20 Jahre im Hussitenfieber

Franz Grundler (Vierter von links), Kreislaienspielpfleger Alois Gillitzer (links) und der stellvertretende Vorsitzende von "bovaria", Arnold Kimmerl (Zweiter von rechts), freuten sich, dass für den Festabend "Hus-Kenner" gewonnen werden konnten: Dr. Boris Blahak, Germanist an der Uni Prag, und Theologin Dr. Gabriele Ziegler. Rechts im Bild Altlandrat und Bezirksrat Volker Liedtke. Zum Finale gabs drei Schuss aus der Böllerkanone. Bild: tie

"Ach Hus": Etwa 20 000 Menschen sind in 20 Jahren mit dem Hussitenfieber infiziert worden. Zum großen Finale, dem "Hus-Ausläuten" präsentierte Franz Grundler eine kleine, feine Festschrift.

Nabburg. (tie) In der Kleinbühne Remise hatte sich eine hochkarätige Gästeschar eingefunden, um Vorträge rund um das Leben und Wirken des Kirchenreformators zu hören und sich noch ein letzten Mal "Ach Hus" anzusehen. 15 Mal ist es aufgeführt worden, davon viermal in Nabburg. Und beim Festabend wurde auch geböllert. Die königlich-privilegierte Feuerschützengesellschaft gab aus ihrer Kanone drei Schüsse ab, und unterstrich die Besonderheit des Festabends zum Gedenken an den Todestag von Jan Hus vor 600 Jahren.

Anklage und Verklärung

Im Juli 1415 wurde der Kirchenreformator während des Konstanzer Konzils auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Man hatte ihm zwar freies Geleit zugesichert, meinte aber, gegenüber einem Ketzer, der seinen Standpunkt nicht aufgibt, sei man nicht verpflichtet, eine Zusage einzuhalten.

Seit 20 Jahren widmet sich der Verein "bovaria" in einer Intensität, die man als "Hussitenfieber" bezeichnen kann, dem Gedenken an den tschechischen Reformator. Arnold Kimmerl, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und stellvertretender Landrat, begrüßte die 70 Gäste. Mit Begleitmusik wurde ein Bild von Kunstprofessor Dietmar Spoerl enthüllt, das ganz in unterschiedlichen Rottönen gleichzeitig Anklage und Verklärung darstellt und die Gäste beeindruckte.

Professor Dr. Boris Blahak, Germanist an der Karls-Universität Prag, referierte über Wirken und Nachwirken des Jan Hus. Immerhin stritt er schon 100 Jahre vor Martin Luther für Reformen in der Kirche. Er gilt als Vorreformator, weil die Reformation erst mit Luther glückte. Aber nach der Rekatholizierung Böhmens im 30-jährigen Krieg gab es mit Joseph II. wieder Reformen, die Hus ausdrücklich anerkannten. Im 19. Jahrhundert wird Hus sogar als Vorkämpfer für Rede- und Gewissensfreiheit des Bürgertums in Böhmen gesehen. Als Reformator ist Jan Hus jetzt voll anerkannt. Sein kompromissloses Eintreten für Selbstbestimmung bis zum bitteren Tod ermöglichte erst die Einsicht, dass einem zum Konzil geladener Kirchenkritiker nicht einfach Zusagen verweigert werden können. Deshalb überlebte Martin Luther den Reichstag zu Worms 1521.

In einem weiteren Vortrag wies Dr. Gabriele Ziegler, Theologin aus Münsterschwarzach, darauf hin, dass Jan Hus in seinen Gedanken kein einfacher Reformer war, sondern durchaus komplizierte Ideen hatte.

Viele Menschen erreicht

Franz Grundler, der Vorsitzende von "bovaria e.V." stellte die Festschrift "20 Jahre Hussitenfieber in Nabburg" vor. 20 000 Menschen sind durch die bovaria-Aktivitäten und den "Feuermond", durch das Buch "Hussen Hymnen Helden Mythen" und Gastspiele von "Ach,Hus" erreicht worden. Alleine die Wanderausstellung "Auf den Spuren der Hussiten", die in 30 Stationen seit 2009 durch die Lande lief, hatte 10 000 Besucher. Grundler bedankte sich bei den Autoren und Sponsoren der Festschrift und überreichte die ersten Exemplare.
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