35 Mal die Eins vor dem Komma

Ein Abschied mit Wehmut vom Gymnasium und von einem "Mann mit Herz": Für Hildegard Tretter, die Vorsitzende des Elternbeirats, war es die letzte Dankesrede bei einer Abiturfeier. Dr. Knut Thielsen dankte mit Blumen.

Noten sind wichtig, aber nicht alles. "Bei uns zählen die Menschen", betonte Schulleiter Dr. Knut Thielsen bei der Abiturfeier des Gymnasiums. Doch auch die Zensuren der 111 Absolventen ließen sich durchwegs sehen. Einer ragte dabei heraus.

Es war nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche mit den Seelsorgern Thomas Jeschner und Dirk Grafe ein Abschied ohne Wehmut am Freitagabend in der Schulaula - dafür aber mit viel Optimismus, Esprit und Charme, mit versöhnlichen Worten und gut gemeinten Ratschlägen: immer wieder unterbrochen vom starken Applaus der Eltern und Gäste, darunter, der Zufall wollte es, Jugendliche der englischen Partnerschule.

Niveauvoll gestaltete sich auch der musikalische Rahmen. Eva Mayer schwärmte von acht "wunderbaren Jahren", "Feeling Good" traf den richtigen Ton, ebenso wie "Ich geh in Flammen auf".

Stürmer und Manager

Die wichtigste Botschaft aber vermittelte der Schulleiter. Knut Thielsen nahm die politischen Ereignisse der vergangenen Wochen mit Gipfeltreffen und Krisensitzungen zum Anlass, auf die Wahrscheinlichkeit stürmischer Zeiten auch im persönlichen Bereich der Absolventen hinzuweisen. "Sie werden Gipfelstürmer und Krisenmanager sein auf dem Weg, der vor Ihnen liegt", mutmaßte der Oberstudiendirektor. Als Lösungsstrategien empfahl der Schulleiter eine gute Vorbereitung von "Gipfeltreffen", das lösungsorientierte Gespräch und die Kompromissbereitschaft bei der Bewältigung von Krisen.

"Pflastersteine helfen nicht bei der Heilung." Mit dieser Bemerkung warnte Thielsen vor Machtspielen und Drohgebärden, vor Hardlinern und Gewaltbereiten. Auf die Dosis komme es an. Temperamentvoll appellierte der Schulleiter an die Abiturienten: "Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand." Gleichzeitig warnte er vor dem großen Strom der Meinungen und Moden, der Mainstream-Mehrheiten und des Zeitgeistes. "Wir haben die vergangenen acht Jahre mit Ihnen und für Sie darauf hingearbeitet, dass Sie so nicht werden", rief der Schulleiter den Abgängern zu. Dieser Strom verschlinge jegliche Individualität und alle Kraft zur Veränderung.

Stattdessen mahnte Thielsen zur Zivilcourage in einer friedlosen, unsicheren und zerbrechlichen Welt. "Widerstand und Ergebung", dieser Weg von Dietrich Bonhoeffer könne Maßstäbe setzen. "So, und nun gehen Sie", rief der Schulchef schließlich den jungen Leuten forsch und unkonventionell zu. "Verdrängen Sie weder Elternhaus noch Schulzeit und denken Sie vielleicht gelegentlich dankbar an Eltern und Lehrer zurück": eine bescheidene Bitte und doch begleitet vom berührenden Beifall des gesamten Auditoriums.

"Fels in der Brandung"

Für die Abiturienten sprachen Andreas Dzierza, Sebastian Hoffer und Eva Mayer. Humorvoll ließen sie noch einmal das Schulleben Revue passieren, berichteten von anstrengenden Reisen und Herausforderungen und beleuchteten augenzwinkernd das Verhältnis zur Lehrerschaft. Oberstufen-Koordinatorin Dagmar Mense bekam die bemerkenswerte mündliche Benotung: "ein Fels in der Brandung".

Überhaupt: Die acht Jahre am Gymnasium scheinen bei den jungen Leuten Eindruck hinterlassen zu haben. "Wir verlassen einen Ort, der an Gemeinschaft erinnerte" und "Wir starten mit Rückenwind", waren Anerkennung für Schule und Elternhaus. Oscars für die Schülersprecher gab es von Andreas Dobmeier und Larissa Müller. Sie dankten im Namen der Schülermitverwaltung.

Es folgte die Verteilung der Abiturzeugnisse durch Schulleiter Dr. Knut Thielsen und Oberstufen-Koordinatorin Dagmar Mense. Ein gemeinsames Abendessen mit gemütlichem Beisammensein in der Mehrzweckhalle schloss sich an.
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