Amberg-Sulzbach.
Mit dem Sucherl in die Gaststube

Bild: dpa
(upl) Vom Dawara bis zum Biwerl: Beim Taubenmarkt gab es früher alles, was der Bauer für seinen Hof noch brauchte. Die Zeit bis zum Frühlingsbeginn nutzten die Leute draußen auf den Dörfern, um Kleintiermärkte zu besuchen. Da saß dann der Dawara (Täuberich) geduldig gurrend vor seinem Damkowl (Taubenschlag)und ließ sich vom kauflustigen Publikum begutachten.

Landläufig war vom Dam-Moakt die Rede, obwohl es bei den Märkten nicht nur Tauben, sondern sämtliche für die Landwirtschaft bedeutenden Kleintiere zu kaufen gab. Hier meckerten ein paar Häpperla (Ziegen) herum, dort blökte ein Betzerl (Lämmchen). Auch Wuserla (Gänsejunge) und Biwerla (Küken) hatten die Händler im Angebot. Und stark vertreten war auch eine andere Spezies: die der Hoserer (Hasenzüchter). Sie hatten neben Belgischen Riesen und Englischen Widdern oft auch ein paar Kinehosn (Kaninchen) dabei.

Zu einem mustergültigen Besuch eines Taubenmarktes gehörte natürlich die Einkehr in einem Wirtshaus, wo gegen Ende des Marktes Tiere sogar versteigert wurden. Nicht selten führte ein gut aufgelegter Auktionator ein Sucherl (Ferkel) durch die Gaststube, damit sich jeder Interessierte ein Bild von diesem Prachtstück machen konnte. Hochgehalten wird die Taubenmarkt-Tradition übrigens in der Stadt Pfreimd (Kreis Schwandorf) . Hunderte Kleintierfreunde bevölkerten zuletzt am Aschermittwoch den Marktplatz dort.

Klassische Großviehmärkte gibt es im Amberger Raum nicht mehr. Keine Gelegenheit also, in geselliger Runde ein Zöichkaiwl (weibliches Kälbchen), ein Stöiarl (männliches Pendant) oder einen Hampagaal (Pferd) zu erstehen. In Amberg weisen noch mehrere Straßennamen auf die Tier-Auktionen hin: der Roßmarkt zum Beispiel oder der Viehmarkt
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)WebSpecial (6724)