A Fous is' viel mehr als nur der Fuß
Bratzn, Wampm, Schmerbauch und Henabrusd

Der Dialekt kennt bei Charakterisierungen, vor allem negativen, kein Pardon. Bratzn sind in der Regel große Hände (links). um O-Beine, wie dieses Paradebeispiel in der Mitte, ranken sich gemeine Sprüche, und ein Wampl (rechts) hat schlich und ergreifend einen großen Bauch undabhängig vom Alter. Bilder: NT-Archiv und dpa (2)
In den ersten beiden Beiträgen der Dialektwörter-Serie zum menschlichen Körper wurde der Kopf einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Eine ähnlich große Vielfalt ausdrucksstarker typisch dialektaler Bezeichnungen, wie sie allein in diesem Bereich existiert, ergibt sich im restlichen Körper, gemessen an der Anzahl der Körperteile, nicht. Dies hat sicherlich damit zu tun, dass es sich beim menschlichen Kopf um ein sehr komplexes Gebilde mit jenen Organen handelt, in denen vier der fünf Sinne beheimatet sind.

Bei dem im Folgenden behandelten Korpus soll jedoch die Einschränkung gelten, dass der sensible Schambereich mit zum Teil sehr derben Ausdrücken als eine Art "Tabu-Wortschatz" außen vor gelassen wird. Unabhängig davon haben auch viele der restlichen Ausdrücke einen negativen Zungenschlag. Dies hat sicherlich damit zu tun, dass sie sich in vielen Fällen neben dem in der Standardsprache gebräuchlichen wertneutralen Wort weitere Varianten mit feinen Bedeutungsnuancen herausgebildet haben. Bei einer Reihe dieser Beispiele ist die Zuordnung zu einer bestimmten Sprachvarietät nicht immer ganz einfach.

Ein typisches Beispiel für ein Wort, das nicht nur dem Dialekt zuzuschreiben ist, ist Griffl als Synonym für "Finger". Verwendet wird es zum Beispiel in der Aufforderung "Dou d' Griffl wäck!". Das dazugehörige Zeitwort heißt ummagriffln in der Bedeutung "befingern".

Weiter oben im Körper befindet sich die Henabrusd (Duden: umgangssprachlich), und zwar als Bezeichnung für eine spitzige Brust oder einen schmalen, flachen Brustkorb. Auf der anderen Seite des Körpers befindet sich der Bugl, wertneutral gebraucht für den Rücken (Duden: umgangssprachlich) oder auch einen Buckel. Ranzn, Wampm und Schmerbauch dagegen werden wieder eher abwertend für einen dicken Bauch gebraucht, wobei die ersten beiden Wörter im Duden als "salopp" ausgewiesen sind und das dritte (erneut) als "umgangssprachlich". Als "süddeutsch" wird das Eigenschaftswort wampert eingestuft. Als rein dialektal dagegen ist Wampl als Bezeichnung für eine beleibte männliche Person anzusehen.

Ähnliches gilt für Bratzn. Einerseits ist damit eine sehr große Hand gemeint, eine Pranke sozusagen, andererseits finden sich auch Zusammenhänge, in denen auf die Hand als solche Bezug genommen wird, wie etwa in dem Ausruf "Bratzn wäck!" Ein unzweideutiger Sachverhalt liegt vor, wenn jemand Hent wej Abortdeckl besitzt. Bei überdimensionalen Fingernägeln wiederum spricht man von Schàfln oder Glaou.

Genauso deftig klingt es, wenn jemand mit O-Beinen mit folgendem Spruch bedacht wird: "Minn linkn Fous màd er und minn rächtn haikt er zamm." In diesem Kontext zeigt sich eine weitere Besonderheit des Dialekts, nämlich die Verwendung von "Fuß" (= Fous, Mehrzahl: Fejss) für das gesamte Bein. Ein Synonym dafür ist Hàxn. Stampfl dagegen sind kurze, gedrungene Beine. Die eigentlichen Füße werden auch als Datscher bezeichnet, und das dazugehörige Zeitwort datschn existiert in vielerlei Zusammensetzungen. Wenn jemand einen schlürfenden Gang aufweist, dann lautet dies jedoch serfln oder schölcha, wobei ein feiner Unterschied darin besteht, dass im zweiten Fall die Füße nach innen gezogen werden. (slu)

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Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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