Ab 1974 neues Freibad

Wer im Sommer ins Freibad oder im Winter ins Hallenbad geht, trifft nicht selten auf German Helgert. Bis zu sechs Mal pro Woche trainiert der Sportliche Leiter des Tirschenreuther Schwimm-Clubs mit seiner Leistungsgruppe. Seit fast vier Jahrzehnten prägt der 54-Jährige den Schwimmsport in der Kreisstadt.

German Helgert ist die Liebe zum Schwimmsport in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war ab 1954 als Abteilungsleiter Schwimmen beim ATSV Tirschenreuth tätig. "So mit fünf, sechs Jahren hat er mich regelmäßig ins alte, nicht beheizte Freibad mitgenommen", erzählt der 1960 geborene Helgert, wie alles begann. Er blieb beim Wassersport hängen und feierte als aktiver Schwimmer in seiner Jugendzeit Erfolge. Mitte der 1970er Jahre schaffte er zwei Mal die Qualifikation für die bayerischen Jugendmeisterschaften. Damals sei aber alles noch schwieriger gewesen. "In den Wintermonaten mussten wir im Bärnauer Hallenbad trainieren", erinnert sich Helgert. Das Hallenbad am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth wurde erst 1986 eröffnet.

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Das neue Freibad an der Mähringer Straße war bereits 1974 in Betrieb genommen worden. Dennoch gab es in dieser Zeit in Tirschenreuth eine gewisse Stagnation in Sachen Schwimmsport. "Irgendwann war kein Trainer mehr da", blickt Helgert zurück. Dann habe er sich entschlossen, gemeinsam mit Gerhard Legat Verantwortung zu übernehmen.

1976 absolvierte Helgert die Ausbildung zum Trainer-Assistenten, es folgten die C- und B-Trainer-Ausbildung für den Bereich Schwimmen-Leistungssport. Seine Qualitäten sprachen sich schnell herum. Seit 1980 gehört Helgert dem Lehrstab des Bayerischen Schwimmverbandes an. Sein Engagement beschränkte sich in dieser Zeit aber nicht auf den Schwimmsport. 1982 begann Helgert mit dem Studium, heute ist der Realschullehrer für Sport und Deutsch als Realschuldirektor an der Staatlichen Realschule in Kemnath tätig.

Seit seinem Einstieg ins Trainergeschäft habe sich viel verändert, sagt Helgert. "Die Kinder sind bequemer, die Ansprüche der Eltern höher geworden", beschreibt er einen Wandel in der Gesellschaft. Er persönlich sei aber seiner Linie treu geblieben: "Ich war immer leistungsorientiert und sehe Schwimmen nicht im Sinn von Baden." In diesem Zusammenhang schwärmt Helgert von jenen Sportlern mit einer hundertprozentigen Einstellung. "Wer Leistungssport mitgemacht hat, aus dem ist auch etwas geworden. Disziplin, Selbstorganisation, Motivation und mit Niederlagen fertig zu werden sind Dinge, die auch für das Leben außerhalb des Sports enorm wichtig sind."

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Erste Erfolge gefeiert

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Einer seiner ehemaligen Musterschüler ist Martin Legat, mit dem der junge Trainer German Helgert seinen ersten großen Erfolg feierte. 1981 gewann Legat, der heute als Orthopäde in der Schweiz tätig ist, über 200 Meter Brust die Oberpfalzmeisterschaft im Herren-Gesamtklassement. Weitere Erfolge schlossen sich an, unter anderem die Qualifikation von fünf Aktiven für deutsche Jugendmeisterschaften. An die erste Teilnehmerin - Kerstin Reiter im Jahr 1992 - erinnert sich Helgert besonders zurück: "In Sindelfingen schwamm sie gegen die damals erst 14-jährige Franziska van Almsick, die später zahlreiche Welt- und Europameister-Titel gewann."

Drei Jahre nach diesem Ereignis ging der Schwimmsport in der Kreisstadt neue Wege - und Helgert war maßgeblich daran beteiligt. Er war Gründungsmitglied des Tirschenreuther Schwimm-Clubs, der sich später mit dem SV 08 Auerbach zur Schwimmgemeinschaft Nordoberpfalz zusammenschloss. Für den TSC ist Helgert seit 1995 als Trainer und Sportlicher Leiter tätig, 2013 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

Den größten Erfolg feierte Helgert mit Tim Schmalzreich - der erste Tirschenreuther, der sich für die deutsche Meisterschaft qualifiziert hat. 2013 startete der 20-jährige Student in Wuppertal über 800 Meter Freistil und belegte unter den "Top 100" in Deutschland Rang 48. Für Helgert ist aber nicht die Platzierung, sondern die Leistung entscheidend. "Tim hat eine Top-Einstellung und er ist stets auf den Punkt topfit. Bei Meisterschaften schwimmt er immer Saisonbestleistung. Von seinen Anlagen her ist noch viel möglich", ist Helgert überzeugt. Die Frage sei nur: "Wie geht es mit seinem Studium weiter?"

Helgert ist Vater von drei erwachsenen Töchtern, von denen zwei beim TSC kräftig mitarbeiten. Svenja hat den C-Trainer-Schein und absolviert mit Tim Schmalzreich spezielle Einheiten im Kraftraum. Kristin ist Co-Trainerin der Wettkampf-Mannschaft, gemeinsam mit Simone Bayer und Michael Habedank. Für diese Mitarbeit ist Helgert dankbar, denn alleine wäre der riesige zeitliche Aufwand nicht zu bewältigen. Immerhin wird im Winter fünf Mal, im Sommer sogar sechs Mal pro Woche trainiert. Dazu kommen Trainingslager in den Ferien.

Wie lange sich der 54-Jährige noch so intensiv engagieren will, lässt Helgert offen. Er macht es vielmehr von einer ganz wichtigen Voraussetzung abhängig: "So lange ich Aktive habe, die meine Philosophie mitgehen wollen."
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