Alois Völkl hat das aus Wrackteilen eines US-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg gebaute ...
"Geschenk des Himmels"

Alois Völkl hat das aus Wrackteilen eines US-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg gebaute Sägegatter jahrelang gehegt und gepflegt. Es ist voll funktionsfähig. Bild: fjo

Alois Völkl war drei Jahre alt, als am 25. April 1945 hinter dem Wohnhaus seiner Eltern ein Kampfjet auftauchte. Zwischen den Baumwipfeln und der Maschine waren es nur wenige Meter. Der Jet explodierte in der Luft. Das Wrack schlug unweit des Nachbarortes Hagendorf in einer Waldlichtung auf.

Am Tag zuvor übergab Bürgermeister Adam Schmucker Waidhaus an die amerikanischen Truppen. Mit den Jahrzehnten verblasste die Erinnerung bei Völkl zwar, doch los ließ ihn die Verbindung dazu auch nach 70 Jahren nicht. Viel zu sehr war sein weiterer Lebensweg immer wieder mit diesem Vorfall verbunden - und erst jüngst wieder in diesen Tagen.

Gezielter Angriff

Viele Jahrzehnte mussten ins Land ziehen, bevor ihm nun jemand sagte, der Absturz des amerikanischen Bombers sei nicht nur der letzte auf deutschem Gebiet gewesen, sondern auch einer der bedeutendsten. Heute weiß er, dass die Amerikaner an diesem Tag mit 300 Flugzeugen einen gezielten Angriff gegen die Skoda-Werke in Pilsen flogen, um dem dort vermuteten Panzerbau einen herben Vernichtungsschlag zu versetzen.

Die in Böhmen noch eifrig agierenden deutschen Truppen hatten davon aber Wind bekommen und mit kräftigem Flakfeuer 10 Bomber zum Absturz gebracht, die meisten davon zwischen Pilsen und Tachau. Ob er selbst in den Folgetagen an der Absturzstelle bei Hagendorf war, weiß Völkl nicht mehr. Gut kann er sich hingegen an die sechseckigen Brandbomben und Bombentrichter erinnern, die an der Grenze zum eigenen Waldstück am Mitterberg lagen. Vor allem wegen der mahnenden Worte der Eltern: Ja nichts anzufassen und einen großen Bogen darum zu machen. Das allein wäre es sicher noch nicht wert, diese Geschichte wieder aufzugreifen; hätte nicht Völkls Onkel Josef das Wrack als "Geschenk des Himmels" erkannt.

Wasserturbine gebaut

Der 1903 Geborene holte sich zuerst die Lichtmaschine auf den elterlichen Hof, später die Propeller, aus denen er eine Wasserturbine baute. Beides zusammen sorgte schon wenig später für elektrisches Licht im ganzen Anwesen. Weit und breit blieb dies für lange Zeit ein Novum nach dem Zweiten Weltkrieg. Um die Turbine anzutreiben, musste ein Standort in einiger Entfernung des Bauernhofs verwirklicht werden. Viele Jahre stand das eigens für die Nutzung der Wasserkraft erbaute Häusl am südlichen Ortseingang, auch noch als der Onkel 1979 tödlich verunglückte.

Ein aus der Waldabteilung "Kaltloh" zum Raunetsbach hinführender Graben lieferte die Grundlage und ein dazu errichteter Stauweiher. Beim Licht allein ließ es Onkel Josef aber nicht bewenden. Aus weiteren Teilen, die er nach und nach bergen konnte, bevor die Amerikaner den Torso mittels Schwertransporter abholten, glückte der Eigenbau eines vollständigen Sägegatters. Mühsam musste alles von Hand gebohrt und gesägt werden, erinnert sich Alois Völkl. Doch Hauptsache, Material war vorhanden: Kugellager oder die beiden Scheiben des Sternmotors zum Beispiel und andere hochwertige Bauteile. Sogar einer der Fallschirme, mit denen sich nach seiner Kenntnis vier Besatzungsmitglieder retten konnten, kam auf den Hof. Mama Josefine und eine Tante nähten daraus hochwertige Kleidung.

An Geschichte teilhaben

Als die Aufgabe der Landwirtschaft und der Eintritt in den Ruhestand für ihn immer näher rückten, ließ ihn das vor sich hindarbende Sägegatter keine Ruhe mehr. Zumindest seine Urlaubsgäste und die Besucher der mit Ehefrau Teresita betriebenen Gaststätte sollten an der Geschichte teilhaben können. So ging der ehemalige Landwirt an den Aufbau des Gatters und bewerkstelligt fachmännisch die erneute Inbetriebnahme. Weil es das Turbinenhäuschen nicht mehr gab, gelang ihm der Umbau durch Einsatz eines elektrischen Langsamläufer-Motors. Sogar Bäume lassen sich damit nun wieder in Bretter schneiden.
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