"Alle brauchen mehr Geld"

Gute Stimmung, Zuversicht und ein gewaltiges Zeichen: So lässt sich der Ausstand der Stationierungskräfte in Grafenwöhr zusammenfassen. Die Verantwortlichen sehen den Streiktag als zuversichtliches Zeichen für die Verhandlungen, die am heutigen Dienstag in Bonn starten.

Grafenwöhr. (esc) Gut 800 Mitarbeiter der bayerischen Standorte der amerikanischen Stationierungsstreitkräfte Grafenwöhr, Vilseck, Hohenfels, Ansbach, Illesheim und Garmisch-Partenkirchen kamen nach Polizeiangaben am Montag zu einem Warnstreik zusammen. "Wir sind sehr zufrieden mit der Teilnahme", resümiert Dirk Stockfisch, Gewerkschaftssekretär von Verdi Oberpfalz.

Selbst aus Sonthofen seien viele zivile Beschäftigte der britischen Armee angereist, um beim Warnstreik dabei zu sein. "Sie waren fünf Stunden mit dem Bus unterwegs", weiß Stockfisch. Auch die Teilnahme aus der Oberpfalz sei enorm gewesen. "Die Stimmung war gut, es ist bei allen gut angekommen", beschreibt der Gewerkschaftssekretär die Stimmung auf den Straßen und im "Streiklokal", der Stadthalle Grafenwöhr. "Es ist ein großes Zeichen, dass die Kollegen sich nicht verarschen lassen", fasst Stockfisch zusammen. "Sie zeigen damit: 'Wir sind es uns wert.'"

Bereits um 9.30 Uhr trafen sich die Teilnehmer vor der Wache 3 in Grafenwöhr, um zum gemeinsamen Streikzug durch die Neue-Amberger. Straße zu starten. Etwa eine Stunde waren sie unterwegs. In der Stadthalle sprach Hauptredner Tobias Schürmann von der Verdi-Bundesverwaltung. Er ist Verhandlungsführer bei den Tarifverhandlungen der Stationierungsstreitkräfte, die am heutigen Dienstag und am morgigen Mittwoch in Bonn anstehen. Auch er hat die hohe Teilnahme als sehr starkes Zeichen gewertet. "Er nimmt es auf jeden Fall mit", weiß Gewerkschaftssekretär Stockfisch.

Als gutes Zeichen wertet Stockfisch das Wetter vom Montag: "Genau als wir losmarschiert sind, ist die Sonne rausgekommen." Ein Omen, das die Verantwortlichen optimistisch in die Verhandlungen treten lässt

Die zweite Runde der Tarifverhandlungen für die rund 17 000 Zivilbeschäftigten der Stationierungsstreitkräfte in Deutschland hatte Ende September in Mainz ein für Verdi nicht akzeptables Angebot gebracht: Die Löhne und Gehälter sollten lediglich um 1,3 Prozent erhöht werden. "Für die zivilen Arbeitnehmer bedeutet dies eine nochmalige Abkoppelung von der allgemeinen Lohnentwicklung", stellte Karlheinz Winter, stellvertretender Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, schon im Vorfeld klar. "Die Arbeitgeber verweigern den von Verdi geforderten Festbetrag für alle - ohne Begründung, erzählen von Haushaltsdefiziten, obwohl die Kassen nach den Wechselkursgewinnen dick gefüllt sind!", kritisiert Winter die "Märchenstunde" der Streitkräfte.

"Die Abstände in den Tabellen sind groß genug, aber alle brauchen mehr Geld", unterstrich auch Wolfgang Dagner (Vorsitzender der Verdi-Fachgruppe SSK) die Berechtigung der Forderung nach einer einheitlichen Erhöhung von 120 Euro für alle schon vor dem Streik in Grafenwöhr. "Wir bei den Streitkräften sind nicht weniger wert als andere Beschäftigte - mit unserer Forderung halten wir Anschluss, zum Beispiel an die Zivilbeschäftigten bei der Bundeswehr. Das war heute ein sehr starkes Signal für die morgigen Verhandlungen", sagt der Gewerkschafter.
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