Angemerkt Schwer begreiflich

Es gibt mitunter Gerichtsurteile, die das Rechtsempfinden des Bürgers erheblich stören. Zum Beispiel dann, wenn rigoros vorgehende Räuber mit Bewährung davonkommen. Da wurde ein Pizzafahrer nachts an einen Ort bestellt, wo er sich plötzlich zwei dunkel gekleideten Gestalten gegenüber sah. Sie attackierten ihn, spritzten dem Mann Pfefferspray in die Augen, wollten an seinen Geldbeutel, bekamen ihn nicht und flüchteten mit zwei Pizzakartons.

Dieser Coup war eiskalt geplant, weil bei den Tätern finanzielle Ebbe herrschte. Mag sein, dass sie keine Vorstrafen hatten. Gut möglich auch, dass die neben ihrem Komplizen auf der Anklagebank sitzende Frau vorher Drogen konsumiert hatte. Und dann war da noch der Pizzabote, der sich irgendwie freute über eher lächerliche 1000 Euro, die man ihm als Entschädigung für die erlittene Tortur übergab. Als sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich, der nach Ansicht von Bundesrichtern sein muss, wenn über mildernde Umstände geredet werden soll. In der Regel geschieht das im Prozess, um die berühmte Kurve gerade noch zu kriegen.

Schon nach den Festnahmen waren ergangene Haftbefehle gegen beide Beschuldigten sofort wieder außer Vollzug gesetzt worden. Nun bekamen sie Bewährungsstrafen. Damit steht fest: Kein einziger Tag hinter Gittern für ein übles Raubverbrechen. Das ist schwer begreiflich. Auch dann, wenn die Rechtsprechung solche Möglichkeiten zulässt.
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