Er kennt viele Entscheidungen der vergangenen 30 Jahre aus dem Stegreif.

Solche Synergien kann man nutzen. Wie machen Sie aber die zwangsläufig fehlende Erfahrung wett?

Ich war auch schon vor meiner Wahl am Ortsgeschehen interessiert und habe Gemeinderatssitzungen besucht. Auf die Sitzungen als Bürgermeister bereite ich mich intensiv vor.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Bürgermeisteramt und Beruf? Sie sind schließlich noch Vollzeit-Polizist.

Ein großer Vorteil ist, dass ich einen planbaren Dienst habe. Entsprechend lege ich meine Termine, soweit ich sie selbst gestalten kann.

Freizeit dürfte aber kaum mehr vorhanden sein?

Ja, aber damit muss man rechnen, wenn man so ein Amt annimmt. Ich gehe mit Freude an die Aufgabe ran. Das Amt prägt natürlich die Freizeitgestaltung. Wenn ich mal abschalten muss, arbeite ich im Wald, mache Sport oder gehe mit meiner Freundin spazieren. Dabei kann ich mich ablenken.

Anderes Thema: Viele lechzen nach Grundstücken in Schirmitz. Wie sieht es konkret mit Neubaugebieten aus?

Bei den Themen Neubaugebiet und Grundstücksverhandlungen bin ich der Meinung, dass wir die Diskussion auf keinen Fall öffentlich austragen sollten.

Viele Bürger, die in den nächsten Jahren ein Haus bauen wollen, sind aber darauf angewiesen zu wissen, ob in absehbarer Zeit ein Baugebiet ausgewiesen wird.

Wir haben rund 100 erschlossene Baulücken, überwiegend in privater Hand. Dort wäre das Bauen zwar möglich, scheitert aber am mangelnden Verkaufsinteresse der Eigentümer. Und wir können niemanden zwingen, dass er verkauft. Um die Situation tatsächlich zu verbessern, muss die Gemeinde vor der Ausweisung von neuem Bauland die entsprechenden Flächen zu einem vernünftigen Preis erwerben können. Erst dann kann erschlossen werden. Nur so entstehen Bauplätze, die auch tatsächlich für Bürger zur Verfügung stehen. Es bringt auch nichts, wenn wir einen überteuerten Einkaufspreis bezahlen, die Erschließungskosten draufrechnen und dann bei einem Grundstückspreis ankommen, den sich Normalverdiener nicht leisten können. Deshalb bin ich der Ansicht, dass wir keine landwirtschaftlichen Flächen zu Bauland ändern sollten, wenn wir nicht die Möglichkeit haben, diese Grundstücke vorher zu erwerben. Verkaufinteresse muss vorhanden sein, und der Preis muss passen.

Ich höre raus: Es ist was in Planung, man steckt in Verhandlungen, will aber seine eigene Position nicht schwächen.

Ich sage nicht, dass etwas in Planung ist. Aber man führt immer Gespräche. Das mache ich, und auch mein Vorgänger hat das gemacht. Wie gesagt, so etwas in die Öffentlichkeit zu tragen, ergibt erst dann Sinn, wenn man es in trockene Tücher gebracht hat.

Ganz konkret: Ist es ein erstrebenswertes Ziel, noch in dieser Legislaturperiode ein Baugebiet auszuweisen? Anfragen wird es sicherlich genug geben.

Ich bekomme jede Woche Anfragen, was Grundstücke, Häuser und Wohnungen betrifft. Natürlich ist es immer ein Ziel, neues Bauland auszuweisen. Aber immer unter den Voraussetzungen: Es muss bezahlbar und verkäuflich sein.
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