1000 Takte feinster Blasmusik

Das schwere Blech auf der linken Seite des Dirigenten - so sieht es die Konzertformation vor.

Ein tolles Menü quer durch allen Genres der konzertanten Blasmusik stand auf der Abendkarte: Die schmackhaften Zutaten steuerten das Orchester der Jurablaskapelle Pilsheim unter der Leitung von Mario Mändl und die Big Band mit Aloys Gsenger als feinfühligen Dirigenten bei. Und das Publikum war vom Repertoire angetan.

Es war eine weite stilistische Bandbreite, angefangen von symphonischer Blasmusik bis hin zu Marsch sowie Polka-Klängen und einem Abtauchen zu Rock und Pop. "Ich fühle mich im Himmel konzertanter Blasmusik", betonte der Kreisvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes, Joseph Ferstl, wenn an einem Abend so viel Staunenswertes aus dem Bereich der konzertanten Blasmusik zu hören sei.

Wertungsspiel in Cham

Um es gleich vorweg zu sagen - Sitzgelegenheiten waren rar geworden in der Freizeithalle. Aufhorchen ließen die Pilsheimer bei ihrem Jahreskonzert aber auch mit den beiden Stücken "New York Overtüre" mit einer musikalischen Rundfahrt durch die Millionenstadt und mit "Shaker Heights Fantasy", einer Erinnerung an die Hochschule der Sekte am Rande von Cleveland, mit denen die Jurablaskapelle in wenigen Wochen beim Wertungsspiel in der Oberstufe beim Bezirksmusikfest in Cham ihren Hut in den Ring werfen wird.

Mit dem Jan-von-der-Roost-Stück "Flashing Winds" eröffneten strahlende Bläser den Konzertreigen. Für die Konzertbesucher und eigens auch für den Burglengenfelder Bürgermeister Thomas Gesche hatten die Musiker die progressive Rockballade "Symphonic Rock" einstudiert, doch der Terminteufel hatte dem Stadtoberhaupt einen Strich durch die Rechnung gemacht - wo er doch besonders auf diese Richtung von Musik setzt, wie er bei den Aufnahmen der CD "1000 Takte Blasmusik" zugegeben hat.

"Kleine schwarze Punkte mit Stricherl dran" zu malen ist für Richard Greiner die liebste Freizeitbeschäftigung. Sein Werk, der anspruchsvolle "Panorama Marsch", bestach schon in seiner Trio-Einleitung durch seine 64-taktige, mitnehmende Tenorkantilene als musikalischer Blick über ein Bergpanorama.

Mit einem Udo-Jürgens-Medley erinnerte das Konzertorchester an seine großen Erfolge. Ob "Immer wieder geht die Sonne auf", "Mit 66 Jahren", "Aber bitte mit Sahne" und das ehrenwerte Haus, es war eine Hommage an den großen Sänger und Komponisten. "Von Freund zu Freund", mit dieser Polka ist nicht nur dem Komponisten Martin Scharnagl ein Glücksgriff gelungen, sondern auch Vorsitzender Josef Auer und Dirigent Mario Mändl bei der Vorauswahl der Stücke.

Viel Leidenschaft

Strahlender, groovender Bläsersound und dazu die Leidenschaft Musik zu spielen, ist unverkennbar schon seit Jahren das Markenzeichen des Pilsheim-Big-Band-Sounds. Da zauberte wieder einmal mehr Aloys Gsenger mit seiner Crew Hervorragendes für sein erwartungsvolles Publikum. Ob der "Watermelon Man" aus Chicago als Instrumental, oder aber die Pablo-Beltan-Ruiz-Komposition "Sway" mit "our artist in residenc", Heidi Gügel-Wagner, wie Gabriele Piller mit ihrer launigen Ansage anmerkte, denn "die Heidi gehört schon seit Jahren zum lebenden Inventar der Jurablaskapelle".

Frank-Sinatra-Double

Dazu "Cheek to Cheek" von Irving Berlin mit Chris Gardner als rauchige, tragende Stimme mit seiner Solopartitur, die er als Sängerdouble von "The Voice", keinem Geringeren als Frank Sinatra, hervorragend meisterte. Mit "Son of a Preacherman" zauberte Heidi Gügel-Wagner zusammen mit den übrigen Akteuren etwas Pilsheimer Musikantenhimmel in die sternenklare Konzertnacht.

Der Radetzky-Marsch sollte eigentlich der "Rausschmeißer" sein, doch da ließ sich noch keiner dazu bewegen, seinen Platz zu verlassen. Zugabestücke waren das 19 Passagen umfassende Intermezzo "Langfinger" von Franz Gerstbrein.

Dazu kam noch der "Marsch der Bayern", als dessen Komponisten die Schwandorfer Max Kunz und Professor Josef Zilch gelten, ehe man sich mit der weltbekannten Nummer "We are the world" verabschiedete.
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