99 Prozent weniger Feinstaub

Eschenfelden - bald ein Kurort? Eine merkliche Klimaverbesserung ist allemal in Sicht. 60 Haushalte des 350-Seelen-Orts versorgt die Energie Eschenfelden GmbH jetzt mit ihrem Nahwärmenetz. Das bedeutet 60 rauchende Schornsteine weniger.

Mit einem festlichen Akt startete die Nahwärme-Versorgung jetzt offiziell. Bürgermeister Hans Durst erinnerte dabei an den Spatenstich für das Energiegebäude vor genau einem Jahr.

Duldsame Dorfbewohner

Die Initialzündung für das zukunftsweisende Projekt schrieb er Helmut Wendler, Chef der Firma CTWe und jetzt auch Geschäftsführer der Energie Eschenfelden GmbH, gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Helmut Hummer zu. "Sie brachten die Gemeinde erst auf die moderne Blockheizkraftwerk-Technik", sagte der Bürgermeister.

Sein Stellvertreter Richard Leißner habe über weite Strecken als Bauleiter vor Ort fungiert. Zu schätzen wusste Durst die Bereitschaft der Anschließer, sich auf das Projekt einzulassen. Schließlich dankte er allen Einwohnern von Eschenfelden, die monatelang Baulärm, aufgerissene Straßen und Schotterpisten mit Staub und Schmutz ertragen mussten. Geschäftsführer Wendler erläuterte, wie im Energiegebäude aus Holzpellets Strom und Wärme gewonnen wird. Dieser Weg vermeide, im Vergleich zu Großkraftwerken und Hausheizungen, 99 Prozent Feinstaub und 58 Prozent Kohlendioxid. Es würden nur noch ca. 70 Prozent Brennstoff gegenüber der konventionellen Energiegewinnung verbraucht. In Summe heiße das: "Eschenfelden hat ein in die Zukunft weisendes Energiemodell, das auch unseren Kindern zugute kommt."

Eine Vision von Wendler ist es, dass vielleicht in naher Zukunft Holz gegen Pellets eingetauscht werden könne. Klimaneutral würden dann Strom und Wärme erzeugt durch die Vergasung von Pellets aus der Region. Vor diesem Hintergrund appellierte er an die Politik, es möglich zu machen, dass der erzeugte Strom direkt verbraucht werden könnte.

Energetisch autark

Rein rechnerisch wäre Eschenfelden mit der Anlage energetisch autark. Der erzeugte Strom reiche für 350 Haushalte. Für die acht bis zehn Prozent Restenergie, die noch in der Asche der Pellets stecke, werde in Zusammenarbeit dem Institut Fraunhofer-Umsicht eine Lösung gesucht.

Als weiteren Pluspunkt der Anlage hob Wendler die drei Bürger hervor, die sich vor Ort kümmern. Mit Hans-Jürgen Pöllinger, Thomas Trottmann und als Vertreter Hans Wedel sind sie gefunden worden.

Pfarrer Konrad Schornbaum, der seinen katholischen Vertreter entschuldigte, benannte die Anlage als "weiteres Mosaiksteinchen, um verantwortlich mit unserer Umwelt umzugehen". Er betonte die Verantwortung des Menschen und stellte die Anlage in den Dienst Gottes.

Bereit für 30 Grad minus

Landrat Richard Reisinger wünschte den Betreibern "einen strengen Winter bis 30 Grad minus und den Anschließern wohlig warme Stuben".

Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl, die Vertreter der beteiligten Firmen und die Anschließer ließen sich danach das Innere des Gebäudes zeigen. Dazu wurden Führungen angeboten.

Der gemütliche Teil lief dann auf dem Gelände der Firma Linn High-Therm. Sie ist ein Großabnehmer und stellt ihre eigene Heizung als Spitzenlast zur Verfügung.
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