Alwin Märkl (CSU) über seinen Lernprozess als Bürgermeister von Freudenberg
"Ich hoffe, das hört nie auf"

Ich stelle mir keinen Wecker mehr.
Es ist kein kleiner Schritt vom Chef einer als Familienbetrieb geführten Brauerei zum Chef einer Gemeinde. Alwin Märkl (51) hat ihn in Freudenberg gewagt und dadurch sogar ein Stück Lebensqualität dazugewonnen, wie er im Interview nach einem Jahr Amtszeit verrät.

Herr Märkl, was hat sich denn mit dem Bürgermeisteramt in Ihrem Leben verändert?

Märkl: Ich stelle mir keinen Wecker mehr. Es reicht, mit den Kindern um 6 Uhr aufzustehen. Da bleibt dann sogar noch Zeit für eine Tasse Tee und um die Zeitung durchzublättern. Die Abendtermine hingegen haben deutlich zugenommen, was sicherlich der großartigen Vielfalt unserer Vereine, Feuerwehren und Organisationen geschuldet ist.

Was sagt die Familie dazu?

Märkl: Durch meinen früheren Beruf war ich ohnehin schon viel unterwegs. Die Kinder kennen es eigentlich nicht anders. Die gemeinsamen Momente versuchen wir dann allerdings auch miteinander zu gestalten.

Von wem oder wodurch haben Sie in diesem Jahr am meisten gelernt?

Märkl: Da gab es kein Schlüsselereignis. Bei jedem Gespräch lernt man dazu. Sei es mit Bürgern, mit unserem Team hier im Gemeindezentrum, mit unseren Geistlichen, mit Kollegen und auch mit Mitarbeitern anderer Verwaltungen. Und ich hoffe, das hört nie auf.

Welche Ihrer neuen Pflichten fallen Ihnen denn schwer?

Märkl: Ich versuche, mich in den Menschen, der mit mir spricht, hineinzuversetzen. Ich möchte die Hintergründe für seine Wünsche, seine Anliegen verstehen. Das ist nicht immer einfach - und alle Wünsche kann ich auch nicht erfüllen.

Worüber haben Sie sich im ersten Amtsjahr besonders gefreut?

Märkl: Es sind meist die kleinen Dinge im Alltag, die mich freuen. Wenn man Bürgern unkompliziert helfen kann oder sich nach langer Arbeit ein Weg herauskristallisiert, der für alle Beteiligten der beste ist. Ich freue mich ganz einfach auf meine Arbeit, das liegt zweifelsohne am Team, das mich umgibt. Ich freue mich aber auch auf jede Gemeinderatssitzung. Hier hilft jede Gemeinderätin und jeder Gemeinderat mit, um Lösungen für Probleme zu finden oder unseren Gestaltungsspielraum auszuschöpfen. Dieses Miteinander ist geprägt von Respekt. Wir arbeiten auf Augenhöhe und häufig sogar freundschaftlich und ausnahmslos ziel- und lösungsorientiert. Da macht das Arbeiten Spaß.

Die Windkraft hat in diesem Jahr in Freudenberg wieder für Diskussionen gesorgt. Wie stehen Sie denn grundsätzlich zu diesem Thema?

Märkl: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir den Pfad der erneuerbaren Energien weiter ausbauen müssen, aber nicht mit Biegen und Brechen. Es muss ein Mix aus allen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen werden, der Sonne, dem Wind und dem Wasser. Am besten im Einklang mit den Menschen, der Natur und der Umwelt. Wir werden allerdings nicht ohne Energie aus konventionellen Kraftwerken, zum Beispiel aus Gas oder Kohle auskommen, wenn wir unseren hohen Standard rund um die Uhr halten wollen.
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