Abseits der Hauptachse

Hunderte Schüler fahren täglich im Landkreis mit dem Bus zur Schule. Die einen haben Glück und wohnen an einer Direktverbindung. Andere müssen längere Zeiten und Wege einkalkulieren, damit sie pünktlich um 8 Uhr im Klassenzimmer sitzen.

Walburga Kiesbauer hat vier Kinder. Zwei davon besuchen das Gymnasium Neustadt/WN. Mit vier weiteren Roggensteinern müssen die Kiesbauer-Kinder jeden Morgen Richtung Waldau oder Zeßmannsrieth zu den nächsten Bushaltestellen der Direktverbindung Vohenstrauß - Neustadt/WN. "Das sind drei Kilometer auf einer gefährlichen Straße, wo es keinen Gehsteig gibt und die Autos mit 100 vorbeifahren. Da kann man den Kindern nicht zumuten, dass sie dorthin laufen", erklärt die 44-jährige Mutter.

Eltern wechseln sich ab

Und so organisieren die Eltern täglich die Hin- und Rückfahrt zur Bushaltestelle. "Am Morgen geht das ja noch, weil alle gleichzeitig beginnen." Die Roggensteiner sammeln sich gegen 7.10 Uhr und fahren zur Waldauer Bushaltestelle, weil sie dort vielleicht einen besseren Stehplatz ergattern können. Sitzen ist in dem vollen Bus für die Kinder aus den Ortsteilen schier unmöglich. Das Abholen ab der Haltestelle bei Zeßmannsrieth muss erneut abgesprochen werden, weil nicht alle gleichzeitig Schulschluss haben. Natürlich wechseln sich die Eltern mit den Fahrdiensten ab, der Aufwand bleibt trotzdem erheblich.

Reinhard Sommer, Teamleiter beim Linienbetreiber RBO (Regionalbus Ostbayern GmbH) in Weiden, bietet den Roggensteinern als Lösung eine Variante im bestehenden Fahrplan an: "Die Schüler könnten um 6.41 Uhr mit dem Bus von Roggenstein nach Vohenstrauß fahren. Dort müssten sie zehn Minuten warten und könnten dann in den Bus nach Neustadt/WN einsteigen." Die Kinder müssten dafür sicherlich eher aufstehen, allerdings könnte man so die Fahrdienste der Eltern vermeiden.

"Den Rückweg könnte man genauso organisieren, also von Neustadt/WN bis nach Vohenstrauß durchfahren und dann mit der Weidener Linie nach Roggenstein", erklärt Sommer. Selbstverständlich kämen die Kinder dann später nach Hause, jedoch sei der Anschluss des Dorfes mit öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich geregelt.

Den Sachbearbeitern im Landratsamt Neustadt/WN sind solche Anbindungsprobleme von Ortschaften, die nicht an einer Direktlinie liegen, zu genüge bekannt. Auch die Roggensteiner Eltern wandten sich hilfesuchend an die entsprechende Stelle. Pressesprecherin Claudia Prößl kann den Roggensteinern keine Hoffnungen machen: "Grundsätzlich werden allen Schülern die kostengünstigsten Verbindungen zu nächstgelegenen Schule der gewünschten Schulart erstattet. Bei Roggenstein wäre dies tatsächlich Weiden." Nachdem der Landkreis aber begrüße, wenn sie das Gymnasium Neustadt/WN wählen, werden die höheren Beförderungskosten nach Neustadt/WN aus freiwilligen Leistungen erstattet.

Nein zu Weiden

Prößl weiter: "Die Schüler von Roggenstein müssen allerdings einen Umweg über Waldau oder Vohenstrauß in Kauf nehmen. Es gab in den letzten Jahren damit auch keine Probleme, heuer haben sich erstmals Eltern beschwert. Aus Sicht des Landratsamts ist dieser Umweg beziehungsweise die Abfahrtzeit von 6.41 Uhr zumutbar, und die Mehrkosten für einen zusätzlichen Bus wären nicht verhältnismäßig." Nach Weiden wollen die Kiesbauers aber nicht: "Wir haben uns bewusst für Neustadt/WN entschieden. Die Kinder wollen und werden dort bleiben, daran wird auch die schlechtere Busverbindung nichts ändern."

Den Umweg mit dem Bus über Vohenstrauß sieht die vierfache Mutter als "absolute Notlösung". "Dafür sind mir die Kinder einfach zu lang unterwegs. Sie müssten sich ja dann schon um 6.30 Uhr auf den Weg zur Roggensteiner Bushaltestelle machen."

Also werden die Eltern aus dem Vohenstraußer Ortsteil weiterhin morgens Waldau und mittags Zeßmannsrieth ansteuern. Die 44-Jährige kann die Argumentation von RBO und Landratsamt nachvollziehen:. "Das ist halt der Preis für unsere Wohnqualität auf dem Dorf."
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