Abstieg in die Geschichte

Bis über die Knie mit Schlamm überzogen war Hannes Oberndorfer, als er nach einer halben Stunde unter der Erde wieder ans Tageslicht gezogen wurde: In Begleitung eines THW-Helfers erkundete der Kreisheimatpfleger den Schacht zwischen Polizeigebäude und ehemaligem Landratsamt. Dessen oberer Teil war nach der Entdeckung 2014 mit Ziegelsteinen ausgemauert und aus Sicherheitsgründen mit einem Gitter abgedeckt worden. Bild: rn

Die Unterwelt der Rußweiherstadt birgt Geheimnisse. Ihnen versuchte Kreisheimatpfleger Hannes Oberndorfer auf die Spur zu kommen: Er seilte sich mit Hilfe des Technischen Hilfswerks in einen Schacht zwischen Polizeiinspektion und ehemaligem Landratsamt ab. Außer Schlamm und Schutt war dort jedoch vorerst nichts zu finden.

Da die Ausrüstung der Feuerwehr zum Abseilen in den zwölf Meter tiefen Schacht nicht geeignet ist, führten die Kontakte von Bauhofleiter Norbert Braun zu Andreas Duschner, dem Leiter des Technischen Hilfswerks Weiden, dazu, dass das THW zu einer Übung anrückte. Zugführer Heiko Engelbrecht brachte mit sechs Kameraden an der Drehleiter der Feuerwehr die Abseilvorrichtung an. Ausgerüstet mit Helm, Gasmessgerät, Leuchte und Funkverbindung schwebte zunächst einer der THWler in die Tiefe. Oberndorfer folgte.

Nach etwa einer halben Stunde erblickte der Kreisheimatpfleger wieder Sonnenlicht. Nun war erst einmal ein Zigarillo fällig. "Das Ergebnis ist weniger spektakulär als gedacht", lautete sein erster Kommentar. Sein Bericht fiel daher recht kurz aus. Seiner Schilderung nach verläuft in Richtung Landratsamt ein etwa zehn Meter langer und zwei bis drei Meter breiter Hohlraum, der "offensichtlich bearbeitet" sei. Spuren von Schlagwerkzeugen deuteten darauf hin. Die Wände des Hohlraumes bestünden aus plattigem Sandstein, informierte Oberndorfer. Von der Decke seien Schollen abgefallen, der Boden mit einer mindestens einen halben Meter hohen Schlammschicht bedeckt.

Ein weiterer Gang in Richtung Polizeigebäude sei nicht begehbar gewesen, teilte der Kreisheimatpfleger mit. Der Grund: mindestens zwei Kubikmeter Schutt, mit denen der Gang irgendwann verfüllt worden sei. Nach ihrer Entfernung hielt Oberndorf "eventuell weitere Erkenntnisse" für möglich. Der Schachtanlage bescheinigte der Diplom-Ingenieur eine gute handwerkliche Leistung. Die Außenwände seien so angelegt, dass sich die zugehauenen Sandsteine gegenseitig sicheren Halt geben.

Imbiss für Helfer

Beobachter der THW-Übung und Abseilaktion war dritter Bürgermeister Klaus Lehl. Er dankte Hannes Oberndorfer für den Abstieg in die Geschichte und zeigte sich erfreut, dass dieser sich "um schützenswerte Bodendenkmäler kümmert". Zusammen mit Bauhofleiter Norbert Braun regte er eine Kennzeichnung der Schachtanlage an - der Begriff Brunnen wurde von allen verneint.

Lehl dankte THW, Feuerwehr und Norbert Braun für ihre Hilfe. An Zugführer Heiko Engelbrecht übergab er ein "kleines Kuvert" und lud zum Imbiss ein. Oberndorfer zeigte sich erfreut darüber, dass sich die Stadt zunehmend ihrer Geschichtsdokumente bewusst werde.
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