55 000 Euro völlig indiskutabel

Die plötzlichen Verkaufsgelüste gingen vielen Delegierten doch etwas zu weit. Vor allem im vom Vorsitzenden Armin Meßner formulierten Antrag, in "konkrete Verkaufsverhandlungen" eintreten zu wollen, schieden sich die Geister. Meinhard Köstler vom Zweigverein Neualbenreuth zeigte sich mehr als überrascht über dieses Ansinnen. Vor zwei Jahren sei darüber ausgiebig diskutiert worden, und damals habe man als kleiner Zweigverein, wie viele andere auch, sogar eine 700-Euro-Spende für den Zweck der Renovierung der Silberhütte an den Hauptverein gespendet. "Hat man vor zwei Jahren nicht um diese gravierenden Mängel gewusst?" Jetzt stehe plötzlich der Verkauf an.

Meßner entgegnete, dass die Spendenaktion der Zweigvereine gerade einmal rund 15 000 Euro eingebracht habe. Natürlich würde dieses Geld bei einem eventuellen Verkauf wieder zurückbezahlt.

Hans Balk aus Matzlesrieth vom OWV-Theisseil-Muglhof erklärte, dass die Reparaturen die eine Seite und der Verkauf eine andere sei. Seine Hoffnung lag auf dem guten Miteinander mit Wirt und Langlaufgemeinschaft, wenngleich sich letztere sehr schwierig gestalte. "Das sind sehr schwierige Nachbarn", drückte sich Balk vorsichtig aus. Über mehr als zehn Jahre kassierte die Langlaufgemeinschaft Autofahrer auf dem OWV-Parkplatz ab, ohne dem OWV dafür etwas abzugeben. "Alle Langläufer müssen über den Grund des OWV." Da müsse man sich schon eine Regelung überlegen und nicht alles stillschweigend hinnehmen. Außerdem floss viel Geld aus den Erlösen der Silberhütte auch in den laufenden Haushalt des Hauptvereins, merkte Balk weiter an. Deswegen gelte es genau abzuwägen.

Der Antrag des Vorstands sei zu kurzfristig eingebracht worden, bemängelte Erwin Meyer vom Zweigverein Schwandorf. "Wir sind eigentlich für Neuwahlen hergefahren." Er fühle sich nun regelrecht überfahren. Josef Kick aus Waldthurn stellte die Frage, ob nicht der eigentliche Verkaufsgrund im Nichtzurechtkommen mit der Nachbarschaft liege. Einziger Beweggrund dieses Antrags sei die Sorge um den Erhalt der Schutzhütte, bestätigte Meßner.

Günther Flierl, Vorsitzender des OWV Oberviechtach, warnte vor einem Schnellschuss. Ähnliches geschah beim Verkauf der Pfreimdtalhütte. "Jetzt schreibt der Wirt plötzlich schwarze Zahlen." Michael Schwabl vom OWV Leuchtenberg regte an, nach einem finanzkräftigen Investor oder stillen Teilhaber Ausschau zu halten und in diese Richtung die Bemühungen zu verstärken. Von früheren angeblichen Kaufinteressen der Firma Winkler aus Parkstein habe Meßner damals erst aus der Zeitung erfahren. Seine Kopf- und Bauchgefühle sprächen eine unterschiedliche Sprache. Einerseits wisse er, dass wegen der horrenden Reparaturkosten ein Verkauf die beste Lösung wäre, andererseits sei die Schutzhütte vom OWV gebaut worden. Lediglich ein Kaufinteresse sei bisher eingegangen, gab der Vorsitzende bekannt. Allerdings sei das Angebot in Höhe von 55 000 Euro indiskutabel, waren sich die Anwesenden einig, als sie die Summe vernahmen.

Der stellvertretende Vorsitzende Hermann Bolz aus Rothenstadt trat schließlich sehr energisch auf, denn dieser Punkt sei auf der Tagesordnung nicht vorgesehen und soll wenn dann erst unter "Wünsche und Anträge" gestellt werden. "Um des lieben Friedens willen" versuchte schließlich Hans Sperrer aus Weiden einzulenken und warb dafür, im späteren Verlauf der Versammlung darüber zu entscheiden. Vor allem sollte das Wort "konkret" aus dem Wortlaut des Antrags entfernt werden. (dob)
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