Andreas Rupprecht
Meisterlich

Nun haben Amberg und die Oberpfalz endlich auch einen heimischen IM. Dem in Sulzbach-Rosenberg geborenen und in Amberg aufgewachsenen Andreas Rupprecht hat der Weltschachverband Fide im April diesen Jahres den Titel eines Internationalen Schachmeisters verliehen. Eine solche Auszeichnung hat es in der Oberpfalz bislang nicht gegeben.

Dabei verlief die Schachkarriere von Andreas Rupprecht eher ungewöhnlich. Der heute 43-jährige Konrektor der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule Amberg erlernte das Schachspiel mit sechs Jahren von seinem Vater. Gespielt hat er zunächst in der Schulschachgruppe des Max-Reger-Gymnasiums Amberg bei Herrn Ferstl. Erst mit 13 Jahren schloss er sich der Schachsparte der SG Siemens Amberg an. Als Jugendlicher konnte er bereits bei seiner ersten Teilnahme Amberger Stadtmeister werden, wobei er damalige Größen des Oberpfälzer Schachs wie Georg Böller schlug.

Bemerkenswert an Andreas Rupprecht ist, dass er IM werden konnte, ohne - aus Zeitmangel - an Schachturnieren teilzunehmen. Als Autodidakt erzielte er schachliche Fortschritte hauptsächlich über das Mannschaftsspiel. Über die Stationen DJK Regensburg, SGS Amberg und Wacker Neutraubling - dort erreichte er bereits FM-Niveau - landete er schließlich bei SC Forchheim in der 2. Bundesliga.

Gerade hier brachten ihn Analysen mit GM Jansa und GM Prusikin schachlich enorm voran. Dies schlug sich in drei IM-Normen nieder - allesamt in den Mannschaftskämpfen des SC Forchheim erzielt - die neben einer Elo-Zahl von mindestens 2400 für die Titelverleihung erforderlich sind. Und stolz kann Andreas Rupprecht auch auf seinen positiven Score gegen Großmeister sein. Wir gratulieren herzlich!

Wie lässt sich die Stärke eines Spielers besser bewerten als anhand einer Partie. Sehen Sie, wie Andreas Rupprecht 2013 mit Großmeister Lutz Espig (Plauen), dem dreifachen DDR-Meister, in einem Bundesliga-kampf umgesprungen ist. Nach eigenem Bekunden ist dies seine beste je gespielte Partie. Wir folgen den Anmerkungen des Siegers.

Weiß: Andreas Rupprecht

Schwarz: Lutz Espig

1.d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sc3 e5 4.Sf3 Sbd7 5.e4 Le7 Altindisch. Solide, aber passiv 6.Le2 0-0 7.0-0 c6 8.Dc2 a6 9.Td1 Dc7 10.h3 Um nach Le3 nicht von Sg4 gestört zu werden. 10...b5 11.a3 Lb7 12.Le3 Schwarz baut sich komplett nach Schema auf. Nun noch Tc8, Te8, Db8 und dann probiert man, das Spiel günstig zu öffnen. Das funktioniert aber nur, wenn Weiß nicht weiß, wie man den Aufbau angreift. 12...Tac8 13.b4!? Stellt eine fiese Falle, in die GM Espig hineinfällt. 13...exd4?!

GM Espig meinte nach der Partie, er hätte Angst gehabt, nach dxe5 und anschließendem c5 eingeschnürt zu werden und öffnet das Spiel. Zudem reizt die ungedeckte weiße Dame für Öffnungen der c-Linie. Vor exd4 sollte man aber erst Te8 spielen, um auf Sf5 immer Lf8 antworten zu können. 14.Sxd4 Se5 Sieht irgendwie logisch aus. Weiß muss sich nun um c4 kümmern und nach cxb5 übernähme Schwarz die c-Linie und auch das Feld c4. 15.Sf5!! Sxc4 16.Lxc4 bxc4 17.Lb6!! Die Falle ist zugeschnappt.

17...Dd7 [17...Dxb6 18.Sxe7+ Kh8 19.Sxc8 Lxc8 20.Txd6+-] 18.Lc5!! Nur so! 18...Tfd8 [18...Tfe8 19.Lxd6 Lxd6 20.Sxd6+-] 19.e5! Sd5 20.exd6 Lf6 21.Se7+ Kh8 Man könnte nun meinen, dass sich Schwarz vielleicht doch irgendwie mit Qualitätsopfer retten kann, aber.... 22.Se4!! Lxa1 23.Sg5! Droht Dh7 und Sxf7 matt. 23...g6 24.Sxf7+ Kg7 25.Sxd8 Txd8 26.Txa1 De6 27.Dxc4 1-0

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 110a hat unser heutiger Protagonist in 2000 in einem Mannschaftskampf der Landesliga Nord gegen Stefan Krug gespielt. Finden Sie mit Weiß am Zug ein stilvolles Finale?

Mit Aufgabe Nr. 110b bieten wir mal wieder ein Hilfsmatt in zwei Zügen an, diesmal aus der Feder des Vaihinger Problemschachkomponisten Eberhard Schulze, bei dem es gilt, drei beabsichtigte Lösungen zu erkennen. Hilfsmatt bedeutet ja: Schwarz hat den Anzug und hilft Weiß dabei, den schwarzen König matt zu setzen.

Lösungen: Bei der Partie (Machan-Steinberg, W: Kg1, Dc3, Tc1, Te2, Lg2, Ba3, b2, d4, e3 [9], S: Kh8, Dg3, Tg8, Ld7, Lf4, Ba6, b5, e6, f5, h7 [10]), aus der Taktikaufgabe Nr. 109astammt, saßen sich beim Pardubize Open 2015 mit dem israelischen IM Nitzan Steinberg (17) und dem tschechischen FM Jan Machan (18) zwei Teenager gegenüber. Schwarz am Zug hatte für Königsangriff die Qualität geopfert. Dieser Entschluss sollte sich nach dem letzten weißen Zug 1.Db3-c3, mit dem Weiß seine Dame deckt und 2.exf4 droht, als richtig erweisen.

Mit 1...b4! öffnet Schwarz unter Angriff auf die weiße Dame entscheidend die Diagonale a6/f1 für seinen bislang noch untätigen weißfeldrigen Läufer. Dem damit eingeläuteten Finale hat Weiß nichts entgegenzusetzen: Die Gewinnfolge: 2.axb4 Dh2+ 3.Kf1 Lb5 (womit Schwarz den Turm f2 fesselt und 4...Dxg2+ 5.Ke1 Dxe2# droht) 4.Ke1 Lg3+ 5.Kd2 Lxd2. Nach 6.Kxd2 Dxg2+ verbliebe Schwarz eine Mehrfigur. Schwarz versuchte noch 6.Th1 und gab sich nach 6...Dxg2 7.d5+ e5 geschlagen.

Im Fünfzüger der Aufgabe Nr. 109b aus eigener Werkstatt (W: Kb5, Le5, Lf5, Sa7, Bf4 [5], S: Kd5, Bb6 [2]) hat es der schwarze König mit drei Leichtfiguren zu tun. Es fällt auf, dass Schwarz auf patt steht. Ihm ist also eine Zugmöglichkeit zu geben.

Die Pattstellung hebt Weiß mit 1.Kb4! auf und leitet damit Zugzwang ein. Die Idee des Schlüsselzuges liegt darin, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass der schwarze König via Feld c6 seine Reise zum Mattfeld a8 antreten kann. Dazu wird der schwarze König nach 1...b5 2.Sc8 gezwungen. Nach 2...Kc6 (dieses Feld ist zuvor von Weiß freigegeben worden) verhindert 3.Le6 die Rückkehr des Königs und zwingt zu 3...Kb7. 4.Kxb5 wiederum, womit der König auf sein Ursprungsfeld zurückkehrt, zwingt den schwarzen König mit 4...Ka8 auf sein Mattfeld, auf dem ihm mit 5.Ld5# sein Schicksal ereilt.

Motto: Marsch ins Bretteck mit Mustermatt. Oder um mit Wilhelm Tell zu sprechen: "Durch diese hohle Gasse muss er kommen!"
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