Als Siebeneichen noch einen eigenen Kaplan hatte
Das Kirchenportal im Gemüsegarten

Das Portal der Kapelle St. Barbara in Siebeneichen ist noch erhalten. 1814 wurde die Kirche in ein Wohnhaus umgebaut. Bild: Hartl
Zwischen Schnittlauch und Erdbeeren spannt sich der Torbogen zur altehrwürdigen Kapelle St. Barbara in Siebeneichen. Route 4 des Simultankirchenradwegs führt an dem sagenumwobenen ehemaligen Gotteshaus vorbei. Die Kirche ist längst in Wohnzimmer, Küche und Bad aufgeteilt. Die Kapelle, die mehr als fünf Jahrhunderte überdauert hatte, ist 1814 unter großem Protest der Bevölkerung versteigert und in ein Wohnhaus umgebaut worden.

Historiker sind überzeugt, dass die im Portal eingemeißelte Jahreszahl 1390 nicht das Erbauungsjahr sein kann. Der romanische Baustil lässt vielmehr darauf schließen, dass die Kapelle mindestens aus dem 11. Jahrhundert stammt. Der Sage nach sollen unter der Bodenplatte zwei Grafensöhne beerdigt sein.

Die Kapelle St. Barbara war, genauso wie das Gotteshaus in Rosenberg, eine Filialkirche der Pfarrei Ammerthal. Um die Kaplan-Stelle in Siebeneichen wurde seit dem Mittelalter zwischen dem Pfarrer von Ammerthal und dem Stadtrat von Sulzbach gestritten, das belegen zahlreiche Quellen. Kein Wunder, ging es doch um beachtliche Pfründe: Siebeneichen war durch den Bergbau ein bedeutendes wohlhabendes Dorf mit eigenständiger Gerichtsstätte und vor allem Zollstation. Der Streit wurde sogar bis nach Rom getragen, so dass sich im Sulzbach-Rosenberger Stadtarchiv heute noch eine Papsturkunde darüber befindet.

Sogar mit Orgel

Die Kapelle war siebeneinhalb Meter breit, insgesamt 13,5 Meter lang und fasste zwölf Bankreihen. Der Hochaltar mit einem Bild der Heiligen Barbara war der ursprüngliche Altar der Annaberg-Kirche. Die Kapelle hatte auch eine Empore und eine Orgel. 1600 kam Siebeneichen zur Pfarrei Sulzbach. Ab diesem Jahr fand kein regelmäßiger Gottesdienst in Siebeneichen mehr statt. Ab dem 17. Jahrhundert wurden nur noch vereinzelt Messfeiern abgehalten, um 1800 wurde die Kapelle als "baufällig und entbehrlich" eingestuft.
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