60 Lebenswege, und 28 mit gleichem Ziel
Im Blickpunkt

Nach 50 Jahren Realschulabschluss feierten die "Ehemaligen" ein freudiges Wiedersehen in der Kaibitzer Schlossschänke. Bild: jzk
Kemnath. (jzk) Mit einem Zitat der polnischen Physikerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie begrüßte Richard Stock aus Riglasreuth seine ehemaligen Mitschüler in Kaibitz zum zweiten Klassentreffen: "Man merkt nie, was schon getan wurde. Man sieht immer nur, was noch zu tun bleibt."

Vor 50 Jahren wurden sie an der Kemnather Realschule, die damals noch Mittelschule hieß, mit dem Zeugnis der Mittleren Reife entlassen. "Jeder hat diese Zeit verschieden erlebt oder anders empfunden", vermutete der Redner, "jeder hat schon einmal über sein Leben nachgedacht." Von den damals 60 Absolventen waren 28 der Einladung der Organisatoren gefolgt.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Klassengemeinschaften ist über die vielen Jahre erhalten geblieben. Sonst hätten einige nicht die weite Anreise aus Brixen, München und Würzburg auf sich genommen. Das erste Treffen hatte vor zehn Jahren bei einer ehemaligen Klassenkameradin in Brixen stattgefunden. Nach dem Stehempfang in der Schlossschänke und einem Rundgang in Kaibitz versammelten sich alle vor der Schlosskapelle zur Dankandacht. Für jeden der sieben bereits verstorbenen Kameraden zündeten sie eine Kerze an.

Anschließend machte Wirtin Helene Eibisch für ihre ehemaligen Mitschüler eine Führung in der alten Kaibitzer Mühle. "Weißt du noch?", hieß es immer wieder, als beim Abendessen im Rittersaal Erinnerungen an die Schulzeit aufgewärmt wurden. Einige blätterten im Jahresbericht 1963/64 und betrachteten ihr Foto von einer der beiden Abschlussklassen 4K (31 Schüler) oder 4M (29 Schülerinnen). "Der Übertritt erfolgte damals nach der sechsten Volksschulklasse", erzählte Richard Stock, "Buben und Mädchen wurden in getrennten Klassen unterrichtet." "Wir waren eine der ersten Klassen, die nicht mehr in die drei-, sondern bereits in die vierstufige Realschule gingen", fügte ein ehemaliger Klassenkamerad hinzu.

"Ein unvergessliches Erlebnis war für uns, als wir in der zweiten Realschulklasse gemeinsam in das Schullandheim Feuchtwangen fahren durften", schwärmten einige. "Da sind wir erstmals mit den Mädchen unserer Parallelklasse in Kontakt gekommen" schmunzelten sie und erzählten gleich einige lustige Begebenheiten. In einem sauber geführten Berichtsheft waren die Erlebnisse auf der "romantischen Straße" genau aufgeschrieben worden.

Gerne erinnerte man sich an die Klassenleiter Walter Liepelt (4K) und Luise Meier (4M). Mittelschuldirektor war Rudolf Sorgner, Konrektor Ferdinand Roth. Die beiden späteren Schulleiter Eduard Donhof und Werner Höppel erteilten ihnen Unterricht. Stadtpfarrer Georg Pilz war ihr Religionslehrer. Als Sportlehrer hatten die Buben Anton Weiß. Bis spät in die Nacht hinein schwelgte man in Erinnerungen, frischte alte Geschichten wieder auf und betrachtete Fotos aus der Schulzeit. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Akkordeonspieler Brandy. Beim Abschied zu vorgerückter Stunde waren sich alle einig: "Bis zum nächsten Klassentreffen warten wir keine zehn Jahre mehr."
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11034)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.