33 Jahre Posaunenchor

Eigentlich will Erwin Oppelt diesen Witz gar nicht erzählen, aber er findet ihn einfach zu lustig: "Was ist der Unterschied zwischen einem Organisten und einem Chorleiter? Wenn sich der Organist auf die Bank setzt, weiß er, dass alle Pfeifen da sind."

Der ehemalige Lehrer ist der "Mr. Music" von Schwarzenfeld im Landkreis Schwandorf. Wohl kaum jemand in der Region hat sein Leben so sehr der Musik verschrieben und opfert seit Jahrzehnten so viel Zeit für Proben, Auftritte und Aufführungen wie der 62-jährige Erwin Oppelt - wobei ihm Gattin Renate kaum nachsteht. Auch sie ist eine frühere Lehrerin und eine Musikerin durch und durch. Beider Leidenschaft: Chorgesang jeder Art und der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde. Ohne das dauerhafte Engagement des Ehepaars Oppelt wäre das musikalische Leben in der Marktgemeinde und in der Kirchengemeinde deutlich trister.

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In die Wiege gelegt wurde die Musik nur Renate Oppelt. Sie kommt aus einem musikalischen Elternhaus, hat früh Klavier gelernt, Flöte und auch Geige. "Aber Geige habe ich wieder verlernt," gesteht sie und lacht. Und im Alter von 47 Jahren hat sie sich sogar noch der Mühe unterzogen, die Posaune zu beherrschen. "Dazu hat mich der eigene Mann motiviert", erinnert sie sich. Erwin Oppelt brauchte damals nämlich Nachwuchs für den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde der Christuskirche. So übte Renate Oppelt zusammen mit drei Teenagern und brachte es zu einer veritablen Virtuosität. Noch heute ist sie im Posaunenchor unverzichtbar, auch wenn ihr Mann schon dessen Leitung aufgegeben hat. Ein halbes Menschenleben lang hatte der gebürtige Franke Erwin Oppelt den Posaunenchor in Schwarzenfeld unter seinen Fittichen. Den Anstoß gab der evangelische Pfarrer Bodo Wähner, der im Jahr 1975 das Lehrer-Ehepaar Oppelt in dessen Wohnung besuchte und mehr oder weniger versteckt darauf hinwies, "dass es da einige Bläser gebe in der Gemeinde, einen Posaunenchor, der Tipps bräuchte". Erwin Oppelt nahm also Kontakt auf zu den Freizeitmusikern. "Daraus ergab sich dann eine Verpflichtung für 33 Jahre, durch alle Höhen und Tiefen", fasste er die Konsequenzen des Pfarrer-Besuchs zusammen.

Ganz neu war ihm dieses musikalische Milieu nicht. Denn schon Anfang der 1970er Jahre, als Erwin Oppelt noch als Fachlehrer-Anwärter in Rothenburg tätig war, stand er dort für zwei Jahre der Blaskapelle Gnötzheim vor. Aus dieser Zeit weiß er auch, dass Blaskapellen anders spielen als Posaunenchöre. "So kann auch nicht der eine beim andern so einfach mitspielen."

Auf Oppelt war Pfarrer Wähner gekommen, weil der nicht nur evangelisch war - was in Schwarzenfeld noch immer die Ausnahme ist - und als Musiklehrer in der örtlichen Volksschule unterrichtete, sondern überdies den Organistendienst in der Christuskirche übernommen hatte. Mit der "Königin der Instrumente" hat Erwin Oppelt schon seit rund 50 Jahren zu tun. Gelernt hat er das Orgelspielen als Schüler an einer fränkischen Realschule, an der es kostenlosen Orgelunterricht gab: "Schon mit 15 Jahren habe ich dann meine erste Organistenstelle übernommen, in Ermetzhofen." Auf etwa 80 Einsätze im Jahr kam der Schüler damals. "Da musste ich bei jedem Gottesdienst spielen, bei jeder Taufe, Hochzeit und Beerdigung." Dafür gab es 300 Markt Taschengeld, die der örtliche Pfarrer einmal im Jahr ausbezahlt hat.

Kennen gelernt haben sich Erwin und Renate Oppelt am Staatskonservatorium für Musik in Würzburg. Erfreulicherweise wurden die beiden später im Landkreis Schwandorf in den Nachbargemeinden Schwarzenfeld und Schmidgaden für den Schuldienst eingesetzt. Dass sie, eine Katholikin, in Zukunft eine der Säulen der evangelischen Kirchenmusik am neuen Heimatort Schwarzenfeld würde, hat sich Renate Oppelt damals nicht träumen lassen. Denn auch sie übernahm für lange Zeit eine wichtige Aufgabe: 1986 wurde die damals 34-Jährige die Leiterin des evangelischen Kirchenchors - und blieb es ein Vierteljahrhundert lang. "Wir hatten in unserer stärksten Phase bis zu 32 Sängerinnen und Sänger", erinnert sich Renate Oppelt. An wichtigen kirchlichen Feiertagen traf das Ehepaar noch am Frühstückstisch die letzten musikalischen Absprachen für Auftritt und Programm von Kirchenchor, Posaunenchor und Orgel der Christuskirche.

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Mit dem Buchtal-Chor

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Gatte Erwin war mit der Kirchenmusik schon gut ausgelastet, sagte aber auch nicht Nein, als der Schwarzenfelder Gesang- und Musikverein für ein Jahr einen Leiter brauchte. Doch das blieb Episode, denn zu jener Zeit kam Josef Nerf, der Verkaufsdirektor des großen Unternehmens Buchtal, auf ihn zu. "Ob ich mir nicht vorstellen könnte, den Buchtal-Chor zu leiten?", wollte Nerf vom Vollblutmusiker Oppelt wissen. Und der ließ sich auch hier in die Pflicht nehmen, "auch wenn ich mit einem Männerchor bis dahin noch keine Erfahrung hatte." Aber es wurde, wie bei Erwin Oppelt nicht anders zu erwarten, eine Erfolgsgeschichte. Den Werkschor, derzeit 25 Sänger, dirigiert er immer noch - seit 30 Jahren zwischenzeitlich.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/meinvereinundich
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