40 Grad: Tennis? Nein, danke

Das Thermometer kletterte am Wochenend auf über 40 Grad. Auf vielen Tennisplätzen blieben die Schläger liegen. Auch die Weidener Tennisherren 60 wollten bei dieser Gluthitze kein gesundheitliches Risiko eingehen.

Extreme Temperaturen bis über 40 Grad auf dem Platz. Da wollten die Weidener kein gesundheitliches Risiko eingehen. Deshalb ist Aschaffenburg Meister in der Bayernliga. Angefressen sind jetzt die Tennis-Herren des SV Altenstadt/WN. Sie fühlen sich um den Titel betrogen.

Weiden/Altenstadt/WN. (eg) Es war spannend vor dem letzten Spieltag in der Tennis-Bayernliga der Herren 60. TC Schönbusch Aschaffenburg, SV Altenstadt/WN und TC Grün-Rot Weiden lagen punktgleich vorne. Die Meisterschaft sollte am Wochenende entschieden werden. Wurde sie natürlich auch. Aber nicht sportlich, sondern am Grünen Tisch. Da die Weidener nicht beim TC Aschaffenburg antraten, wurde das Spiel 21:0 gewertet. Der TC ist damit Meister. Das Nachsehen hat der SV Altenstadt, der dadurch knapp als Zweiter ins Ziel kam.

"Wir haben alles versucht, das Spiel zu verlegen", sagt Grün-Rot-Mannschaftsführer Franz Reger. "Wir waren einfach nicht bereit, bei Temperaturen um 40 Grad zu spielen und haben den Aschaffenburgern angeboten, auch unter der Woche zu kommen. Wir wären zu jeder Verlegung bereit gewesen." Aber das Telefon blieb bis gestern still. Reger nimmt an, dass es berechnend war, da die Aschaffenburger so Meister sind. "Das kann doch nicht der Sinn des Sports sein?", fragt Reger, der auf die Unterfranken nicht gut zu sprechen ist. "Wir haben uns korrekt verhalten. Es geht einfach nicht, dass die Senioren bei dieser Hitze spielen." Der älteste Spieler, Harry Lohse, sei immerhin schon 73 Jahre alt. Für Bayernliga-Spielleiter Peter Miehling sind das keine Argumente. "Hitze ist ein subjektives Gefühl. Und beim Verband gibt es keine Hitzeregelung." Deshalb seien die Mannschaften gefragt, sich auf einen Ausweichtermin zu einigen. Miehling: "Aber das haben die einfach nicht hinbekommen." Er hätte den Weidenern geraten, nach Aschaffenburg zu fahren und dann abzubrechen. Die Begegnung wäre anders gewertet worden und nicht als Nichtantreten. Zudem müsse Grün-Rot mit einer hohen Strafe rechnen.

Auch das ist für Reger unverständlich: "Dann gehen wir vor das Sportgericht. Was hätten wir denn noch machen sollen." Verständnis kommt vom SV Altenstadt, der am Samstag zwar beim TC Obernau angetreten war, aber aufgrund der extremen Temperaturen kein Einzel zu Ende gespielt hat. Die Partie endete mit einem 13:8-Sieg der Oberpfälzer, was aber nichts half. Der Titel war dahin.

"Der Tennisverband ist gefordert", sagt Mannschaftsführer James Riedlbauer, der weiß, wie gefährlich extreme Hitze sein kann. Vor einigen Jahren, in seiner Düsseldorfer Zeit, musste er mit ansehen, wie ein Spieler bei den hohen Temperaturen tot zusammenbrach. "Das geht einem nicht mehr aus den Kopf", sagt Riedlbauer.

Was ihn allerdings ärgert ist die Tatsache, dass die Meisterschaft nicht sportlich, sondern am Grünen Tisch entschieden wurde. "Das ist sportlich nicht gerecht. Das ist eine Sauerei, die ich so noch nicht erlebt habe." Einig sind sich Riedlbauer und Reger in einem Punkt: Bei der Hitze sei es unverantwortlich zu spielen. "Die Gesundheit hat Vorrang."
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