Abwertendes aus der Tierwelt
Deftige Vergleiche: Fett wie eine Sau, dampfen wie ein Ross

Festlich geschmückte Pferde zeihen heute nur noch zu Volksfestauftakten den Brauereiwagen. Im Alltag wird auf ihre Arbeitskraft verzichtet. Früher war das anders, die Pferde mussten etwas leisten, waren kräftig. Aus dieser Zeit stammt auch der Vergleich "a Oasch wej ã Braueraigàl" (einen Hintern wie ein Brauereiross) für einen nicht gerade kleinen Allerwertesten. Bild: NT-Archiv
Oft dienen vergleichende Tierbezeichnungen zur, meist negativen, Charakterisierung eines Menschen: Die dumme Gans oder blöde Kuh, der sture Ochs, das Rindviech, der Affe, die Sau, der "Saubär". Um die lange, dürre Gestalt eines Menschen zu erläutern, nimmt man den Vergleich des Gartenzaunes, wenn jemand "zaundürr" der "zaunlattendürr" daherkommt. Während der Dialekt für einen rundlichen Menschen wieder das Schwein bemüht, wenn jemand "fett ist wie eine Sau".

Drastisch kann schließlich die Beschreibung des Äußeren einer weiblichen Person ausfallen, wenn sie etwa einen "Oasch wej ã Braueraigàl hod" oder "Duttn, wej a bäimische Kintsmoad". Wobei heute weder das Eine noch das Andere in Gebrauch ist. Wenn jemand stark schwitzt, dann wird ebenfalls das Pferd bemüht, weil er nämlich "dampft wie ein Ross".

"Rousse"

Als ich kürzlich den Kachelofen reinigte und meine Hände dabei "rousse" wurden, erinnerte ich mich an meine Mutter, die uns Buben sagte, wenn wir mit schmutzigen Händen vom Spielen kamen: "Ir hatts ja Hent wej ã Schmierfejerer", womit wohl ein Händler gemeint war, der Wagenschmiere vertrieb ("verführte") und dessen Hände wohl entsprechend aussahen. Meine temperamentvolle Nichte, die durch unser Wohnzimmer wirbelte, hat meine Mutter schließlich als "das Wüldgoich" bezeichnet. Der Vergleich besteht hier in einer Sagenerscheinung, nämlich der "Wilden Jagd". Im Hochdeutschen verwendet man wohl für ein ungestümes Mädchen eher den Begriff "Wildfang".

Begriffe aus der Werbung

Im modernen Sprachgebrauch finden heute nicht selten Begriffe und Sätze aus der Werbung Eingang und müssen für Vergleiche herhalten, wie etwa der "weiße Wirbelwind" oder "Meister Propper". Allerdings vergehen die Bilder auch wieder, wenn die Werbstrategie sich ändert oder Produkte nicht mehr beworben werden. Von den jungen Leuten versteht heute keiner mehr den Vergleich, wenn ein Choleriker in die Luft geht, wie das "HB-Männchen". So sind die Vergleiche in der Sprache, ist unsere Sprache insgesamt, ständig einem Wandel, auch der Mode, unterworfen. Gegenstände, Tätigkeiten, Vorgänge oder Berufe, die im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr bekannt sind, eignen sich irgendwann auch nicht mehr für sprachliche Vergleiche. (hw)

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Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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