Altar vom Dachboden geholt

Der Marienaltar stammt aus der ehemaligen Simultankirche St. Georg am Marktplatz. Er ist das Glanzstück der Michaeliskirche.

Vor 50 Jahren weihten die katholischen Christen in Königstein ihre Kirche St. Michael ein. Dieses Jubiläum feiern sie am Sonntag, 28. Juni. Zum Festgottesdienst um 9.30 Uhr kommen unter anderem der ehemalige Eichstätter Bischof Dr. Walter Mixa, Dekan Elmar Spöttle aus Habsberg und der ehemalige Ortspfarrer Andreas Hanke.

300 Jahre lang gehörte die Königsteiner St.-Georgskirche zu gleichen Teilen der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Dieses Simultaneum entstand nicht aus freien Stücken; es wurde "von oben angeordnet". Aus dem erzwungenen Miteinander resultierten manche unschönen Reibereien, und beide Seiten dachten darüber nach, die Verbindung zu lösen.

Ablösesumme bezahlt

1963 beschloss die katholische Pfarrgemeinde, ein eigenes Gotteshaus zu bauen. Von der evangelischen Kirche ließ sie sich eine Ablösesumme von 70 000 Mark auszahlen. Am 27. Juni 1965 war es dann soweit: Die neue Kirche, die den Namen des Erzengels Michael bekam, wurde vom Eichstätter Bischof Dr. Joseph Schröffer eingeweiht. Beide Konfessionen freuten sich an diesem Tag.

Der evangelische Pfarrer Karl Müller schrieb ins Kirchenbuch: "Jeder hat jetzt sein eignes Reich und kann das gottesdienstliche Leben gestalten, wie es notwendig ist." Der katholische Geistliche Wilhelm Götz sah es ähnlich: "Für beide Teile kann sich durch die Lösung des Simultaneums und den Bau der neuen Kirche das Gemeindeleben aufwärts entwickeln und beleben."

Die Kirche wurde aus Naturstein, Holz und Beton gebaut. Der Nürnberger Architekt Peter Leonhardt fertigte die Entwürfe. Die Giebelwände aus unverputzten und unverfugten Bruchsteinen sollen an mittelalterliche Wehrkirchen erinnern. Im Altarraum sind Priestersitz und Volksaltar mit Blick auf die Gläubigen hin platziert. An den Seitenwänden entfalten kleine farbige Fenster, besonders bei Sonnenschein, eine eindrucksvolle Leuchtkraft. Bilder zeigen an der westlichen Seitenmauer Szenen des Alten und Neuen Testaments; an der östlichen Seite den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen.

Eine mehr als 500 Jahre alte gotische Marienfigur nahmen die Katholiken zunächst als einziges Zierstück aus der alten Simultankirche mit nach St. Michael. Zwar wurden in St. Georg auch die Seitenaltäre, der Kreuzweg und die Heiligenfiguren abgebaut, passten aber stilmäßig nicht in die moderne Kirche. So lagerte sie der damalige Pfarrer auf dem Dachboden im Pfarrhaus ein.

Wertvolle Entdeckung

20 Jahre später entdeckte einer seiner Nachfolger, Pfarrer Albert Beyer, den Marienaltar wieder. Er erkannte in ihm einen sehr wertvollen barocken Akanthusaltar des Auerbacher Künstlers Johann Michael Doser. Beyer ließ ihn restaurieren und 1985 im Altarraum der Kirche anbringen. Das untere Teil nutzen die Katholiken in Fürnried als rollenden Volksaltar. Den zweiten Seitenaltar St. Sebastian übergab Pfarrer Beyer dem Sulzbach-Rosenberger Stadtmuseum, wo er als Glanzstück der Ausstellung "Religiöses Leben im Sulzbacher Land" zu besichtigen ist.

Eine Besonderheit in der Michaeliskirche stellt das Turmuntergeschoss dar. Dort gibt es einen Beichtstuhl, das Weihwasserbecken und den Taufstein sowie ein Glasfenster des Patrons. Es zeigt den Erzengel Michael im Kampf gegen den Drachen. Vier Glocken rufen die Gläubigen zur Messe.
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