Angemerkt Bohren in einer offenen Wunde

Die Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAA) vor knapp 30 Jahren haben viele Menschen der Region geprägt. Vornehmlich diejenigen, die sich im Widerstand engagierten - aber auch die Befürworter. Die Gräben existieren teils heute noch.

Den Heilungsprozess beschleunigt hat sicher die Tatsache, dass heute im Taxölderner Forst über 4000 Menschen in Lohn und Brot stehen, dass Wackersdorf zum wirtschaftlichen Motor geworden ist. Das zu würdigen, stand auch im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier für den BMW-Innovationspark. Hatte nun der Widerstand die WAA "besiegt" oder die Wirtschaft schlicht das Interesse am Atomprojekt verloren? Argumente gibt es für beide Versionen. Der Erfolg hat wie so oft viele Väter.

Angesichts der offenen Wunde ist es umso erstaunlicher, dass Staatsministerin Emilia Müller am Donnerstag den Finger in eben diese legte und ganz besonders darauf verwies, dass es gerade nicht der Widerstand gewesen sei, der die WAA verhindert habe. Für viele Gegner des Atomprojekts, die ihren Frieden mit Wackersdorf geschlossen haben, möglicherweise dort heute motiviert arbeiten und genauso froh über die positive Entwicklung sind wie die damaligen Befürworter, mussten diese Sätze provozierend, vielleicht sogar verletzend klingen. Der Groll war in Gesprächen nach dem Festakt einigen anzumerken.

Die Chance, den Heilungsprozess mit verbindenden Worten zu fördern, hat Ministerin Müller vertan. Schade.
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