Alternde Gesellschaft als Herausforderung

Architekt Klaus Stiefler, Bürgermeister Peter Lehr und Michael John vom Basisinstitut für soziale Planung (von links) gestalteten die "kleine Bürgerversammlung" zum Stadtentwicklungskonzept. Bild: rn

"Wie weit sind wir gekommen?" Das wollten die beiden am Stadtentwicklungskonzept beteiligten Planer Michael John und Klaus Stiefler in der "kleinen Bürgerversammlung" aufzeigten. Doch in der Aula der Markus-Gottwalt-Schule erklang auch Zukunftsmusik.

Die Arbeiten am Stadtentwicklungskonzept gehen voran. Die Ergebnisse der mehr als einjährigen Arbeit für eine Sozialraumanalyse stellten Michael John vom Basisinstitut für soziale Planung und Städteplaner Klaus Stiefler vor. Nach vielen Zusammenkünften und Gesprächen der Arbeitskreise zogen sie Bilanz dessen, was Bürger dazu erarbeitet haben.

John ging zunächst auf die Bürgerbefragung ein. Als "positive Veränderungen" seien dabei die Sanierung von Altstadt und Straßen sowie der Rußweiher genannt worden. Zu den Stärken zählten des Weiteren Schulen, Arbeitsplätze und Industrie, Sport, Freizeit und Stadtbild. Negativ wurden der Wegfall des Krankenhauses und der Rückzug von Geschäften und Gastronomie beurteilt.

Das Wanderungssaldo für die Jahre 2009 bis 2012 enthielt 1010 Zuzüge und 1200 Wegzüge. Und, wie auch andernorts: "Wir haben wesentlich mehr Todesfälle als Geburten." Ein mit einem hohen Bildungsabschluss verbundener Wegzug müsse nicht sein: "Man hat auch mit Studium in Eschenbach eine Chance."

Unter die 3000er Marke

Jedoch habe eine ganze Generation nur zwei Drittel der Kinder "eingebracht", die erforderlich gewesen wären, um den Bevölkerungsstand zu halten. John sah folglich einen Rückgang der Einwohnerzahl auf unter 3000 in den nächsten 50 Jahren voraus. Dies werde auch Auswirkung auf die Schulen haben. Es werde ein Nachdenken über andere Schulformen geben müssen.

Hinzu komme, dass man sich als erste Generation der Menschheitsgeschichte mit einem massiven Anteil älterer Menschen zu befassen habe: "Die Zahl der Über-85-Jährigen wird sich in einigen Jahrzehnten verdreifachen" - eine "riesige Anforderung an das Pflegepersonal und eine Herausforderung für die Gesellschaft".

Die Ergebnisse der Arbeitskreise fußten überwiegend auf der sich abzeichnenden künftigen Bevölkerungsstruktur. Es ging um bürgerschaftliches Engagement in Form der Kleinen Dienste, versorgungsgerechte Optionen für die ältere Generation mit altersgerechten Angeboten im Stadtkern, Risiken durch Abwanderung und leerstehende Wohnungen in der Innenstadt.

Zu den Lösungsansätzen des Arbeitskreises "Ältere Generation" zählten auch barrierefreies Wohnen mit Anschluss an eine Seniorengemeinschaft. In einem zentral gelegenen Mehrgenerationenhaus und -treff sah John zugleich eine Belebung des Ortskerns. Die Schaffung eines regionalen Mitfahrsystems und "bürgerschaftliche Fahrdienste durch strukturierte Nachbarschaftshilfe" waren weitere Denkanstöße.

Ideen schwer umsetzbar

"Kaum Treffpunkte", kritisiert John für den Arbeitskreis "Jugend". Dessen Wünsche seien die Weiterführung des Jugendwettbewerbs und ein Jugendtreff mit regelmäßigen Aktionen. Einen größeren Veranstaltungsraum vermisste der Arbeitskreis "Kultur". Er regte an, die Nutzungsregelung für das Malzhaus zu überdenken und eine verstärkte Kooperation der Musikschule mit den Schulen anzustreben. Synergieeffekte zwischen Bürgertreff, Volkshochschule, Musikschule und Stadtbibliothek sollten genutzt werden.

"Die Lebensmittelversorgung im Ortskern ist nicht gewährleistet." Diese Kritik verband der Arbeitskreis "Wirtschaft/Handel" mit Ideen, die der Planer jedoch für schwer umsetzbar hielt: Hofladen, Wochenmarkt, Kommunbräu. Zum Vorschlag, einige Parkplätze am Stadtplatz zur Außenbewirtschaftung zu nutzen, erklärte er: "Wir sind dran und hoffen auf eine gute Entwicklung."
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