Alfred Dorfer kommt am Schafferhof vom Hundertsten ins Tausendste - Gedankenspiele als Zugabe
Wortakrobat stürmt die Bühne

Alfred Dorfer gefällt es im Schafferhof. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr war er hier. Jetzt raste er wieder über die leere Bühne. Leer wohl deshalb, damit ihn nichts in seinem körperlichen und geistigen Bewegungsdrang hindert. Und der war immens.

Er kam vom Hundertsten ins Tausendste, verknüpfte Gedanken, die an und für sich nichts gemein hatten. Trockener Humor, Seitenhiebe auf anscheinend deutsche Wesensarten und Gepflogenheiten sind sein Ding. Annette Schavan, die ihren Doktortitel abgeben musste, ebenso wie zu Guttenberg. Schummeln beim Doktortitel "ist wohl akademische Folklore" bei uns. Und Schavans Doktorarbeit hatte ausgerechnet den Titel "Gewissensbildung". Gelächter im Raum.

Freches Geplauder

Der Unterschied zwischen Psychotherapie und Kabarett? Beim Psychotherapeuten erzählt man seine Probleme und zahlt dafür. "Beim Kabarett erzähle ich meine Probleme und Sie zahlen dafür." Frech und verschmitzt plaudert Dorfer weiter, erzählt die Geschichte von Odysseus aus seiner Sicht und einem fiktiven Zwiegespräch mit Homer, von dem er irgendwie zu den Germanen wechselt. Gedanken und Pointen im rasenden Wechsel. Massenmord im Vorfeld, so wie in Troja, verhindere Kriege danach, sei also eine Form von Pazifismus. Das "Hohoho"-Gelächter eines Teils des Publikums reizte ihn zu neuen Spitzen. Darauf hatte er gewartet. Wer früher deppert war, sei heute verhaltenskreativ.

Sein psychologisches Gespräch mit sich selber in vier verschiedenen Biografien, während er auf dem Klo saß, verlangt Konzentration im Zuschauerraum. Als Wirtschaftler trickst und kalkuliert er. Er hätte auch Arzt werden können, doch als Kabarettist gebe es gute Gage für wenig Arbeit. Er vergleicht Österreich mit Deutschland.

Wer kommt dabei besser weg? Unterschiedlich. In Österreich mache man Matura, in Deutschland Abitur. Matura heiße Reife, Abitur Abgang - oder "wurde abgegangen". Ob das der Grund für die Pisa-Ergebnisse sei? Fußball habe in Österreich dagegen "einen Touch von Paralympics". Selbst ein spontaner Zwischenfall kann Dorfer nicht schrecken, obwohl der nicht in seinem Programm steht. Eine Frau im Publikum hat entdeckt, dass sein pinkfarbiger Pulli unter dem linken Arm ein Loch hat. Dorfer kaspert daraufhin herum, bis das Publikum Tränen lacht. Und fährt unbeirrt weiter. Es gibt kaum Themen, die er nicht skizziert und das Publikum provoziert, das sich mehr oder minder freiwillig seinem Sarkasmus unterzieht. Jede Menge Denkanstöße, Satire, Wortakrobatik begeistern und bleiben in den Köpfen des Publikums.

Zeit läuft ab

Zugabe! Zugabe? "Denken Sie, wenn Ihnen ein Installateur das Bad richtet, dass er als Zugabe noch die Waschmaschine repariert, wenn Sie nur fest klatschen?" Er stellt ein Metronom auf und lässt im regelmäßigen "Ticktack" Hintergrundmusik laufen. Ungerührt, schelmisch. "Die Zeit vergeht", sinniert er. Lässt den Gedanken freien Lauf.

"Wenn wir alle unsere Pension erleben würden, säßen Versicherungen nicht in Glaspalästen. 8000 Meter hoch steigen ohne Sauerstoffflasche - langweilig. 8000 Meter tief tauchen ohne Sauerstoffflasche - schon eher." Er packt sein Metronom ein und verlässt unter begeistertem Applaus die Bühne.
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