André Chéron
Kalenderblatt

Wohl die meisten Schachspieler haben den Namen "André Chéron" schon einmal gehört, dessen Geburtstag sich am 25. September zum 120. Mal jährt und der am 12. September 1980 verstarb. Chéron war ein französischer Schachmeister. Als Koryphäe am Brett errang er 1926, 1927 und 1929 die französische Meisterschaft und ist durch Siege bei Turnieren 1927 in London und 1928 in Den Haag auch international in Erscheinung getreten ist.

Seine Berühmtheit erlangte Chéron jedoch als ausgewiesener Endspielexperte. Über den Wert des Endspiel-Studiums gibt es keinen Zweifel. Nicht nur der 3. Weltmeister der Schachgeschichte, der Kubaner Josè Raul Capablanca, befand: "Um sich im Schach zu vervollkommnen, muss man vor allen Dingen Endspiele studieren."

Zum Glück für die Schachwelt wurde Chéron schwer lungenkrank und lebte zwanzig Jahre lang in einem Schweizer Sanatorium. In dieser Zeit verfasste er sein einzigartiges, vierbändiges Endspielwerk, das auch ins Deutsche übersetzte "Lehr- und Handbuch der Endspiele".

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Elf Publikationen

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Die Ausgabe enthält 2336 systematisch geordnete, gründlich und vollständig untersuchte Endspiele. Es ist das Standardwerk der Endspiele schlechthin. 100 der von ihm komponierten 400 Studien sind in die Werke eingearbeitet. Insgesamt verfasste Chéron zwischen 1923 und 1970 elf Publikationen.

Nicht Alltägliches geschieht in der nachfolgenden Partie zweier Super-GM, die vor kurzem beim traditionsreichen Bieler Schachfestival gespielt wurde. Wann kann man schon auf diesem Niveau einen Königsmarsch über das ganze Brett bestaunen?

Weiß: David Navara

Schwarz: Radoslav Wojtaszek

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 e5 7.Sb3 Le6 8.h3 Le7 9.g4 d5 10.exd5 Sxd5 11.Lg2 Sxe3 12.Dxd8+ Lxd8 13.fxe3 Lh4+ 14.Kf1 Sc6 15.Sc5 Lc4+ 16.Kg1 0-0-0 17.b3 Lg5 18.Te1 Lh4 19.Tb1 Lg5 20.Kf2 Lh4+ 21.Kf3!? e4+ 22.Kf4 g5+ 23.Kf5 The8 24.Thd1 Te5+ 25.Kf6 Tg8 26.bxc4 Tg6+ 27.Kxf7 Te7+ 28.Kf8 Tf6+ 29.Kg8 Tg6+ 30.Kh8 Tf6 31.Tf1 Lf2 32.Txf2 Txf2 33.Tf1 Txg2 34.Tf8+ Kc7 35.Sd5+ Kd6 36.Sxe7 Kxc5 37.Tf5+ Kxc4 38.Sxc6 bxc6 39.Txg5 Tg3 40.h4 h6 41.Tg6 Txe3 42.Kg7 Tg3 43.Kxh6 e3 44.Kg5 Kd5 45.Kf4 Th3 46.h5 c5 47.Tg5+ Kd4 48.Te5 1-0

Tagesnotizen: Die Position zu Taktikaufgabe Nr. 105a ist dem heute vorgestellten Buch entnommen. Die Partie wurde in der Finalrunde der Schach-Olympiade Amsterdam 1954 im Mannschaftskampf zwischen Ernö Gereben (Ungarn) und Igor Kriazer (Israel) gespielt und in der Diagrammstellung mit Schwarz am Zug remis gegeben. Dabei ist Schwarz eine Glanzpartie entgangen. Sehen Sie, wie er auf die Siegesstraße gekommen wäre?

Mit dem Vierzüger in Aufgabe Nr. 105b legt uns der Flensburger Internationale Meister für Schachkompositionen ein weiteres sehr interessantes Werk zur Begutachtung vor. Hier heißt es: "Vorsicht, Verführungen!" Scheinbar führen mehrere Wege zum Ziel, doch nur einer ist der richtige. Erkennen Sie die Absicht des Autors?

Lösungen: Die Stellung zu Taktik-aufgabe Nr. 104a (Motylev-Najer, W: Kc1, Dd7, Td1, Th2, Lf1, Bb2, c4, d3, f4, g3, h3 [11], S: Kb8, Db3, Tc8, Te3, Lb4, Ba6, b7, d4, g7, h5 [10]) kam bei der diesjährigen russischen Mannschaftsmeisterschaft im Kampf zweier Hochkaräter, dem Europameister 2014, Alexander Motylev, und dem von 2015, Evgenij Najer, aufs Brett. Gerade hatte Weiß mit 0.Se5-d7+ Sf6xd7 1.Dxd7 freiwillig seinen starken Zentralspringer abgetauscht. Motiv: Doppelangriff auf die Bauern d4 und g7. Doch Schwarz am Zug nutzte das Fehlen dieses Springers gnadenlos aus und verschaffte sich mit Linienöffnungen Zugang zum weißen König. 1...Txc4+!.

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Zwei Turmopfer

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Ein Turmopfer, das die dritte Reihe für den Turm e3 öffnet. 2.dxc4 (erzwungen, da nach 2.Kb1? mit 2...Dxd1+ ein Turm verloren geht). Nachdem die dritte Reihe geöffnet ist, lässt Schwarz als Pointe das zweite Turmopfer 2...Tc3+! folgen. Weiß ist zu 3.bxc3gezwungen (3.Kd2? Tc2#), was wiederum die Diagonale a3/c1 für den Läufer öffnet. Nach 3...La3+! (nicht 3...Dxc3+? wegen 4.Kb1 Db3+ 5.Tb2 Dxd1+ 6.Ka2 und Weiß gewinnt) gab sich Weiß geschlagen, da es nach 4.Kd2 gegen 4...Dxc3+ 5.Ke2 De3# nichts zu erfinden gibt.

Ein herrliches Doppelturmopfer des amtierenden Europameisters zwecks entscheidender Linienöffnungen.

Nach längerer Pause kam mit Aufgabe Nr. 104b (W: Ke2, Tf7, Lg7, Se3, Bd4, g5 [6], S: Ke4 [1]) wieder einmal der schwäbische Problemkomponist Dr. Thomas Woschnik, ein Mediziner aus Haldenwang, mit einem Dreizüger-Urdruck zu Wort. Das Besondere an dieser "Rex-Solus-Miniatur": Der Autor hatte zwei beabsichtigte Lösungen eingebaut. Gegenstand der beiden Lösungen ist jeweils eine "Grimshaw"-Verstellung, wie Problemisten die Verstellung der Wirkungslinie zweier gleichfarbiger Langschrittler, in unserer Aufgabe die von Turm und Läufer auf Feld f6, ohne gegnerischen Sperrstein nennen. Eine erste Stellungsanalyse zeigt, dass der schwarze König auf Patt steht. Beide beabsichtigte Lösungen müssen also das Patt aufheben.

1. Lösung: 1.Tf6!. Der Turm hebt die Pattstellung des schwarzen Königs durch Verstellung der Läuferdiagonale auf und zwingt Schwarz zu 1...Kxd4. Damit muss sich der schwarze König in die Turm/Läufer-Batterie begeben, die Weiß mit 2.Tc6+ Ke4 3.Tc4# nutzt.

2. Lösung: 1.Lf6!. Hier hebt der Läufer die Pattstellung durch Verstellung der Turmlinie auf und zwingt den schwarzen König, sich mit 1...Kf4 in die Turm/Läufer-Batterie zu begeben, die Weiß mit 2.Th7 Ke4 3.Th4#, nach 2...Kg3 mit 3.Le5# und Rahmenmatt, nutzt. Rahmenmatt deshalb, weil alle acht Fluchtfelder des schwarzen Königs frei von Figuren sind.

Ein nettes (Lösungs-)Pärchen, das eine interessante Verstellungsgeschichte erzählt!
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