38 Jahre Abteilungsleiter

Schwarze Hose, weißes Hemd - einheitlich gekleidet und im Gleichschritt marschieren rund 70 Mädchen Ende der 1950er Jahre in die Luitpoldschulhalle. Martha Popp (rechts hinten) gibt mit dem Tamborin den Takt vor.

Kinder toben durch die Halle, schlagen Purzelbäume, klettern an den Sprossenwänden. Mitten im Gewimmel der 70 Mädchen: Bernhard Popp. Er hilft seiner Freundin, die die Turnstunde leitet. Auch 58 Jahre später gehört sein Herz dem Turnen, dem TV Amberg und seiner Martha.

Ich habe sie damals von der Turnstunde abgeholt", erinnert sich Bernhard Popp (78) an jenen Abend im Jahr 1956 und blickt zu Martha (76), mit der er seit 51 Jahren verheiratet ist. "Da hat sie gesagt: Mach doch da mal mit." Bernhard Popp machte mit, obwohl er das Turnen bis dahin nur aus dem Schulunterricht kannte, stand ab da an Woche für Woche jeden Freitag in der Halle der Luitpoldschule.

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Aus dem Mitmacher wurde ein Macher, Ambergs Turnvater. Seit 1976 ist er Abteilungsleiter Turnen und Gymnastik beim TV 1861 Amberg, seit fast 25 Jahren Mitglied in zwei Landesfachausschüssen beim Bayerischen Turnverband, 20 Jahre lang war er Jugendwart des Gaus Oberpfalz, über 20 Jahre lang stellvertretender Gauvorsitzender.

"Am Anfang", so Bernhard Popp, "hab ich das gemacht, was ich aus der Schule kannte." Viel schaute er sich auch bei Martha ab. Die turnte schon mit acht Jahren, war eine gute Leichtathletin und ist Gründungsmitglied der Handballabteilung.

Später, 1964, macht sie in der Sportschule Grünwald in München ihren Übungsleiterschein. Als erste Ambergerin. Ihr Zertifikat hat die Nummer 151. Bernhard Popp erwirbt seine Lizenz neun Jahre später.

Übungsleiterkurse und Trainerausbildungen gibt es 1958 in dieser Form noch nicht. Damals zieht das Kinderturnen des TV 1861 Amberg in die neugebaute Turnhalle der Dreifaltigkeitsschule um. "Um den Wünschen vieler Eltern entgegenzukommen, auch im Dreifaltigkeitsviertel eine Kinderturnstunde abzuhalten und den Kindern den weiten und hauptsächlich nach Schluss der Turnstunde nicht ungefährlichen Nachhauseweg von der Luitpoldschulturnhalle zu ersparen", wie es in einem Artikel der Amberger Zeitung vom 22. Oktober 1958 heißt.

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Mehr als 1000 Mitglieder

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"Rund um die Schule entstand ein Wohngebiet für junge Familien mit Kindern", erinnert sich Bernhard Popp. "Die Anzahl der Kinder stieg rapide." Und mit ihr die Zahl der Turner. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Mitgliederzahl der TV-Turnabteilung auf über 1000. Das Angebot des Vereins wurde größer: Kinderturnen, Vorschulturnen, Vater-, Mutterturnen, Schulkinderturnen, Damengymnastik, Aerobic, Jazztanz, Haltungsschulung, Er-und-Sie-Turnen bis zum Seniorenturnen, später Nordic-Walking, FitnessGym, Bodyworkout und Zumba. Alle zwei, drei Wochen fahren die Popps damals nach Cham zur Bezirks-Kunstturn-wartin Anni Wachs. "Sie hat uns das Wettkampfturnen gelernt", sagt Bernhard Popp. Dazu kommen Lehrgänge in Mantel-Weiherhammer und Schwarzenfeld, in Weiden und Regensburg. Zur Praxis kommt die Theorie: "Ich habe alles gekauft, was es an Lehrbüchern gab", sagt Bernhard Popp, der als Industriekaufmann bei der Luitpoldhütte und bei Halberg-Luitpold-Rohr arbeitete.

Weit über 1000 Kinder haben die Popps im Laufe der Jahrzehnte ausgebildet. "Er kommt bei den Jugendlichen besser an, weil der so viel Ruhe ausstrahlt," sagt Martha Popp über ihren Mann.

Mitte der 1970er Jahre entsteht aus dem Kinderturnen die Leistungsriege. Diese Mädchen trainiert das Ehepaar Popp drei-, viermal die Woche je zwei-, drei Stunden. Bei Wettkämpfen im Gau, Bezirk, in Bayern und bei deutschen Meisterschaften gibt es zahlreiche Titel und Podestplätze. Besonders beim Turnerischen Mehrkampf (Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Kunstspringen). Die Erfolgreichsten: Tochter Karin Popp, Andrea Druckseis, Katrin Bayer, Sophia Probst, Sylvia Binner, Tina Blum, Christine Schmaußer, Beate Landshammer, Kathrin Widder und Rebekka Berninger.

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Fasching und Löwenparade

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Die Amberger Turner sind nicht nur bei Wettkämpfen am Start, sie treten auch bei Faschingszügen in Amberg und Kümmersbruck auf, bei den Landesgartenschauen in Amberg und Neumarkt, bei Sportlerehrungen, der Präsentation der Amberger Löwen auf dem Marktplatz und Benefizveranstaltungen wie "Sternstunden zur Weihnachtszeit". Höhepunkte für Martha und Bernhard Popp sind die deutschen Turnfeste, die alle vier Jahre stattfinden. Das nächste ist 2017 in Berlin. Dort will Bernhard Popp mit seinen TV-Turnern wieder dabei sein. "Dann aber nicht mehr in verantwortlicher Funktion. Sondern nur noch zum Genießen."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/meinvereinundich
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