42 Sekunden entscheiden

Die Startreihenfolge wurde direkt am Rheinfall in Schaffhausen bei einem Prolog über 800 Meter mit einer Steigung von bis zu 15 Prozent ermittelt. Für Norbert Huber (links) und Jörg Weigert (Mitte) von CIS Amberg war vorher klar, dass sie keine Sprintkönige sind, aber der 15. Platz mit Durchschnittszeit von 1:45:0 Minuten war dann zunächst eine Enttäuschung. Die Schnellsten, das Team BiXS aus der Schweiz, spielte mit 1:29:4 Minuten in einer anderen Liga. Damit ergab sich für die beiden Oberpfälzer eine Star

Bei einer Baustelle verfahren sich Jörg Weigert und Norbert Huber - nach über tausend Kilometern scheinen die beiden keine Chance mehr auf den Sieg in der Teamwertung bei einem Nonstop-Radrennen in der Schweiz zu haben. Aber plötzlich kommen den beiden Oberpfälzern die Favoriten entgegen - auch diese sind von der richtigen Route abgekommen.

Vollkommen überraschend haben am vergangenen Wochenende Jörg Weigert aus Kastl und Norbert Huber aus Amberg als "Team HABA Ghost" die Wertung "Team of 2 Men" bei der TorTour in der Schweiz gewonnen. Dabei handelt es sich um ein Nonstop-Radrennen rund um die Schweiz über 1 028 Kilometer bei dem insgesamt fünf Alpenpässen erklommen und 12 700 Höhenmeter überwunden werden müssen.

Die TorTour ist der weltweit teilnehmerstärkste Ultracycling Wettbewerb. Die Strecke nehmen Einzelstarter, 2er-, 4er- und 6er Teams in Angriff.

In der Klasse der männlichen 2er Teams starteten 21 Duos am Rheinfall in Schaffhausen im Abstand von 30 Sekunden. Beim Prolog war es noch sonnig und es hatte über 30 Grad und nachts zum Start war es noch immer trocken - dies sollte sich im Rennverlauf aber massiv ändern. Zu fahren waren im Rennen 16 Etappen zwischen 28 und 85 Kilometern, davon waren drei Etappen als Paarzeitfahren zurückzulegen, die restlichen Abschnitte wurden im Wechsel zwischen den beiden Fahrern absolviert.

Weigert höher, Huber länger

Während Weigert mit 7 280 Höhenmetern den Löwenanteil an Bergen bewältigte (Huber 6 030), fuhr Huber mit 593 Kilometern etwas mehr Distanz als Weigert (549 km).

Gleich nach dem Start stand das erste Paarzeitfahren an und die beiden begannen furios und auf der dritten Etappe übernahm Jörg Weigert erstmals die Führung. Von da an entwickelte sich zwischen dem Schweizer Brüderpaar vom Team BiXS und den gebürtigen Oberpfälzern ein Zweikampf, der spannender nicht hätte sein können.

Wolkenbruch

In der Südschweiz, beim Überqueren der Alpenpässe, kam es teilweise zu wolkenbruchartigen Regenfällen. Auf dem "Dach" der TorTour, dem 2 500 Meter hohen Frukapass, betrug die Temperatur nur noch sieben Grad im Dauerregen. Diese Etappe über 73 Kilometern mit 2 310 Höhenmetern brachte Jörg Weigert an die Belastungsgrenze. Die Führung wechselte von Etappe zu Etappe. Nach der Hälfte des Rennens stand am Genfer See das zweite Paarzeitfahren an. Hier zeigten der 39-jährige Weigert und der 43-jährige Huber erneut, was sie auf dem Zeitfahrrad drauf haben. Auf diesem 50 Kilometer langen Abschnitt nahmen sie den Schweizern elf Minuten ab. Doch diese kamen auf den bergigeren Etappen immer wieder zurück und übernahmen ebenfalls immer wieder die Führung. Die Entscheidung sollte erst auf den Schlussetappen fallen. Zurück in Schaffhausen gab es eine Baustelle. Auf eine Umleitung war nicht hingewiesen. Huber und Weigert fuhren direkt an der Baustelle vorbei. Fünf Kilometer weiter - nur noch zwei Kilometer vom Ziel entfernt - kam von der Rennleitung die Order an die Crew, umzudrehen, zurückzufahren, und die Umleitung um die Baustelle zu nehmen - das Rennen schien verloren. Doch auf halbem Weg zurück kamen den CIS-Fahrern plötzlich die beiden Schweizer, ebenfalls auf der falschen Strecke, entgegen.

Am Ende

Nachdem man sich gegenseitig verständigt hatte, wendete auch Team BiXs hinter Team HABA Ghost und auf den nun noch zu fahrenden sechs Kilometern musste das Rennen entschieden werden. Obwohl alle am Ende ihrer Kräfte waren, setzten sich die Deutschen aber sofort ab und erreichten so nach 35 Stunden und 53 Sekunden als Erste das Ziel - nur 42 Sekunden vor den als Favoriten ins Rennen gegangenen Schweizern.
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