Abdul, Fritz und Bill feiern

Musik verbindet die Kulturen, und ein gemeinsames Tänzchen hebt die Stimmung. Bild: rn

Asylbewerber, Amerikaner und Deutsche feierten in der Pausenhalle der Schule zur individuellen Lernförderung. Die Stimmung war richtig vorweihnachtlich.

In einem anderen Kulturkreis ankommen heißt auch, teilnehmen an dessen Alltagsleben und kulturellem Jahresablauf. Asylbewerber und amerikanische Familien hatten sich bereits bei Maifeier, Bürgerfest, Kinder- und Jugendbürgerfest sowie beim Adventsmarkt des Heimatvereins unter die einheimische Bevölkerung gemischt. Einen anderen Stellenwert hatte die Veranstaltung, die am Freitag ein geradezu babylonisches Sprachengewirr begleitete.

Mit Übersetzer

Fritz Betzl hieß Albaner, Amerikaner, Iraker, Iraner, Syrer und Ukrainer "willkommen in Eschenbach". Zur Seite standen ihm albanische, arabische und englische Übersetzer. Er verkündete, dass dies ein Fest "für euch alle ist", gestaltet vom Arbeitskreis Asyl. Der Stadtrat rief dazu auf, nicht darüber nachzudenken ob Krieg ist und verkündete: "Es ist Friede." Als ehemaliger Ministrant ließ er den Wunsch folgen: "Der Friede sei mit euch."

Mit Blick auf ein langes Büfett dankte Betzl allen, "die diese gute Küche vorbereitet haben". Wie später zu erfahren war, hatten sich vor allem syrische Frauen mit landestypischen Gerichten engagiert. Zum Begrüßungskomitee gehörten noch zweiter Bürgermeister Karl Lorenz, der in Eschenbach wohnende Pfarrer einer US-Kirchengemeinde, Brian Klaeger, Pfarrerin Anne Utz, Sabine Fricke vom Arbeitskreis Asyl und die albanischen und arabischen Übersetzer. Die beiden ließen ihre Landsleute am Dankgebet teilhaben, das Anne Utz sprach.

Das Geschehen in der Halle war geprägt von regen Plaudereien, Kicker-Spielen, Gesichtsmalen für Kinder und deren Spielen mit Hula- Hoop-Reifen und Trommeln. Alle Anwesenden trugen kleine Namensschilder an der Brust. Beim Anstellen am Büfett konnten daher Namensstudien betrieben werden. Vertreten waren Abdul, Alan, Ali, Ardit, Bill, Ceyla, Bujar, Ermal, Gilberto, Jil, Lulash, Mohamad, Oleksander, Omar, Sunida und Ülviyya.

Nach dem Essen kam die Stunde von Brian Klaeger und seinem Begleiter am Keyboard. Er ließ englischsprachige Textblätter verteilen und wirkte als lauffreudiger und anfeuernder Dirigent zu Liedern wie "Jingle bells", "Deck the balls", "Reindeer Rudolf", "The Twelve Days of Christmas" und "O Tannenbaum". Der Chorgesang endete mit "We wish you am merry christmas". Die sprachkundigen Moslems sangen, angesteckt von der Stimmung in der Halle, begeistert mit. Selbst ein Baby fühlte sich sichtlich wohl in dieser ungewohnten Umgebung. Es wechselte ohne Protest von arabischen, in deutsche und amerikanische Hände. Von der Bühne erklangen unvermittelt fremdländische Klänge. Sofort schlossen sich einem Vortänzer eifrige Interessenten an.

Kein Halten mehr

Einmal die Schrittfolge erkannt, gab es kein Halten mehr. Aus dem Rundtanz entwickelte sich eine lange Polonaise durch die Halle. Ganz als Nikolaus fühlte sich Fritz Betzl. Der AKs Asyl hatte für alle Kinder Säckchen mit Süßigkeiten vorbereitet.
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