Alle Wetter-Daten und -Fakten sowie eine durchaus gemischte Bilanz
Ein Sommer mit Rekorden

Ein trostloser Anblick: Der Haidweiher bei Amberg schrumpft. Hohe Temperaturen und wenig Niederschläge lassen den Wasserpegel dramatisch sinken. Der Wasserski-Club hat bereits vor Wochen sein Training eingestellt - mit Bedauern. Sogar die Deutsche Meisterschaft wäre hier ausgetragen worden. Bild: Hartl
 
In diesem Sommer heiß begehrt: eine kalte Dusche wie hier im Weidener Schätzlerbad. Bild: Hartl

Dieser Sommer war wirklich "sehr groß". Vier Wochen lang steigt das Thermometer über die 30-Grad-Marke. Die hügelige Oberpfalz gleicht bei den Temperaturen der italienischen Toskana - die Landschaft wirkt genauso ausgebrannt.

"Es war ein Sommer mit Rekorden, aber kein Rekordsommer", sagt NT/AZ-Wetterexperte Andy Neumaier. Einige Messstationen vermelden zwar zahlreiche Allzeithochs, "aber in den drei Monaten Juni-Juli-August lag das Temperatur-Mittel noch unter den Sommern 2003 und 2006", meint Neumaier, der für unsere Zeitung fleißig recherchiert hat (siehe Grafik).

Zum meteorologischen Herbstanfang am 1. September zieht auch die Redaktion eine Art Bilanz dieses außergewöhnlichen Sommers.



Die Gewinner

Freiluft-Theater: Leichte Bluse statt Wolldecke und Fleecejacke bei den abendlichen Vorstellungen - von einer "sehr gut verkauften Saison" berichten Luisenburg-Festspiele bis zu "Paschern". Schönsees Bürgermeisterin Birgit Höcherl schwärmt vom "besten Wetter überhaupt" und von insgesamt 700 mehr verkauften Eintrittskarten.


Sport- und Einzelhandelsgeschäfte mit Bademoden und leichter Sommerkleidung: "Bikini, Badehosen, Shorts, T-Shirts und Schuhe wie Flipflops waren im Juli und August der absolute Renner", erzählt Inhaber Christian Fehr vom Sporthaus Fehr in Weiden.

Mineralwasser-Hersteller: Rund 500 000 Abfüllungen am Tag bewerkstelligt Kondrauer bei Waldsassen - gegenüber 200 000 im Frühjahr und im Herbst.

Grillfleisch und Bratwürste: "Diese Klassiker haben Hochkonjunktur", berichtet Metzgermeister Johannes Lotter aus Sulzbach-Rosenberg. Aber bei nur 25 Grad sei der Appetit noch größer als bei 35 Grad ...

Nachrüstung von Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen: Über eine kleine "Sonderkonjunktur" - in einer Nische - freut sich der Geschäftsführer des Autohauses Widmann (Amberg, Weiden, Wackersdorf), Markus Bauer. Trucker-Lkw erhalten nachträglich sogenannte "Stand-Klimaanlagen" für eine kühlere Nachtruhe. Bauer: "Bei unausgeschlafenen Lkw-Fahrern ist das Risiko deutlich höher." Freibäder und Badeseen: Von der "stärksten Saison seit Jahren" sprechen die Bademeister im gesamten Verbreitungsgebiet von NT/AZ.

Unter die "sonstigen Gewinner" fallen Eisdielen, Biergärten, Restaurants/Cafés mit Terrasse, Baumärkte mit Ventilatoren und mobilen Klimaanlagen. Besitzer von Photovoltaikanlagen und all jene (beneidenswerten!) Menschen, die die heißen Tage und lauen Nächte in vollen Zügen genießen konnten, dürfen sich ebenfalls glücklich schätzen.

Die Verlierer

Der Wald: Der Erdboden ist inzwischen bis in eine Tiefe von über einem Meter weitgehend ausgetrocknet. "Alle Bäume und Gehölze, die nicht tiefer wurzeln, haben ein akutes Wasserproblem", beobachtet der Leiter des Staatlichen Forstbetriebs in Schnaittenbach, Reinhard Lenz. Die jüngsten Regenfälle seien nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Lenz rechnet vor, dass seit Herbst 2014 das Niederschlags-Defizit 300 bis 350 Liter pro Quadratmeter beträgt. "Die Natur braucht bei normaler Witterung mindestens ein bis zwei Jahre zum Aufholen." Hoffnung legt der Forstexperte in das Jahr 2016, "denn alle Knospen der Bäume sind bereits fertig ausgelegt und ausgereift".


Die Landwirtschaft: Während die Getreideernte meist noch "durchschnittlich" ausfällt, stellt Franz Kustner (Ehenfeld) beim Mais und bei den späten Kartoffelsorten Einbußen um bis zu 50 Prozent fest. "Vor allem im Landkreis Schwandorf schaut es brutal aus." Der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) weist darauf hin, dass es seit dem Spätherbst 2014 viel zu trocken ist. "Aber wir leben halt mit der Natur."


Schwammerl-Sucher: Das "Wüstenklima" macht die Wälder nahezu Pilz-frei. "Unsere Wälder sind derzeit hochgradig Hitze-geschädigt und die Myzelien (unsichtbares Geflecht im Boden) beleidigt", sagt Pilzexperte Norbert Griesbacher. Lediglich Boviste und Wiesenchampignons finden sich vereinzelt in feuchten Wiesen.

Mücken: Weil der Regen ausbleibt, trocknen die meisten Pfützen, Wasserlachen und selbst die größeren Pfuhle aus. Weil somit die Möglichkeit zur Larven-Ausbildung fehlt, machen die Mücken ab Mitte Juli "die Fliege".

Grundwasser, Flüsse, Weiher: Mit wenigen Ausnahmen (Abschnitte der Haidenaab und Vils) vermelden die Pegel für die Oberpfälzer Flüsse einen "sehr niedrigen" Wasserstand. Dagegen bewegen sich die Temperaturen in den Flüssen - nach Rekordwerten Anfang August - wieder im Normalbereich. Die Grundwasserstände weisen neue "Niedrigstwerte" aus und auch die Quellschüttungen sind "sehr niedrig". "Viele Messstellen vermelden immer noch sinkende oder auf niedrigem Niveau verweilende Grundwasserstände."

Bei den "sonstigen Verlierern" sehen wir Fischzüchter (vor allem für Saiblinge und Forellen), Sonnenstudios/Solarien, Autofahrer ohne Klimaanlage und all jene Menschen, denen die hohen Temperaturen gesundheitlich zusetzen.
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