74 Flüchtlinge verbringen im Lkw drei Tage auf Stroh - Weiterer Fall am "Schlossberg"
Die Odyssee teuer bezahlt

Alles, was sie an Geld hatten, gaben die Flüchtlinge dem Schleuser, der sie in Wernberg-Köblitz aussetzte. Im Nabburger Feuerwehrhaus wurden die Kurden, die drei Tage in einem Lastwagen eingepfercht waren, verpflegt. Bild: Völkl
Wernberg-Köblitz/Nabburg. (cv) Schlimmes haben die 74 Flüchtlinge mitgemacht, die von skrupellosen Schleusern in der Nacht zum Karfreitag auf dem Lastwagenparkplatz des Autohofes in Wernberg-Köblitz ausgesetzt wurden. Ihre Flucht mussten die Kurden - Iraker oder Syrer - zudem teuer bezahlen.

Am Gründonnerstag gegen Mitternacht waren 75 Flüchtlinge von der Polizei aufgegriffen worden: 59 Männer und Frauen, 12 Kinder und 3 Jugendliche. Sie wurden in einer beispielhaften Aktion von Hilfsorganisationen und Bürgern im Nabburger Feuerwehrhaus versorgt, fanden Schlafplätze in der Turnhalle der Mittelschule (wir berichteten).

Die weitere grenzpolizeiliche Sachbearbeitung übernahm federführend die Bundespolizeiinspektion Waldmünchen. Demnach haben skrupellose Schleuser die Not der Menschen ausgenutzt und dabei kräftig verdient. Zwischen 6000 und 10 000 US-Dollar mussten die Flüchtlinge an die Schleuser bezahlen. Für einige der Migranten begann die Reise bereits im August 2014. Als Angehörige einer religiösen Minderheit fühlten sie sich verfolgt und fürchteten um ihr Leben. Zunächst in einem Flüchtlingslager untergekommen, machten sie sich mit Pass und Visa auf in Richtung Türkei. In Istanbul wurden die Flüchtlinge auf einen Lkw verfrachtet. Nur mit etwas Heu und Stroh sowie einigen Kanistern für die Notdurft ausgestattet ging es ohne Ausweispapiere über Bulgarien weiter nach Deutschland. Während der Fahrt durfte der Lkw nicht verlassen werden. Erst im Bereich Wernberg scheuchte sie der Fahrer vom Lastwagen, ehe er davonfuhr. Viele der Männer und Frauen haben laut ersten Vernehmungen alles verkauft, um den Schleuserlohn bezahlen zu können. Nach Abschluss der grenzpolizeilichen Ermittlungen brachte die Bundespolizei die Flüchtlinge in die Erstaufnahmeeinrichtungen nach Regensburg und Zirndorf.

Sie sucht nach Zeugen: Wer hat im relevanten Zeitraum verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich der Autobahnanschlussstelle Wernberg-Köblitz gesehen? Man hat zwar "erste Ansätze" gewonnen, doch die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, da die Schleuser im Ausland zu suchen sind. Sachdienliche Hinweise nimmt die Bundespolizeiinspektion Waldmünchen, Telefonnummer 09972-9408-0, entgegen.

In der Nacht zum Karsamstag dann ein weiterer Fall: Die Autobahnpolizei stieß um 23. 20 Uhr auf der A 93-Park- und Rastanlage "Schlossberg" bei Pfreimd auf einen Ungarn, der zwei Syrer und zwei Palästinenser illegal nach Weiden bringen wollte. Der Kontakt war übers Internet zustande gekommen.
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