Als Hermann Gerland auf die Suche nach Mariechen ging

Sein Platz auf der Bank des FC Bayern München ist direkt neben Pep Guardiola und Matthias Sammer. Diese Position nimmt Hermann Gerland nicht unverdient ein. Der heuer im Juni 60 Jahre alt gewordene Co-Trainer des Münchner Traditionsvereins spielte einst für den VfL Bochum, dann wechselte er ins Übungsleiterfach, wurde Coach bei Clubs wie dem 1. FC Nürnberg, Arminia Bielefeld und Tennis Borussia Berlin. Ihm wird die Entdeckerrolle zahlreicher Nachwuchsspieler zugeschrieben. Unter ihnen Fußballweltmeister Thomas Müller.

An einem trüben Oktobertag des Jahres 1989 machte sich Hermann Gerland von Nürnberg aus auf den Weg in die Oberpfalz. "Ich hatte Mariechen versprochen, ihr zu helfen", sagt er heute. Mariechen? Es handelte sich um Gerlands Cousine, die samt Ehemann und Tochter aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet war. Der damalige Cheftrainer des FCN wusste: "Sie konnten nur in Nabburg, Schwandorf oder Oberviechtach sein."

Nabburg? Fehlanzeige. Schwandorf? Auch dort keine Spur von Mariechen. Also auf nach Oberviechtach, wo sich zu diesem Zeitpunkt 300 Männer, Frauen und Kinder aus der DDR befanden. 90 Minuten vor Mitternacht traf Hermann Gerland in der Grenzlandkaserne ein, wurde von Feldwebel Josef Klier geführt. Klier, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Teunz, und Gerland klapperten die Unterkünfte ab. Siehe da: In einem der Räume schlummerten Cousine Mariechen, deren Mann und beider Tochter. Sie hatten einen langen Weg zurücklegen müssen.

"Große Freude", erinnert sich Hermann Gerland und weiß bis heute, "dass wir dort nicht mehr übernachtet haben". Die dreiköpfige Familie wurde samt Gepäck ins Auto verfrachtet und mitgenommen nach Nürnberg. Dort bot ihnen der Club-Trainer ein Quartier in seiner Wohnung an, schaute sich unverzüglich nach Arbeit für seine Verwandten aus dem Osten Deutschlands um. Auch das war für ihn kein größeres Problem. "Es gab freie Stellen in einer Klempnerei und in einer Lebkuchenfabrik."

1990 wechselte Hermann Gerland nach München, wurde Coach der FCB-Amateure. Cousine Mariechen zog mit ihren Angehörigen nach Bochum und damit in eine Stadt, aus der die Gerlands stammten. Sie wohnen bis heute dort und der Kontakt zwischen Cousin Hermann und Cousine Mariechen ist nie abgerissen.

Die Stunden, in denen er auf die Suche nach seinen Verwandten ging, sind Hermann Gerland unvergesslich. In Oberviechtach hatte ihn zunächst auch der Feldwebel Josef Klier nicht erkannt. Bis ein junger Mann aus der DDR den spätabends eingetroffenen Gast lange anblickte und dann sagte: "Das ist der Gerland. Er trainiert den FC Nürnberg." (hou)
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